On_Culture: CfA for Issue 3 [Special Issue]

The On_Culture Editorial Board would like to announce a special guest issue entitled “Law Undone: De-humanizing, Queering, and Dis-abling the Law – Further Arguments for Law’s Pluralities”, which will be edited by the guest editors Greta Olson (Giessen) and Sonja Schillings (Giessen). The third issue will be released in spring 2017.

(Download CfA: PDF)

Sociological and anthropological approaches to law and legal processes have long suggested that state-made law has to be understood as culturally produced and embedded and thus as but one form of normative ordering amongst others. Culturalist approaches to law such as Law and Narrative, Law and Semiotics, Law and Cultural Studies, and Law and Visual Culture have, similarly and more recently, argued that law neither belongs to an autonomous realm of activity nor transpires with exclusively rational means. Such approaches have also contributed to more subtle understandings of “culture” as neither monolithic, homogenous, nor static.

Posthumanist and queer critiques of law suggest, in turn, that humanism’s conceptualization of rational subjects needs to be rethought as the basis of legal orders. Distinctions between legal persons and non-persons, humans and non-humans rest on a post-Enlightenment project that has privileged the White, Western, Able-Bodied, and Propertied Man as origin and subject.

[...]

Quelle: http://dhd-blog.org/?p=7055

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Wissenschaftsblogs in der Mediävistik: Anerkennungsprobleme? Kaum noch. (Beitrag zu #wbhyp)

"Zurück in die Zukunft". Das Motto der Blogparade zum Wissenschaftsbloggen ist für 2015 trefflich gewählt. Hoverboards wie im gleichnamigen Film (2. Teil) wird es in diesem Jahr wohl nicht geben (die bisher entwickelten Modelle kommen dem "Original" aus dem Film bisher nicht sehr nah), von einem fliegenden DeLorean ganz zu schweigen, aber auch ein geisteswissenschaftliches Blogportal und die Publikation von wissenschaftlichen Artikeln im großen Stil im Internet war 1985, dem Ausgangsjahr der Zeitreisen von Emmett L. Brown und Marty McFly, bzw. 1989, dem Erscheinungsjahr vom 2. Filmteil, Utopie.

Der Start von de.hypotheses vor bald drei Jahren hat irgendwann auch dezidiert mediävistische Wissenschaftsblogs auf den Plan gerufen. Die Umstände waren günstig und wir nutzten im Dezember 2012 schließlich diese Gunst der Stunde und gründeten das Mittelalterblog, das wir von Beginn an mit thematisch wie teilepochal übergreifendem und interdisziplinärem Anspruch betreiben, auch wenn wir besonders letzteren natürlich erst nach und nach einlösen. Und wir sind absolut nicht die Einzigen in der mediävistischen Blogsphäre: Selbst wenn wir den Blick auf den deutschen Sprachraum eingrenzen und erfolgreiche Blogs wie das seit 2008 bestehende kanadisch-britische medievalists.net ausblenden, macht die Vielfalt mediävistischer Unternehmungen in der "Blogosphäre"  Hoffnung: "Heraldica Nova", das Freiburger Blog zum "Mittelalter am Oberrhein" und das Seminarblog "Mediävistik auf dem Ameisenpfad" sind nur drei Beispiele für (vorwiegend) mediävistisch ausgerichtete Blogs, die neben dem Mittelalterblog in den letzten drei Jahren entstanden sind.

Um zwei der vorgeschlagenen Punkte aus dem Aufruf zur Blogparade aufzugreifen: Wie schaut es inzwischen mit der Anerkennung in "unserem" Fach aus, was hat sich getan? Ist Qualitätssicherung der Schlüssel zur Anerkennung und, wenn ja, wie weit sollte sie gehen, wo sollte sie - beim Bloggen und vielleicht auch nicht nur dort - aufhören?

Mareike König machte den Anfang bei der Blogparade #wbhyp: "Wissenschaftsbloggen - quo vadis? Vier Aufrufe und zwei Lösungen". Ihr Aufruf Nummer 2 lautet: "Vergesst die wissenschaftliche Anerkennung von Blogs!" Gemeint sind an dieser Stelle vor allem Blogs, auf denen einzelne Wissenschaftler, zumeist aus dem akademischen Nachwuchs, selbst publizieren, denn das dürfte die Mehrzahl der Blogs auf de.hypotheses betreffen. Dies hat Christoph Schöch zu einem überaus positiven Erfahrungsbericht über die "Anerkennung fürs Bloggen? Eine Geschichte über die Eigendynamik des Digitalen" bewegt, der Anne Baillots beinahe resignierenden Beitrag "Auf einer Skala von 1 bis 10, so naja" schön kontrastiert. Anerkennung von Selbstpublikationen kann also durchaus erfolgen. Und ist es wirklich etwas völlig Anderes, wenn ein etablierter Wissenschaftler nur mit  akademisch kreditwürdigem Namen und guten Kontakten bewaffnet beschließt, ein Buch zu schreiben, das dann von einem Verlag bei entsprechendem Druckkostenzuschuss auch ohne peer review veröffentlicht wird? Warum sollte die Anerkennung gefährdet sein, wenn nicht bei einem Verlag, sondern in einem eigenen Blog publiziert wird – bei fachwissenschaftlicher Expertise? Per se erfolgt Anerkennung doch erst nach erbrachter Leistung, also in der Rezension der schon gedruckten oder im Peer Review der zur Veröffentlichung eingereichten wissenschaftlichen Arbeit. Das Problem scheint eher zu sein, dass i.d.R. nur auf monographischer Ebene rezensiert wird, einzelnen Aufsätzen widmen sich Rezensenten üblicherweise nur in Sammelbänden, aber auch dort nur kurz und die Besprechung eines Blogartikels ist bisher für viele herkömmliche Rezensionsorgane, gedruckt wie online, undenkbar (es gibt mindestens eine Ausnahme, s.u.). Die Alternative zur klassischen Rezension bieten übrigens die Blogs selbst: mit der Kommentarfunktion!

Doch dies nur am Rande. Wie steht es um die Anerkennung von Wissenschaftsblogs in der Mediävistik jenseits der besprochenen Selbstpublikationen? Nicht schlecht, wahrlich nicht schlecht! Die eingangs genannte Vielfalt ist symptomatisch: es gibt inzwischen eine ganze Reihe Blogs und auf diesen naturgemäß noch viel mehr Wissenschaftler/innen, die sich dort online mit dem Mittelalter und seiner Rezeptionsgeschichte befassen. Und hinter nicht wenigen Blogs steckt eine einschlägige Institution, nicht wenige der Blogger/innen – denn genau das sind die Fachleute dann nämlich auch –, sind bei einer anerkannten Institution (MGH, RI, DIO) angestellt oder im Fach fraglos etabliert (z. B. Werner Paravicini, Martin Bertram, Anette Löffler). Man verstehe das bitte nicht falsch: wir halten solch einen Background keineswegs für notwendig. Aber das Phänomen zeigt, dass Fachvertreter mit verschiedenstem akademischen Hintergrund und unterschiedlichster Position sich vor dem Wissenschaftsbloggen nicht scheuen. Sei es zur Kommunikation, sei es zur Publikation. Das ist de facto eine Form von Anerkennung im Fach, meinen wir.

Doch da ist mehr. So konnte etwa Evina Steinova, die sich auf dem Mittelalterblog schon mehrfach karolingerzeitlichen Handschriften im Detail widmete, den ersten ihrer "Carolingian Critters" in der Zeitschrift Anglo-Saxon England in erweiterter Form veröffentlichen und ihr früherer Blogpost wird demnächst im „Deutschen Archiv“ angezeigt. Ferner bekundete eine bekannte Reihe bei unserer Übersetzerin Christina Franke Interesse an der Publikation ihrer Übertragung der Historia Occidentalis Jakobs von Vitry, die wir seit November 2013 kapitelweise auf dem Blog veröffentlichen.

Vergessen sollte man hier auch nicht, dass sich die Betreiber des RI-Opac entschlossen haben, auch wissenschaftliche Blogartikel für DIE mediävistische Online-Bibliographie zu katalogisieren; dass sich ein Deutsches Historisches Institut in Rom dazu bewegen ließ, einen Workshop zu "Blogs und Social Media für Mediävisten" auch noch unter dem provokativen Titel "Neues Werkzeug des Historikers" (Eine ernste Frage: Was hätte Ahasver von Brandt wohl von Wissenschaftsblogs gehalten?) zu finanzieren; und dass schließlich hinter dem Portal de.hypotheses, auf dem die Mehrzahl der mediävistischen Blogs im deutschen Sprachraum zu Hause ist, eine staatliche Wissenschaftsstiftung steckt, die "das ganze Elend" überhaupt erst ermöglicht hat!

Zu solchen, messbaren Fakten kommt die eigene Einschätzung. Wir haben den ganz persönlichen Eindruck, dass die Akzeptanz von Wissenschaftsblogs im Fach stark zugenommen hat, seit wir uns damit beschäftigen. Man liest uns und man liest die anderen, weit mehr, als wir das noch vor zwei Jahren behaupten konnten. Die kontinuierlich gestiegenen Zugriffszahlen dürften diesen Befund stützen.

Noch ein paar Worte zur Qualitätskontrolle wissenschaftlicher Artikel: Wie von Christoph Schöch in seinem Beitrag zur Blogparade, sei auch hier das von Clay Shirky stammende und u.a. von Hubertus Kohle mehrfach aufgenommene Motto "Publish first - filter later" stark gemacht, ebenso wie Klaus Grafs "Qualität wird überschätzt". Wir denken ebenfalls, dass am Ende der Rezipient, zumal der wissenschaftlich ausgebildete, selbst in der Lage ist, das Filtern zu übernehmen und dass er sowohl den Mut als auch das Recht haben sollte, dies zu tun. Mit der entsprechenden Ausbildung oder Erfahrung lässt sich auch aus "schlechten" Arbeiten Gewinn ziehen. Deshalb braucht es unserer Meinung nach keinen strengen (= blind, double blind) Peer Review. Und wir denken, dass der Anteil wirklich freier Publikationen, die nicht nur im #OpenAccess (dass wir den Gedanken des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Publikationen nachdrücklich befürworten, müssen wir hoffentlich nicht eigens betonen), sondern auch möglichst ohne Schranken für die wissenschaftlichen Autor/innen erscheinen können, zunehmen wird, auch wenn es vielleicht noch längere Zeit dauern wird, ehe sich dieses Modell am Ende durchsetzt.

Das Gros aller Publikationen wird ohnehin korrekturgelesen, bevor es zur Veröffentlichung kommt. Von Freunden, von Kollegen, von Redakteuren. In der Rolle der zuletzt genannten, konkret der wissenschaftlichen Redakteure, sehen wir auch die Betreiber von Wissenschaftsblogs und es ist genau diese Funktion, die wir auf dem Mittelalterblog wahrnehmen.

Wenn uns ein neuer Beitrag erreicht – ob nun von uns angefragt oder uns eigenständig angeboten –, liest ihn mindestens eine/r von uns Korrektur, entfernt dabei 1. offensichtliche Tippfehler stillschweigend, verbessert 2. bei aktivierter Änderungsnachverfolgung grammatikalische, orthographische und Interpunktionsfehler, schlägt 3. bei inhaltlichen, d.h. von uns als solchen wahrgenommenen Ungereimtheiten Änderungen, Ergänzungen oder Kürzungen vor. Sollten wir uns in der einen oder anderen Sache selbst völlig unsicher sein, kann notfalls ein/e fachlich entsprechend versierte/r Kollegin/Kollege hinzugezogen werden.

Bisher ist nur einmal der Fall eingetreten, dass wir einen Artikel komplett ablehnen mussten – allerdings nicht auf Grund wissenschaftlicher Bedenken – und wir hatten sonst bisher niemals das Gefühl, gravierend eingreifen und massive Änderungswünsche äußern zu müssen: wir hatten keinen Grund zur Sorge um ein Mindestmaß an wissenschaftlicher Qualität. Wir sind weit entfernt vom klassischen peer review und finden die intensive Arbeit MIT den Autorinnen und Autoren an ihrem Text ohnehin spannender und fruchtbarer.

Fassen wir zusammen und nehmen wir den Aufruf "Vergesst die wissenschaftliche Anerkennung von Blogs!" noch einmal auf: Wir vergessen sie nicht! Denn sie ist längst da und sie wächst. Und das alles ohne wirklichen Peer Review, oh weh! ;-)

Quelle: http://mittelalter.hypotheses.org/5181

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Anerkennung fürs Bloggen ? Eine Geschichte über die Eigendynamik des Digitalen

Anläßlich des dreijährigen Bestehens der Blog-Plattform de.hypotheses.org findet derzeit eine sogenannte Blogparade statt. Mareike König hat in ihrem Beitrag zu diesem Anlass unter anderem die Frage aufgeworfen, warum sich wissenschaftliches Bloggen “lohnt”, auch wenn diese Praxis nicht als wissenschaftliche Publikation im engeren Sinne anerkannt wird. Der lesenswerte, durchaus etwas provokante Beitrag, der unter anderem die Rolle des post-publication reviews anspricht, also einen Modus der Anerkennung jenseits des peer reviews, hat mich zu dem hier folgenden Erfahrungsbericht angeregt.

Zunächst einmal scheint der primäre Grund für die mangelnde Anerkennung von Blogs nicht mehr so sehr das digitale Medium an sich zu sein, sondern der beim bloggenden Selbstpublizieren fehlende Prozess der Qualitätssicherung und Filterung durch die KollegInnen, bekanntlich auch peer review genannt. Als Ausweg gibt es zwei Strategien: Entweder man folgt der Logik des Print-Zeitalters, in der hübsch gebundenes Papier knapp und teuer ist, führt auch für Blogs eine vorab selektierende Qualitätssicherung ein und entwickelt das Genre gewissermaßen zu einer WordPress-basierten digitalen Zeitschrift für kleinere Beiträge. Oder man folgt der Logik des Digitalen, in dem Speicherplatz fast unbegrenzt und sehr günstig ist und vertraut auf die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie und des post-publication reviews, ganz nach Clay Shirky’s Devise: “publish-first, filter later” (kürzlich von Hubertus Kohle diskutiert). Was bedeutet das? Kurz gesagt: Die knappe Ressource ist nicht das Papier, sondern die Zeit der LeserInnen. Und: Alle dürfen alles jederzeit publizieren, aber es gibt Mechanismen, die dafür sorgen, dass bestimmte Beiträge besonders viel Aufmerksamkeit bekommen.

Aber funktioniert das auch? Man wirft dem klassischen peer review immer mal gerne vor, dass hier besonders innovative, randständige oder irgendwie störende Beiträge erst gar nicht zur Publikation kämen. Und man sorgt sich etwas, dass im digitalen post-publication review nur die attraktiven, massenfähigen Beiträge genügend Schwung bekommen, um durch diverse Auszeichnungen die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen und nicht völlig unterzugehen, nicht unbedingt die besten Beiträge. Ohne hier darüber urteilen zu können und zu wollen, möchte ich einfach nur an einem persönlichen Beispiel berichten, wie so etwas ablaufen kann, um den Prozess zu veranschaulichen.

Schritt 1: Die Geschichte beginnt Anfang 2013, da hat mich Elisabeth Burr eingeladen, bei der European Summer University im Juli 2013 einen Vortrag zu halten. Es sollte ein Thema von allgemeinerem Interesse sein und ich habe mich entschieden, mir einmal das Thema der “Daten” in den (digitalen) Geisteswissenschaften vorzunehmen. Grundideen des Beitrags waren, dass es in den Geisteswissenschaften “big data” einerseits, “smart data” andererseits gibt; dass wir für beide Datentypen spezifische Methoden haben; aber dass wir eigentlich darauf abzielen sollten, “smarter big data” zu bearbeiten. Und weil mir das Ganze doch etwas komplex erschien und präzise Formulierungen wichtig sind, habe ich den Vortrag in der Vorbereitung schriftlich festgehalten.

Schritt 2: Nachdem der Vortrag gut gelaufen war, ich den Text ohnehin schon hatte, und das Ganze sowieso auf Englisch war, dachte ich mir: Das passt doch wunderbar auf deinen Blog! Also habe ich Ende Juli 2013 den Vortragstext einschließlich ein paar Abbildungen und Ergänzungen auf The Dragonfly’s Gaze publiziert, ohne mir viel dabei zu denken. So weit, so normal. Für mich war das Thema (der Blogpost, nicht die Frage nach den Daten in den Geisteswissenschaften) damit eigentlich erledigt.

Aber hoppla, Schritt 3: Erstens bekam der Beitrag mehrere Kommentare, was auf meinem Blog eher ungewöhnlich ist. Vor allem aber war ein Kommentar dabei, in dem mich die Redaktion von hypotheses.org informierte, dass der Beitrag auf der Startseite von hypotheses.org verlinkt worden ist. Das fand ich toll! (Und nein, das war nicht die Redaktion von de.hypotheses.org, der ich selbst angehöre und für die ich selbst Beiträge auf die Startseite setze, sondern die französische Redaktion.) Der post-publication review hatte gegriffen und eine digitale Dynamik war losgetreten.

Schritt 4: Ein zweiter post-publication review passierte. Die Redaktion von DH Now wurde auf den Blogpost aufmerksam, weil sie in der Zwischenzeit den RSS-Feed meines Blogs in die Liste der Ressourcen aufgenommen hatten, die von freiwilligen, ständig rotierenden Redakteuren wöchentlich gesichtet werden. Und diesmal hat jemand angebissen und den Beitrag bei DH Now mit dem Label “Editor’s Choice” ausgezeichnet, wodurch der Beitrag wiederum auf der Startseite von DH Now landete und noch einmal mehr LeserInnen bekam. (Und ja, ich war auch einmal für ein paar Wochen einer dieser Redakteure, aber das dürfte ein Jahr später keine Rolle mehr gespielt haben; oder ist mein Blog so auf deren RSS-Liste gekommen?). An dieser Stelle wurde mir das fast schon unheimlich. Warum gerade dieser Beitrag?

Und weiter, Schritt 5: Wenige Wochen später, Anfang November 2013, bekam ich eine Mail von Lisa Rhody vom Journal of Digital Humanities, eine Zeitschrift, die bereits erschienene Beiträge aus den DH auswählt und erneut publiziert (und wie DH Now vom Roy Rosenzweig Center for Digital Humanities herausgegeben wird). Lisa Rhody hatte den Beitrag auf DH Now gesehen und schlug mir vor, daraus einen Artikel für JDH zu machen. Wow! Also begann ein erneuter Prozess der Überarbeitung: beim JDH wurde der Beitrag gelesen und ich bekam eine Reihe von Anregungen für Verbesserungen, die unter anderem darauf abzielten, vorhandene Forschung zum Thema etwas stärker einzubinden und den Beitrag sprachlich auf Vordermann zu bringen. Kein sehr strenger peer review-Prozess, aber doch auch keine schlichte Übernahme des vorhandenen Textes.

Schon Mitte Dezember 2013 war es soweit: Was als einfaches Vortragsmanuskript begonnen hatte, war in wenigen Monaten zu einem Artikel im Journal of Digital Humanities geworden! Und einer meiner Posts von The Dragonfly’s Gaze hatte plötzlich wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen, als die anderen. Dieser kleinen Erfolgsgeschichte stehen natürlich Dutzende Blogposts gegenüber, bei denen nichts derartiges passiert ist. Ob das nun am Thema des Artikels, an seiner Qualität, oder am Zufall der digitalen Dynamik lag, wage ich nicht zu beurteilen. Wahrscheinlich kam alles irgendwie zusammen.

(Dies ist übrigens nur eine von mehreren solcher Geschichten, die ich erzählen könnte. Eine weitere, etwas anders gelagerte, ist die von einem Vortrag über “Collaborative Writing Tools” bei der Digital Humanities Australasia, dessen Slides ich auf Zenodo.org gepostet und darüber getwittert hatte, woraus letztlich ein Blogpost bei Impact of Social Sciences wurde. Der Beitrag wurde anschließend über 700 Mal auf Twitter erwähnt! Vermutlich ist dieser kleine Post in einem halben Jahr öfter gelesen wurde, als alles, was ich sonst je publiziert habe, zusammen genommen. Ist das nun gut oder schlecht?)

Welches Fazit also ziehen? Gewöhnungsbedürftig ist auf jeden Fall der Kontrollverlust über den Prozess, der sich stärker als zuvor aus der Eigendynamik der Mechanismen ergibt, die sich das Feld der Digital Humanities mit Blogplattformen, Twitter, RSS und Initiativen wie DH Now gegeben hat. Diese selbst mitzugestalten dürfte der beste Weg aus diesem Gefühl des Kontrollverlustes sein. Spannend und lehrreich ist dies auf jeden Fall, ebenso wie die Erfahrung, was da mit dem eigenen Beitrag passiert. Und “gelohnt” hatte sich der Beitrag übrigens schon ganz zu Anfang, nach dem Vortrag in Leipzig!

Quelle: http://dhd-blog.org/?p=4611

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Qualität wird überschätzt

Ein Gastbeitrag von Klaus Graf

Wer sich nicht mit dem Video (etwa bei 2:00:00) oder der Twitter-Ausbeute meines Kurzreferats auf der Sektion der AG Digitale Geschichtswissenschaft auf dem Göttinger Historikertag am 24. September 2014 begnügen möchte, kann es hier nachlesen. Die Vortragsform wurde beibehalten.

Qualität wird überschätzt. Nee, ne – das meint der jetzt nicht ernst oder? Ich sag es gern nochmal: Qualität wird überschätzt. (Und leider auch die Redezeit …)

Es ist höchste Zeit für einen Befreiungsschlag gegen die verbreitete Exzellenz-Huberei, gegen die Innovations-Meierei, das Faseln von Leuchttürmen und vergleichbare Zumutungen in Sachen wissenschaftlicher Spitzenleistungen.

Wenn wir den abgestandenen Qualitäts-Wein der traditionellen Qualitätssicherung in die neuen digitalen Schläuche füllen, wird das meiner Überzeugung nach der Wissenschaft nicht gut bekommen.

Wir neigen dazu, Qualität mit Relevanz zu verwechseln, also aktuelle Trends, das, was führende Fachzeitschriften oder das Feuilleton oder die Lektoren von C. H. Beck oder die Veranstalter des Historikertags sexy finden, mit guter Wissenschaft. Man kann aber nun wirklich nicht behaupten, dass nach Guttenbergs “Summa cum laude” oder dem als Rader-Gate bekannten Wikipedia-Plagiat in Beck-Büchern die wissenschaftliche Qualitätssicherung sich unangefochten wie eh und je in schimmernder Wehr zu präsentieren vermag.

Wissenschaftliche Qualität in den Geisteswissenschaften wird überschätzt, weil sie anders als die Life Sciences nicht die Conditio humana betrifft. Produktqualität ist etwas ganz anderes; ich erinnere nur an den letzten Tatort aus Münster zum Thema Medikamentenfälschung. Wissenschaftliches Gammelfleisch bringt niemanden um.

Wissenschaft war immer schon ein wüstes Gemenge aus genialen Einfällen, haarsträubenden Theorien und ganz viel Mittelmaß, ganz viel unspektakulärem Mühen in der Ebene oder auch “Andacht zum Unbedeutenden” (diese hat man ja bekanntlich zwei der berühmtesten Wissenschaftlern, die in Göttingen wirkten, attestiert: den Brüdern Grimm). Man kann es auch mit dem Philosophen Paul Feyerabend sagen: Anything goes. Schon ein flüchtiger Blick auf die vielen Irrtümer der Wissenschaftsgeschichte sollte genügen, um uns in Sachen quasi-olympischer Forschungs-Bestleistungen Demut und Gelassenheit zu lehren.

Zudem wird die naiv-biedere Vorstellung von solider und überprüfbarer Geschichtswissenschaft dank exzessiven postmodernen Theoriegebrauchs von unzähligen Graduiertenkollegs, die auf dergleichen Wortgeklingel spezialisiert sind, mehr und mehr ad absurdum geführt.

Wenn wir Wissenschaft als dynamischen Prozess verstehen, müssen wir dem Scheitern und dem Fragment mehr Raum einräumen als bisher. Das Missglückte und das Unvollendete, das im Blick auf den damit verbundenen Erfahrungszuwachs immer auch einen Sieg bedeutet, entzieht sich jedem Exorzismus, da wir nun einmal nicht unfehlbar sind (vom Papst einmal abgesehen). Der Tod, Demenz oder auch Altersweisheit setzen jedem individuellen wissenschaftlichen Streben Grenzen. Der eigene Forschungsprozess wird von vielen Unwägbarkeiten bestimmt; was in Nachrufen als abgerundetes Lebenswerk erscheint, ist oft genug nur eine Konstruktion ex post.

Ein Blick auf die verschiedenen hergebrachten Werkzeuge, mit denen wir Qualität auszuwürfeln pflegen, macht rasch klar, wie wenig von “Objektivität” die Rede sein kann. Nehmen wir die akademische Laufbahn: Nicht unbedingt die talentiertesten Köpfe werden Professoren. Oder Tagungseinladungen, denen allzu häufig unweigerlich der nicht weiter qualitätsgesicherte Sammelband folgt, mitunter eine üble Zumutung. Nicht Qualität setzt sich durch, sondern der Vernetzungsgrad des Autors. Selbst bei einem offenen Call for Papers kann von transparenter Auswahl noch nicht gesprochen werden. (Auf “schlechte Bücher” gehe ich diesmal nicht ein und verweise auf meinen Aufsatz von 2013 zum Thema.)

Bei Zeitschriften beginnt sich erst allmählich das Peer Review zu etablieren, meist in der Form der doppelt blinden Begutachtung anonymisierter Einreichungen durch anonym bleibende Gutachter. Nicht alle führenden deutschen geschichtswissenschaftlichen Zeitschriften praktizieren es bereits. Historische Zeitschrift und Zeitschrift für Historische Forschung tun es, bei der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft erfolgt eine externe Begutachtung nur in Zweifelsfällen; beim Archiv für Kulturgeschichte gibt es keine Anhaltspunkte für Peer Review auf der Website. Für mich hat dieses von Forschungsförderungsorganisationen überaus gern gesehene Peer Review etwas von einem Fetisch. Hat etwa die traditionelle Qualitätssicherung der Geschichtswissenschaft, die auf die Wertentscheidung eines Herausgebers, eventuell verbunden mit redaktioneller Betreuung, setzte, in der Vergangenheit ganz und gar versagt? Wohl kaum!

Gegen das genuin naturwissenschaftliche Peer Review gibt es viele Einwände: Die Anonymität ist nicht selten unwirksam, wenn man den Verfasser leicht errät. Gutachter neigen dazu, unkonventionelle Ansätze abzuwerten. Ein Bonmot sagt: Peer Review entscheidet nur, wo etwas publiziert wird, nicht ob etwas publiziert wird. Kurz: Geisteswissenschaftliche Forschung wird nicht wesentlich besser, wenn man das Peer Review als Monstranz vor sich her trägt.

Höchst erfolgreich ist das weltweit größte Open-Access-Journal PLoS One mit seinem deutlich entschärften Peer Review: Während Fachzeitschriften wie Nature oder Science Artikel nach ihrer Attraktivität bewerten (also ob sie hinreichend sexy sind), akzeptiert PLoS One alle methodisch soliden Beiträge. Mehrere kommerzielle Klone beweisen, dass es damit im STM-Bereich einen Nerv getroffen hat. Andere Open-Access-Zeitschriften dokumentieren den Verlauf des Reviews: Man kann die Korrespondenz zwischen Herausgebern und den Autoren detailliert nachlesen, was nicht nur erfreulich transparent, sondern vor allem höchst instruktiv ist.

Erst das Internet schuf die Voraussetzungen für recht vielfältige Bewertungs-Mechanismen, die man auch in den Wissenschaften ausprobieren könnte: Empfehlungs-Systeme wie bei Amazon, Leser-Rezensionen (ebenfalls Amazon), Bewertungsportale für Hotels oder Lehrer oder Uni-Professoren, Abrufstatistiken, Zitations-Indices. “Open Review” ermöglicht es, Artikel nach ihrer Veröffentlichung zu begutachten. Solche sehr wichtigen Experimente nehmen mehr und mehr an Fahrt auf, auch wenn es sich noch um absolute Nischen-Anwendungen handelt.

Es ist inzwischen wohl hinreichend deutlich geworden, dass ich ein vehementer Verteidiger der Devise “Publish first, filter later” bin, die in Deutschland vor allem der Kunsthistoriker Hubertus Kohle vertritt. Qualitätssicherung kann auch Vorzensur und Bevormundung bedeuten.

Noch sind die Digital Humanities die Verlierer, wenn es um Macht und Einfluss geht. Es spricht aber einiges dafür, dass das bisher dominierende Motto “Das Fachpublikum, was schluckt es? Nur Gedrucktes!” an Durchsetzungskraft verliert. Es wäre indessen ein Fehler, im Bereich Open Access oder Wissenschaftsblogs auf dubiose traditionelle Werkzeuge wie das Peer Review zu setzen, um so die Akzeptanz der digitalen Produktion zu erhöhen. Stattdessen sind digitale Filter-Technologien angesagt. Beispiele: Die Redaktion von hypotheses.org wählt für die Startseite besonders gelungene Beiträge aus, es gab (umstrittene) Award-Verleihungen. Auf Twitter-Empfehlungen hat Mareike König bereits hingewiesen.

Blogs brauchen kein Peer Review und keine qualitätssichernde Redaktion, die sich die ganze Grämlichkeit des verknöcherten Wissenschaftsbetriebs zum Vorbild nimmt. Wer Quellenkritik beherrscht (jene Skepsis, von der der Bundespräsident sprach), für den ist es auch möglich, gute und schlechte Blogartikel zu unterscheiden.

Blogs sollen bunt und lebendig sein, gern auch laut und frech und polemisch. Sie dürfen Fragmente, Unfertiges publizieren und – horribile dictu – von Jetzt auf Gleich einfach so abbrechen. Blogs sollen Kritik in Form von Kommentaren ertragen können, auch wenn diese hart oder scharf formuliert ist. Scheitern ist menschlich: Das gilt für Kritisierte wie für Kritiker. Kritik und Meinungsfreiheit werden unzuträglich eingeschränkt, wenn man bei etwas zu vorlauten oder im Ton problematischen Wortmeldungen gleich Zeter und Mordio schreit.

Am eunuchenhaften Rezensionswesen kann man sehen, wie wenig wissenschaftlichen Ertrag die typische wohlwollende Wischi-Waschi-Besprechung erbringt. Über den Inhalt unterrichten inzwischen im Internet Klappentexte und Inhaltsverzeichnisse. Verrisse (wenn sie denn angebracht sind) sind allemal lehrreicher.

Über gescheiterte Blogeinträge (und natürlich auch Vorträge) dürfen wir uns gern ärgern. Wir dürfen sie auch öffentlich kritisieren. Selbst wenn wir das Scheitern nicht verhindern können, müssen wir es ja nicht bewusst anstreben. Aber wir sollten uns darüber im klaren sein, dass auch gescheiterte Blogeinträge kostbare Inkunabeln für künftige Wissenschaftshistoriker sind, die das Thema, wie die Historikerinnen und Historiker das Bloggen lernten, sicher einmal sehr spannend und sexy finden werden.

Quelle: http://digigw.hypotheses.org/1063

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#dhiha5 Panel III: Evaluierung und Qualitätssicherung in den Digital Humanities

Arbeitsgruppe: Sascha Foerster (Max Weber Stiftung, Bonn), Lilian Landes (BSB München), Bertram Triebel (TU Bergakademie Freiberg)

Wir haben uns mit zwei großen Themenfeldern beschäftigt: Evaluierung und Qualitätsmanagement. Bei beiden Themenbereichen beginnen wir mit einer Beschreibung des Status quo, um anschließend so konkret wie möglich Empfehlungen an verschiedene Zielgruppen auszusprechen (an die sich als Ergebnis der Tagung auch das gemeinsame Manifest richten wird), also z.B. Förderorganisationen, Redaktionen und, nicht zu vergessen, auch den wissenschaftlichen Nachwuchs selbst. Viele Punkte können nur angesprochen, nicht ausgeführt werden, wie es ihnen eigentlich zustehen würde. Dieser Beitrag ist gleichzeitig die Auswertung der Blogparade #dhiha5 für den Bereich Evaluierung/Qualitätssicherung.

1. Evaluation

Gemeint sind Antragsverfahren von Forschern und Forschergruppen bei Förderorganisationen, Bewerbungsverfahren um Stellen an Universitäten oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Stipendien usw.

Zwei Thesen vorab:

  • Das Internet verändert die Art, wissenschaftlich zu publizieren. Damit werden sich auch die Evaluierungskriterien ändern müssen.
  • Es entstehen neue Formen der wissenschaftlichen Leistung: Aufbau von Datenbanken, Entwicklung technischer Tools oder Programmierung von Codes, Visualisierungen, Big Data, dynamische Bibliographien, Wikis und Vieles mehr. Auch für diese Formate müssen Evaluierungskriterien entwickelt werden, verbunden mit der immer neu zu stellenden Grundfrage: Was ist eine wissenschaftliche Arbeit / Leistung?

1.0 Situation

In den Blogposts, die sich im Vorfeld der Konferenz unserer Thematik annahmen, war der am häufigsten geäußerte Aspekt die derzeitige Nicht-Anerkennung digitaler Medien (Blogs, Wikipedia, Twitter etc.) bei Professoren und (!) Kommilitonen (z.B. tekninen historia, gab_log-Blog, Criticalbits.[1]

Denselben Gedanken etwas anders formuliert das Blog hellojed.[2]: „Geschichte bleibt weiterhin ein Fach, dass die Monographie über den Aufsatz stellt, das Papier über das PDF, das Verlagshaus über den offenen Zugang.“

Generell erscheinen die Fragen von Evaluierung und Anerkennung weniger problematisch bei Monographien oder Open-Access-Zeitschriften (bei Letzteren hakt es eher beim Impact Factor, über dessen Relevanz in den Geisteswissenschaften aber ohnehin gestritten werden darf, weshalb der Aspekt hier ausgeklammert wird). Monographien oder Zeitschriften, die online erscheinen, können mit ISB- bzw. ISS-Nummern ausgestattet und damit formal ihren papiernen Varianten weitgehend gleichgestellt werden. Das Problem beginnt bei genuinen Netzformaten, also Blogs, Mikroblogs, Kommentaren, Wikis (RKB-Blog).[3]

Web-Aktivitäten (hier noch einmal wiederholt eine Auswahl dessen, was wir damit im Folgenden meinen: Datenbanken, Wikis, Tools, Codes, Big Data, Social Media, Blogs, Kommentare, etc.) lassen sich schwer oder gar nicht einbringen bzw. anerkennen bei Förderanträgen, Stipendienbewerbungen u.ä. In der Regel fehlen entsprechende Kategorien in Antragsszenarien der Forschungsförderer, obschon all diese Aktivitäten maßgeblich und identitätsstiftend sind in den Digital Humanists. Dasselbe gilt für Qualifikationsanerkennungen, z.B. hinsichtlich Programmiersprachen und Web 2.0-Kompetenzen.

Grundprobleme: Was wird als wissenschaftliche Leistung anerkannt (erster Schritt, siehe oben) und wie wird jenseits von ISBN und ISSN und Papier evaluiert, wenn wir über Formate sprechen, die (nur) online publiziert werden (können)?

1.1 Empfehlungen an Förderer

Dieser Abschnitt ist teilweise als Empfehlung, teilweise als Frage an die Förderer zu verstehen, etwa an Frau Žic-Fuchs (ESF).

Und mit einer Frage starten wir auch gleich: Wie ist der Ablauf einer Projektevaluierung im Bereich der Digital Humanities bei der ESF, wie geht man etwa mit ihrer zwangsläufigen Interdisziplinarität um?

Online findet man dazu etwa Guidelines der Modern Language Association (MLA)[4], die beispielsweise den Punkt „Engage Qualified Reviewers“ stark machen. Wie schwierig ist es, Gutachter mit umfangreichen Erfahrungen im Umgang mit digitalen Medien zu finden? Damit verbunden: Gutachter sollten das Medienspezifische der Arbeit berücksichtigen, das bedeutet etwa, webbasierte Projekte auch tatsächlich in elektronischer Form zu begutachten und den klassischen Kreis der Reviewer zu erweitern: Neben Geisteswissenschaftlern müssen auch Informatiker, Ingenieure, technische Fachleute befragt werden, um Codes, Datenbanken etc. kompetent einschätzen zu können.

Grundsätzlich sollte eine Anerkennung neuer Publikationsformen erfolgen und die zugrundeliegenden Richtlinien kontinuierlich hinterfragt und ergänzt werden – zumindest bei der Evaluierung genuiner DH-Projekte (dazu auch dhd-Blog)[5]. Todd Presner, Direktor des Center for Digital Humanities an der University of California etwa nennt konkrete Evaluierungskriterien: “support by granting agencies or foundations, number of viewers or contributors to a site and what they contribute, citations in both traditional literature and online (blogs, social media, links, and trackbacks), use or adoption of the project by other scholars and institutions [Kriterium der Prototyp-Entwicklung], conferences and symposia featuring the project, and resonance in public and community outreach (such as museum exhibitions, impact on public policy, adoption in curricula, and so forth).”[6]

Auch das Center for Digital Research in the Humanities an der University of Nebraska gibt konkrete Evaluierungsempfehlungen, so etwa “Peer Review of digital research sites or tools” oder „Technical innovation and sophistication of projects“ oder der zentrale Aspekt der „Long-term accessibility, viability for archival use“.[7]

Entscheidend erscheint uns darüber hinaus, Nachwuchswissenschaftler früh an die Nutzung genuin digitaler Textgenres heran- und von der Arbeit im „stillen Kämmerlein“ wegzuführen. Dafür müssen Anreize geschaffen werden.

In der Blogparade bezog sich diese Forderung naturgemäß auf das Medium Blog (hellojed),[8] so dass an dieser Stelle als positives Beispiel auf die Gerda Henkel Stiftung (Mitveranstalter der Konferenz) verwiesen sei – genauer auf das L.I.S.A. Portal als Ort des Ausprobierens, das Raum für einzelne erste Blogposts bietet, ebenso wie die Förderung von Videoprojekten zur Begleitung von Stipendien.[9]

Web 2.0-Nutzung wird damit belohnt, was Nachwuchswissenschaftler am dringendsten brauchen: Aufmerksamkeit (kommt auch dem Förderer zugute). Hierzu passt gut das Stichwort “Social Media als Wettbewerbsvorteil” über das im Redaktionsblog von de.hypotheses geschrieben wurde.[10]

Gleichzeitig würden damit “Leuchtturm”-Blogs als gute Vorbilder geschaffen. Zur Relevanz von Vorbildern schrieb das gab_log-Blog.[11]

Aber um vom Focus „Blog“ wegzukommen: Zentrales Anliegen der DH ist das Nebeneinander und die Gleichwertigkeit unterschiedlichster Medien – damit das Anliegen, nach Inhalten zu bewerten, unabhängig vom Medium (MinusEinsEbene)[12]. Folglich muss nicht nur das Spektrum akzeptierter Medien und Textgenres erweitert werden, sondern es müssen dabei auch die Spezifika des jeweiligen Mediums berücksichtigt werden.[13]

Zwei letzte kurze Empfehlungen an Förderorganisationen, eher visionärer Natur aber nicht weniger wichtig:

Als Evaluierungskriterium wäre die Frage wünschenswert, wie der Wissenschaftler zur gesellschaftlichen Legitimierung von Wissenschaft beiträgt, eine Frage, die die Förderer selbst bei ihrer Mittelzuwendung durchaus betrifft, nicht berührt von ihr ist dagegen bislang der Wissenschaftler selbst, der ganz am Ende der Förderkette steht. Bei dieser Legitimierungsfrage haben Online-Aktivitäten große Bedeutung.[14]

Und schließlich: Bei der Bewertung von DH-Projekten ist – wir sprechen hier über die Antragsphasen – der Aspekt von “Experimentation and Risk-Taking”[15] (Presner) von zentraler Bedeutung. Beinahe alle dieser Projekte bewegen sich an der Spitze einer Bewegung, die immens raschen Metamorphosen unterworfen ist. Risiko gehört zum Alltag der Digital Humanities.

1.2 Empfehlungen an die (Nachwuchs-)Wissenschaftler

Ganz bewusst wenden wir uns auch an den Nachwuchs selbst, denn der Ruf nach der Veränderung äußerer Bedingungen allein ist unserer Meinung nach nicht ausreichend. Auch wir selbst schaffen neue Voraussetzungen oder zementieren alte Verhältnisse.

Ein Zitat aus den MLA-Guidelines: “Ask about Evaluation and Support: When candidates for faculty positions first negotiate the terms of their jobs, they should ask how credit for digital work will be considered in terms of teaching, research, and service in the reappointment, tenure, and promotion processes”.[16] Die Empfehlung also: sich informieren!

Die zweite Empfehlung ist eine der wichtigsten: Mut zum Meinungswechsel entwickeln. Dazu gehört, keine Angst davor zu haben, später einen heute im Netz geäußerte Meinung zu revidieren oder zu modifizieren, gerade auch durch den so ermöglichten Austausch mit anderen (tekninen historia).[17]

Dritte Empfehlung: Den Ruf nach Anerkennung durch Förderorganisationen durch zweierlei „eigenen Mut“ unterstreichen (RKB-Blog)[18]:

  • Zum Einen gilt es, substanzielle digitale Leistung in welcher Form auch immer (s.o.) in eigenen Bewerbungen/Drittmittelanträgen aufzuführen. Allzu oft wird dies in vorauseilendem Gehorsam nicht getan, mit Rücksicht auf die vermutete Einstellung der Gutachter (vgl. 1.0 Situation).
  • Zweitens: Den Mut entwickeln, auch bei einschlägigen Publikationen auf das (scheinbar) renommierte Papiermedium zu verzichten, zugunsten von Open Access und womöglich sogar fluiden Textformaten.

Damit verbunden die deutlich Aufforderung an den Gesetzgeber, mit der Umsetzung der EU-Richtlinie für ein garantiertes Zweitveröffentlichungsrecht für den Autor juristische Klarheit auch bezüglich des „grünen Wegs“ zu schaffen.

Arbeitet kollaborativ und strukturiert dieses gemeinschaftliche Arbeiten: “(…) authors should indicate the roles that they played (and time commitments) at each phase of the project development”, empfiehlt (zu Recht) Todd Presner.[19] Bei kollaborativen Projekten sollte offengelegt werden, wer welchen Beitrag geleistet hat, das erleichtert die Evaluation. Dazu gehört auch die Arbeit an der „Umgebung“, also an der Struktur einer Datenbank oder den Features einer Website.

2. Qualitätsmanagement 

2.0 Situation

Der Veröffentlichung vorgelagerte Peer-Review-Verfahren klassischer Journals gelten als wissenschaftlicher Standard. Ansätze zu Open-Peer-Review-Verfahren werden mit wohlwollender Skepsis als Exoten betrachtet.[20]

Ein Zitat aus der Blogparade „Die Wertung, dass gedruckte Bücher mehr wert seien als digitale, hält keiner Debatte stand. Was nichts daran ändert, dass es so gesehen wird“ (MinusEinsEbene).[21] Qualitätssicherung im Digitalen wird dadurch enorm erschwert, denn durch die allgemeine höhere Anerkennung klassischer Publikationsformate (Journals, Monographien) werden die besseren Arbeiten immer noch in der Regel klassisch publiziert.

Diese Skepsis gilt in verschärfter Form für neue Formen, die das übliche Textformat verlassen, d.h. Videos, dynamische Bibliographien, Datenbanken, Podcasts u.ä., da hier die klassischen Qualitätssicherungsverfahren des Papiers anders als bei Online-Monographien oder -Zeitschriften nicht im Digitalen greifen (können).

Digitale Publikationsformen sind gekennzeichnet durch eine tendenzielle “Ent-Hierarchisierung” (Stichwort der Blogparade, DHIP-Blog)[22], und diese Enthierarchisierung wird oft als Gefahr für wissenschaftliche Qualität betrachtet – im Glauben, die Meinung eines Professors müsse eine generell höhere Gewichtung erfahren als etwa jene eines Nachwuchswissenschaftlers.

Gerade in der deutschen Wissenschaftskultur erscheint (klassische) Qualitätssicherung per Peer-Review unantastbar. Der Glaube an neutrale Vorinstanzen als unverzichtbarer Filter ist stark (RKB-Blog).[23] De facto (gerade bei kleineren Zeitschriften) entscheidet häufig die Redaktion nach nicht transparenten Kriterien (ähnlich K. Graf per Kommentar, Redaktionsblog de.hypotheses).[24]

Im Ergebnis stellen sich zwei Grundfragen:

  • Überwiegen die Vorteile digitalen Publizierens und neuer Publikationsformen den der vorgelagerten (und häufig schlecht praktizierten) Peer-Reviewing-Verfahren?
  • Wie kann Qualitätssicherung im genuin Digitalen funktionieren?

Noch einmal Todd Presner: “Peer review can happen formally through letters of solicitation but also be assessed through online forums, citations and discussions in scholarly venues, grants received from foundations and other sources of funding, and public presentations of the project at conferences and symposia”.[25]

2.1 Empfehlungen an Redaktionen klassischer Formate

Wir beschränken und auf drei Empfehlungen. Die erste greift ein weiteres Stichwort aus dem DHIP-Blog auf, “Beschleunigung”[26]. Beschleunigung wird der Digitalisierung oft vorgeworfen, einige Aspekte davon sind aber im Sinne der Qualitätssteigerung durchaus sinnvoll – etwa die Möglichkeit zum raschen Austausch mit weit entfernt arbeitenden oder sogar bislang unbekannten Kollegen –, woraus die Empfehlung folgt, die eigenen Autoren etwa zum Bloggen im Vorfeld klassischer Publikationen anzuregen.

Zeigen Sie Präsenz in den sozialen Medien, um den Nachwuchs nicht zu “verlieren”.

Einrichtung eines Online-Archivs: Führen Sie je nach Copyright-Situation Verhandlungen mit dem beteiligten Verlag, um eine Embargofrist/Moving Wall zu vermeiden oder so kurz als möglich zu halten.

2.2 Empfehlungen an Online-Redaktionen

Am Beginn steht die grundsätzliche Frage: Wie sinnvoll ist die Übertragung redaktioneller Schranken bzw. geschützter Bereiche vom gedruckten ins Online-Medium? Dahinter verbirgt sich die Illusion eines „fertigen“ Zustands von Texten (die dem Potential von Netzpublikationen entgegensteht). Dahinter steht auch die Illusion, dass ein Text grundsätzlich „wertvoll“ oder „nicht wertvoll“ (ergo nicht publikationswürdig) sein kann (RKB-Blog).[27]

Um der beschriebenen grundlegenden Qualitätsskepsis gegenüber Online-Formaten entgegenzutreten, sollten wissenschaftsspezifische Bereiche gegründet werden, wie es für Blogs etwa durch hypotheses.org passiert ist (RKB-Blog).[28]

Experimentierfreude zulassen! Dazu gehört, die Verbindung von Text, Bild, Video, Social Media u.a. zu erproben, “Prosumer”-orientierte Konzepte zu entwickeln oder neue Formate der Qualitätssicherung wie Open Peer Review (Bsp. Historyblogosphere, s.o.) zu erproben. Voraussetzung: Mindestens ein Mitarbeiter, der Spaß und Know How im Digitalen mitbringt.

In den Kommentaren des RKB-Blogs[29] gab es den Vorschlag (H. Hartmann) folgender Reihenfolge für die Online-Publikation (klassischer Texte): Begutachtung – Online-Publikation – Kommentarmöglichkeiten – regelmäßige Möglichkeit der Stellungnahme zu Kommentaren, bzw. die Chance zu einer modifizierten Publikation. Der Vorschlag erscheint uns als ein Modell für den Übergang. Die vorgelagerte Filterung aus dem Papiermedium wird übernommen, solange eine nachgelagerte Filterung durch zu geringe Beteiligung von Wissenschaftlern nicht gegeben ist (kommentieren, twittern etc. im Sinne von Presner, s.o.). Diese nachgelagerten Mechanismen würde im Idealfall für ein automatisches “Hochspülen” qualitätvoller Beiträge in der Wahrnehmung sorgen, dem „publish-first-filter later-Gedanken[30] folgend.

Förderung des Mehrwerts elektronischen Publizierens, z.B. von Verlinkungen, Einbettung nicht-textueller Formate, gutes Metadatenmanagement, LZA, URN-Versorgung, Suchmaschinenoptimierung u.ä.

Innovative Formate machen eine regelmäßige Evaluation der Benutzer/innen mit dem Ziel höherer Nutzung/Zufriedenheit erforderlich (mind the gap(s) mit Blick auf Digitalisate).[31]

2.3 Empfehlungen an die (Nachwuchs-)Wissenschaftler

Ebenso wie im Bereich der Evaluation auch hier der Appell, kollaboratives Schreiben aktiv zu praktizieren, das zweifellos an Bedeutung gewinnen wird: entsprechende Tools ausprobieren, das „stille Kämmerchen“ meiden und die Mitstreiter mit Bedacht wählen. Gerade im Bereich des Nachwuchses, wo jeder ein unterschiedliches Maß an Erfahrung mitbringt, führt dies in der Regel zu einem Plus bei der Qualität, nutzt die Vorteile digitalen Arbeitens Multimedialität / Kommunikativität und vermeidet die Gefahr, das Papiermedium lediglich ins Netz zu transferieren.

Sammelt selbst konkrete Erfahrungen! Anne Baillot (Digital Intellectuals[32]) etwa schrieb dazu, ihr Blog begleite das Forschungsprojekt nicht mehr nur (im Sinne eines zeitlichen Zusatzaufwands), es bringe es vielmehr inhaltlich voran. Das bedeutet ein Qualitätsplus

  • einerseits “nach außen” (z.B. Vernetzung mit Fachkollegen in aller Welt)
  • andererseits “nach innen” durch das Vorsortieren von Gedanken, “Reifungsprozess” von Erkenntnissen durch Blogging als Vorstufe des Schreibens.

Die Haltung der “Mehr-Arbeit” durch Nutzung/Bedienung von Online-Formaten sollte abgelegt werden, wie sie sogar in der Blogparade auftauchte (Kommentare im RKB-Blog)[33]: Dort wurde gefragt, wer das denn alles lesen solle und nachts womöglich noch die Publikationen der Kollegen kommentiere? Wir würden antworten: All das dient der Filterung und Zeitersparnis und ist “nur” in der Übergangszeit ein Phänomen des Mehraufwands – solange zwei Systeme bedient werden, z.B. die klassische Rezension und der Online-Kommentar. Mit der Filterung und damit Qualitätssicherung ist man nicht allein, es bilden sich Kreise, wie man es etwa bald nach der Anmeldung bei Twitter erlebt und positiv überrascht ist über das Mehr an (besserer) Information bei gleichzeitiger Zeitersparnis für den Einzelnen.

2.4 Empfehlungen an Förderorganisationen

Bei DH-Projekten Fördergelder für Wissenschaftskommunikation in Blogs & sozialen Medien ermöglichen, sofern beantragt.

Sinnvoller als die Förderung von „Nachbauten redaktioneller Strukturen“ im Netz sind Erforschung und Umsetzung von Suchsystemen und Metadatenstrukturen, die die Findbarkeit, Zuordnung und Bewertung von Texten erleichtern. Grundprinzip: publish first, filter later (s.o.) bzw. die Erkenntnis, dass der Platz im Netz unbegrenzt ist und auch die schlechteste Publikation im Detail Erkenntnisgewinn für den Fachkollegen birgt (RKB-Blog).[34]

Investitionen in Langzeitarchivierungstechnik sind Grundvoraussetzung für Qualitätsmanagement im Bereich wissenschaftlicher Publikationen (RKB-Blog)[35].

Die Förderung von DH-Projekten auch mit Blick auf Interdisziplinarität verstärken (Stichwort im DHIP-Blog)[36], die einen (überfälligen) Qualitätszuwachs bedeutet.

In Bewerbungsverfahren sollten nicht nur Peer-Review-Veröffentlichungen Berücksichtigung finden, sondern auch andere wissenschaftliche Leistungen anerkannt werden.

Ein Schlusszitat für den Bereich der Qualitätssicherung:

„Bei den Texten im Internet [impliziert: solche ohne redaktionelle Qualitätskontrolle] sollen wir besondere Sorgfalt walten lassen, sie kritisch lesen und zum einen die Belege des Autors überprüfen und zum anderen nach eventuellen versteckten Botschaften suchen. Aber ist das nicht, wie wir jeden Text, gedruckt oder am Monitor, lesen sollten? Ist das Internet jetzt besonders gefährlich oder besinnen wir uns nur durch das Neue wieder auf die kritische Methode?“ (Criticalbits)[37]

3. Schluss

Vielleicht kommen wir in der Diskussion auch zu den Grenzen der Evaluation, denn alles Genannte stößt etwa im Bereich des Mikrobloggigs schnell an Schranken:

Ist Twittern letztendlich, wie in den Kommentaren des RKB-Blogs[38] vorgeschlagen einem Wortbeitrag bei einer Tagung gleichzusetzen, der auch nur einen inoffiziellen Platz im klassischen geisteswissenschaftlichen Währungssystem hat?

Ein letzter Griff in die reichen Erträge der Blogparade, um unsere Präsentation zu beschließen:

„Ich denke, das Interagieren durch Bloggen, Facebook, Twitter, etc. wird in den nächsten Jahren (mit “Jahrzehnten” bin ich in dieser schnelllebigen Zeit vorsichtig) nicht das Publizieren und Vernetzen in den herkömmlichen Weisen ersetzen, sondern nur eine weitere, parallele Form darstellen“ (tekninen historia)[39]. Umso wichtiger, dass wir jetzt damit beginnen, diese neuen Parallelformen adäquat zu berücksichtigen und dafür Methoden der Evaluierung und der Qualitätssicherung zu finden.

[1] Petra Tabarelli, http://tektoria.de/du-schreibst-in-einem-blog-meinst-du-ernsthaft-dass-das-jemand-liest-und-interessiert-ein-beitrag-fur-dhiha5/ (tekninen historia); Charlotte Jahnz, http://gab.hypotheses.org/684 (gab_log-Blog); Philipp Nordmeyer, http://www.criticalbits.org/2013/04/25/blogs-bucher-und-das-werkzeug-des-historikers/ (Criticalbits).

[2] Moritz Hoffmann, http://www.hellojed.de/wp/?p=453 (hellojed.). Ähnlich auch Sebastian Gießmann, https://datanetworks.wordpress.com/2013/05/23/digital-humanities-und-medienkulturwissenschaft-dhiha5/ (Daten und Netzwerke).

[3] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[4] http://www.mla.org/guidelines_evaluation_digital.

[5] Christof Schöch, http://dhd-blog.org/?p=1487 (dhd-Blog).

[6] http://idhmc.tamu.edu/commentpress/digital-scholarship/.

[7] http://cdrh.unl.edu/articles/promotion_and_tenure.php.

[8] Moritz Hoffmann, http://www.hellojed.de/wp/?p=453 (hellojed.).

[9] Zum Beispiel das Kibyratis-Videoprojekt von Oliver Hülden http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1931

[10] Sabine Scherz, http://redaktionsblog.hypotheses.org/1209 (Redaktionsblog de.hypotheses).

[11] Charlotte Jahnz, http://gab.hypotheses.org/684 (gab_log-Blog).

[12] Maxi Maria Platz, http://minuseinsebene.hypotheses.org/482 (MinusEinsEbene).

[13] Die schon zitierten MLA-Guidelines nennen diesen Aspekt „Respect Medium Specificity When Reviewing Work“, vgl. http://www.mla.org/guidelines_evaluation_digital.

[14] Das Thema wurde in den Kommentaren des Redaktionsblogs von de.hypotheses durch R. Schreg gestreift http://redaktionsblog.hypotheses.org/1209.

[15] Es sei nochmals auf Todd Presner verwiesen, http://idhmc.tamu.edu/commentpress/digital-scholarship/.

[16] http://www.mla.org/guidelines_evaluation_digital.

[17] Petra Tabarelli, http://tektoria.de/du-schreibst-in-einem-blog-meinst-du-ernsthaft-dass-das-jemand-liest-und-interessiert-ein-beitrag-fur-dhiha5/ (tekninen historia).

[18] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[19] http://idhmc.tamu.edu/commentpress/digital-scholarship/.

[20] Etwa http://historyblogosphere.org/ beim Oldenbourg Verlag oder das Kunstgeschichte Open Peer Reviewed Journal http://www.kunstgeschichte-ejournal.net/.

[21] Maxi Maria Platz, http://minuseinsebene.hypotheses.org/482 (MinusEinsEbene).

[22] Marten Düring, http://dhdhi.hypotheses.org/1615 (DHIP Blog).

[23] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[24] Sabine Scherz, http://redaktionsblog.hypotheses.org/1209] (Redaktionsblog de.hypotheses).

[25] http://idhmc.tamu.edu/commentpress/digital-scholarship/.

[26] Marten Düring, http://dhdhi.hypotheses.org/1615 (DHIP Blog).

[27] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[28] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[29] http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[30] Z.B. David Gauntlett (http://blogs.lse.ac.uk/impactofsocialsciences/2012/07/10/publish-then-filter-research/) oder Hubertus Kohle (http://www.heise.de/tp/artikel/34/34434/1.html). Der Slogan geht zurück auf Clay Shirky (2008): “Here Comes Everybody. The Power of Organizing Without Organizations”.

[31] Monika Lehner, http://mindthegaps.hypotheses.org/564 (mind the gap(s)).

[32] Anne Baillot, http://digitalintellectuals.hypotheses.org/1165 (Digital Intellectuals).

[33] http://rkb.hypotheses.org/498.

[34] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[35] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[36] Marten Düring, http://dhdhi.hypotheses.org/1615 (DHIP-Blog).

[37] Philipp Nordmeyer, http://www.criticalbits.org/2013/04/25/blogs-bucher-und-das-werkzeug-des-historikers/ (Criticalbits).

[38] Mareike König in den Kommentaren bei http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[39] Petra Tabarelli in den Kommentaren bei http://tektoria.de/du-schreibst-in-einem-blog-meinst-du-ernsthaft-dass-das-jemand-liest-und-interessiert-ein-beitrag-fur-dhiha5/ (tekninen historia).

Quelle: http://dhdhi.hypotheses.org/1738

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#dhiha5 Panel III: Evaluierung und Qualitätssicherung in den Digital Humanities

Arbeitsgruppe: Sascha Foerster (Max Weber Stiftung, Bonn), Lilian Landes (BSB München), Bertram Triebel (TU Bergakademie Freiberg)

Wir haben uns mit zwei großen Themenfeldern beschäftigt: Evaluierung und Qualitätsmanagement. Bei beiden Themenbereichen beginnen wir mit einer Beschreibung des Status quo, um anschließend so konkret wie möglich Empfehlungen an verschiedene Zielgruppen auszusprechen (an die sich als Ergebnis der Tagung auch das gemeinsame Manifest richten wird), also z.B. Förderorganisationen, Redaktionen und, nicht zu vergessen, auch den wissenschaftlichen Nachwuchs selbst. Viele Punkte können nur angesprochen, nicht ausgeführt werden, wie es ihnen eigentlich zustehen würde. Dieser Beitrag ist gleichzeitig die Auswertung der Blogparade #dhiha5 für den Bereich Evaluierung/Qualitätssicherung.

1. Evaluation

Gemeint sind Antragsverfahren von Forschern und Forschergruppen bei Förderorganisationen, Bewerbungsverfahren um Stellen an Universitäten oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Stipendien usw.

Zwei Thesen vorab:

  • Das Internet verändert die Art, wissenschaftlich zu publizieren. Damit werden sich auch die Evaluierungskriterien ändern müssen.
  • Es entstehen neue Formen der wissenschaftlichen Leistung: Aufbau von Datenbanken, Entwicklung technischer Tools oder Programmierung von Codes, Visualisierungen, Big Data, dynamische Bibliographien, Wikis und Vieles mehr. Auch für diese Formate müssen Evaluierungskriterien entwickelt werden, verbunden mit der immer neu zu stellenden Grundfrage: Was ist eine wissenschaftliche Arbeit / Leistung?

1.0 Situation

In den Blogposts, die sich im Vorfeld der Konferenz unserer Thematik annahmen, war der am häufigsten geäußerte Aspekt die derzeitige Nicht-Anerkennung digitaler Medien (Blogs, Wikipedia, Twitter etc.) bei Professoren und (!) Kommilitonen (z.B. tekninen historia, gab_log-Blog, Criticalbits.[1]

Denselben Gedanken etwas anders formuliert das Blog hellojed.[2]: „Geschichte bleibt weiterhin ein Fach, dass die Monographie über den Aufsatz stellt, das Papier über das PDF, das Verlagshaus über den offenen Zugang.“

Generell erscheinen die Fragen von Evaluierung und Anerkennung weniger problematisch bei Monographien oder Open-Access-Zeitschriften (bei Letzteren hakt es eher beim Impact Factor, über dessen Relevanz in den Geisteswissenschaften aber ohnehin gestritten werden darf, weshalb der Aspekt hier ausgeklammert wird). Monographien oder Zeitschriften, die online erscheinen, können mit ISB- bzw. ISS-Nummern ausgestattet und damit formal ihren papiernen Varianten weitgehend gleichgestellt werden. Das Problem beginnt bei genuinen Netzformaten, also Blogs, Mikroblogs, Kommentaren, Wikis (RKB-Blog).[3]

Web-Aktivitäten (hier noch einmal wiederholt eine Auswahl dessen, was wir damit im Folgenden meinen: Datenbanken, Wikis, Tools, Codes, Big Data, Social Media, Blogs, Kommentare, etc.) lassen sich schwer oder gar nicht einbringen bzw. anerkennen bei Förderanträgen, Stipendienbewerbungen u.ä. In der Regel fehlen entsprechende Kategorien in Antragsszenarien der Forschungsförderer, obschon all diese Aktivitäten maßgeblich und identitätsstiftend sind in den Digital Humanists. Dasselbe gilt für Qualifikationsanerkennungen, z.B. hinsichtlich Programmiersprachen und Web 2.0-Kompetenzen.

Grundprobleme: Was wird als wissenschaftliche Leistung anerkannt (erster Schritt, siehe oben) und wie wird jenseits von ISBN und ISSN und Papier evaluiert, wenn wir über Formate sprechen, die (nur) online publiziert werden (können)?

1.1 Empfehlungen an Förderer

Dieser Abschnitt ist teilweise als Empfehlung, teilweise als Frage an die Förderer zu verstehen, etwa an Frau Žic-Fuchs (ESF).

Und mit einer Frage starten wir auch gleich: Wie ist der Ablauf einer Projektevaluierung im Bereich der Digital Humanities bei der ESF, wie geht man etwa mit ihrer zwangsläufigen Interdisziplinarität um?

Online findet man dazu etwa Guidelines der Modern Language Association (MLA)[4], die beispielsweise den Punkt „Engage Qualified Reviewers“ stark machen. Wie schwierig ist es, Gutachter mit umfangreichen Erfahrungen im Umgang mit digitalen Medien zu finden? Damit verbunden: Gutachter sollten das Medienspezifische der Arbeit berücksichtigen, das bedeutet etwa, webbasierte Projekte auch tatsächlich in elektronischer Form zu begutachten und den klassischen Kreis der Reviewer zu erweitern: Neben Geisteswissenschaftlern müssen auch Informatiker, Ingenieure, technische Fachleute befragt werden, um Codes, Datenbanken etc. kompetent einschätzen zu können.

Grundsätzlich sollte eine Anerkennung neuer Publikationsformen erfolgen und die zugrundeliegenden Richtlinien kontinuierlich hinterfragt und ergänzt werden – zumindest bei der Evaluierung genuiner DH-Projekte (dazu auch dhd-Blog)[5]. Todd Presner, Direktor des Center for Digital Humanities an der University of California etwa nennt konkrete Evaluierungskriterien: “support by granting agencies or foundations, number of viewers or contributors to a site and what they contribute, citations in both traditional literature and online (blogs, social media, links, and trackbacks), use or adoption of the project by other scholars and institutions [Kriterium der Prototyp-Entwicklung], conferences and symposia featuring the project, and resonance in public and community outreach (such as museum exhibitions, impact on public policy, adoption in curricula, and so forth).”[6]

Auch das Center for Digital Research in the Humanities an der University of Nebraska gibt konkrete Evaluierungsempfehlungen, so etwa “Peer Review of digital research sites or tools” oder „Technical innovation and sophistication of projects“ oder der zentrale Aspekt der „Long-term accessibility, viability for archival use“.[7]

Entscheidend erscheint uns darüber hinaus, Nachwuchswissenschaftler früh an die Nutzung genuin digitaler Textgenres heran- und von der Arbeit im „stillen Kämmerlein“ wegzuführen. Dafür müssen Anreize geschaffen werden.

In der Blogparade bezog sich diese Forderung naturgemäß auf das Medium Blog (hellojed),[8] so dass an dieser Stelle als positives Beispiel auf die Gerda Henkel Stiftung (Mitveranstalter der Konferenz) verwiesen sei – genauer auf das L.I.S.A. Portal als Ort des Ausprobierens, das Raum für einzelne erste Blogposts bietet, ebenso wie die Förderung von Videoprojekten zur Begleitung von Stipendien.[9]

Web 2.0-Nutzung wird damit belohnt, was Nachwuchswissenschaftler am dringendsten brauchen: Aufmerksamkeit (kommt auch dem Förderer zugute). Hierzu passt gut das Stichwort “Social Media als Wettbewerbsvorteil” über das im Redaktionsblog von de.hypotheses geschrieben wurde.[10]

Gleichzeitig würden damit “Leuchtturm”-Blogs als gute Vorbilder geschaffen. Zur Relevanz von Vorbildern schrieb das gab_log-Blog.[11]

Aber um vom Focus „Blog“ wegzukommen: Zentrales Anliegen der DH ist das Nebeneinander und die Gleichwertigkeit unterschiedlichster Medien – damit das Anliegen, nach Inhalten zu bewerten, unabhängig vom Medium (MinusEinsEbene)[12]. Folglich muss nicht nur das Spektrum akzeptierter Medien und Textgenres erweitert werden, sondern es müssen dabei auch die Spezifika des jeweiligen Mediums berücksichtigt werden.[13]

Zwei letzte kurze Empfehlungen an Förderorganisationen, eher visionärer Natur aber nicht weniger wichtig:

Als Evaluierungskriterium wäre die Frage wünschenswert, wie der Wissenschaftler zur gesellschaftlichen Legitimierung von Wissenschaft beiträgt, eine Frage, die die Förderer selbst bei ihrer Mittelzuwendung durchaus betrifft, nicht berührt von ihr ist dagegen bislang der Wissenschaftler selbst, der ganz am Ende der Förderkette steht. Bei dieser Legitimierungsfrage haben Online-Aktivitäten große Bedeutung.[14]

Und schließlich: Bei der Bewertung von DH-Projekten ist – wir sprechen hier über die Antragsphasen – der Aspekt von “Experimentation and Risk-Taking”[15] (Presner) von zentraler Bedeutung. Beinahe alle dieser Projekte bewegen sich an der Spitze einer Bewegung, die immens raschen Metamorphosen unterworfen ist. Risiko gehört zum Alltag der Digital Humanities.

1.2 Empfehlungen an die (Nachwuchs-)Wissenschaftler

Ganz bewusst wenden wir uns auch an den Nachwuchs selbst, denn der Ruf nach der Veränderung äußerer Bedingungen allein ist unserer Meinung nach nicht ausreichend. Auch wir selbst schaffen neue Voraussetzungen oder zementieren alte Verhältnisse.

Ein Zitat aus den MLA-Guidelines: “Ask about Evaluation and Support: When candidates for faculty positions first negotiate the terms of their jobs, they should ask how credit for digital work will be considered in terms of teaching, research, and service in the reappointment, tenure, and promotion processes”.[16] Die Empfehlung also: sich informieren!

Die zweite Empfehlung ist eine der wichtigsten: Mut zum Meinungswechsel entwickeln. Dazu gehört, keine Angst davor zu haben, später einen heute im Netz geäußerte Meinung zu revidieren oder zu modifizieren, gerade auch durch den so ermöglichten Austausch mit anderen (tekninen historia).[17]

Dritte Empfehlung: Den Ruf nach Anerkennung durch Förderorganisationen durch zweierlei „eigenen Mut“ unterstreichen (RKB-Blog)[18]:

  • Zum Einen gilt es, substanzielle digitale Leistung in welcher Form auch immer (s.o.) in eigenen Bewerbungen/Drittmittelanträgen aufzuführen. Allzu oft wird dies in vorauseilendem Gehorsam nicht getan, mit Rücksicht auf die vermutete Einstellung der Gutachter (vgl. 1.0 Situation).
  • Zweitens: Den Mut entwickeln, auch bei einschlägigen Publikationen auf das (scheinbar) renommierte Papiermedium zu verzichten, zugunsten von Open Access und womöglich sogar fluiden Textformaten.

Damit verbunden die deutlich Aufforderung an den Gesetzgeber, mit der Umsetzung der EU-Richtlinie für ein garantiertes Zweitveröffentlichungsrecht für den Autor juristische Klarheit auch bezüglich des „grünen Wegs“ zu schaffen.

Arbeitet kollaborativ und strukturiert dieses gemeinschaftliche Arbeiten: “(…) authors should indicate the roles that they played (and time commitments) at each phase of the project development”, empfiehlt (zu Recht) Todd Presner.[19] Bei kollaborativen Projekten sollte offengelegt werden, wer welchen Beitrag geleistet hat, das erleichtert die Evaluation. Dazu gehört auch die Arbeit an der „Umgebung“, also an der Struktur einer Datenbank oder den Features einer Website.

2. Qualitätsmanagement 

2.0 Situation

Der Veröffentlichung vorgelagerte Peer-Review-Verfahren klassischer Journals gelten als wissenschaftlicher Standard. Ansätze zu Open-Peer-Review-Verfahren werden mit wohlwollender Skepsis als Exoten betrachtet.[20]

Ein Zitat aus der Blogparade „Die Wertung, dass gedruckte Bücher mehr wert seien als digitale, hält keiner Debatte stand. Was nichts daran ändert, dass es so gesehen wird“ (MinusEinsEbene).[21] Qualitätssicherung im Digitalen wird dadurch enorm erschwert, denn durch die allgemeine höhere Anerkennung klassischer Publikationsformate (Journals, Monographien) werden die besseren Arbeiten immer noch in der Regel klassisch publiziert.

Diese Skepsis gilt in verschärfter Form für neue Formen, die das übliche Textformat verlassen, d.h. Videos, dynamische Bibliographien, Datenbanken, Podcasts u.ä., da hier die klassischen Qualitätssicherungsverfahren des Papiers anders als bei Online-Monographien oder -Zeitschriften nicht im Digitalen greifen (können).

Digitale Publikationsformen sind gekennzeichnet durch eine tendenzielle “Ent-Hierarchisierung” (Stichwort der Blogparade, DHIP-Blog)[22], und diese Enthierarchisierung wird oft als Gefahr für wissenschaftliche Qualität betrachtet – im Glauben, die Meinung eines Professors müsse eine generell höhere Gewichtung erfahren als etwa jene eines Nachwuchswissenschaftlers.

Gerade in der deutschen Wissenschaftskultur erscheint (klassische) Qualitätssicherung per Peer-Review unantastbar. Der Glaube an neutrale Vorinstanzen als unverzichtbarer Filter ist stark (RKB-Blog).[23] De facto (gerade bei kleineren Zeitschriften) entscheidet häufig die Redaktion nach nicht transparenten Kriterien (ähnlich K. Graf per Kommentar, Redaktionsblog de.hypotheses).[24]

Im Ergebnis stellen sich zwei Grundfragen:

  • Überwiegen die Vorteile digitalen Publizierens und neuer Publikationsformen den der vorgelagerten (und häufig schlecht praktizierten) Peer-Reviewing-Verfahren?
  • Wie kann Qualitätssicherung im genuin Digitalen funktionieren?

Noch einmal Todd Presner: “Peer review can happen formally through letters of solicitation but also be assessed through online forums, citations and discussions in scholarly venues, grants received from foundations and other sources of funding, and public presentations of the project at conferences and symposia”.[25]

2.1 Empfehlungen an Redaktionen klassischer Formate

Wir beschränken und auf drei Empfehlungen. Die erste greift ein weiteres Stichwort aus dem DHIP-Blog auf, “Beschleunigung”[26]. Beschleunigung wird der Digitalisierung oft vorgeworfen, einige Aspekte davon sind aber im Sinne der Qualitätssteigerung durchaus sinnvoll – etwa die Möglichkeit zum raschen Austausch mit weit entfernt arbeitenden oder sogar bislang unbekannten Kollegen –, woraus die Empfehlung folgt, die eigenen Autoren etwa zum Bloggen im Vorfeld klassischer Publikationen anzuregen.

Zeigen Sie Präsenz in den sozialen Medien, um den Nachwuchs nicht zu “verlieren”.

Einrichtung eines Online-Archivs: Führen Sie je nach Copyright-Situation Verhandlungen mit dem beteiligten Verlag, um eine Embargofrist/Moving Wall zu vermeiden oder so kurz als möglich zu halten.

2.2 Empfehlungen an Online-Redaktionen

Am Beginn steht die grundsätzliche Frage: Wie sinnvoll ist die Übertragung redaktioneller Schranken bzw. geschützter Bereiche vom gedruckten ins Online-Medium? Dahinter verbirgt sich die Illusion eines „fertigen“ Zustands von Texten (die dem Potential von Netzpublikationen entgegensteht). Dahinter steht auch die Illusion, dass ein Text grundsätzlich „wertvoll“ oder „nicht wertvoll“ (ergo nicht publikationswürdig) sein kann (RKB-Blog).[27]

Um der beschriebenen grundlegenden Qualitätsskepsis gegenüber Online-Formaten entgegenzutreten, sollten wissenschaftsspezifische Bereiche gegründet werden, wie es für Blogs etwa durch hypotheses.org passiert ist (RKB-Blog).[28]

Experimentierfreude zulassen! Dazu gehört, die Verbindung von Text, Bild, Video, Social Media u.a. zu erproben, “Prosumer”-orientierte Konzepte zu entwickeln oder neue Formate der Qualitätssicherung wie Open Peer Review (Bsp. Historyblogosphere, s.o.) zu erproben. Voraussetzung: Mindestens ein Mitarbeiter, der Spaß und Know How im Digitalen mitbringt.

In den Kommentaren des RKB-Blogs[29] gab es den Vorschlag (H. Hartmann) folgender Reihenfolge für die Online-Publikation (klassischer Texte): Begutachtung – Online-Publikation – Kommentarmöglichkeiten – regelmäßige Möglichkeit der Stellungnahme zu Kommentaren, bzw. die Chance zu einer modifizierten Publikation. Der Vorschlag erscheint uns als ein Modell für den Übergang. Die vorgelagerte Filterung aus dem Papiermedium wird übernommen, solange eine nachgelagerte Filterung durch zu geringe Beteiligung von Wissenschaftlern nicht gegeben ist (kommentieren, twittern etc. im Sinne von Presner, s.o.). Diese nachgelagerten Mechanismen würde im Idealfall für ein automatisches “Hochspülen” qualitätvoller Beiträge in der Wahrnehmung sorgen, dem „publish-first-filter later-Gedanken[30] folgend.

Förderung des Mehrwerts elektronischen Publizierens, z.B. von Verlinkungen, Einbettung nicht-textueller Formate, gutes Metadatenmanagement, LZA, URN-Versorgung, Suchmaschinenoptimierung u.ä.

Innovative Formate machen eine regelmäßige Evaluation der Benutzer/innen mit dem Ziel höherer Nutzung/Zufriedenheit erforderlich (mind the gap(s) mit Blick auf Digitalisate).[31]

2.3 Empfehlungen an die (Nachwuchs-)Wissenschaftler

Ebenso wie im Bereich der Evaluation auch hier der Appell, kollaboratives Schreiben aktiv zu praktizieren, das zweifellos an Bedeutung gewinnen wird: entsprechende Tools ausprobieren, das „stille Kämmerchen“ meiden und die Mitstreiter mit Bedacht wählen. Gerade im Bereich des Nachwuchses, wo jeder ein unterschiedliches Maß an Erfahrung mitbringt, führt dies in der Regel zu einem Plus bei der Qualität, nutzt die Vorteile digitalen Arbeitens Multimedialität / Kommunikativität und vermeidet die Gefahr, das Papiermedium lediglich ins Netz zu transferieren.

Sammelt selbst konkrete Erfahrungen! Anne Baillot (Digital Intellectuals[32]) etwa schrieb dazu, ihr Blog begleite das Forschungsprojekt nicht mehr nur (im Sinne eines zeitlichen Zusatzaufwands), es bringe es vielmehr inhaltlich voran. Das bedeutet ein Qualitätsplus

  • einerseits “nach außen” (z.B. Vernetzung mit Fachkollegen in aller Welt)
  • andererseits “nach innen” durch das Vorsortieren von Gedanken, “Reifungsprozess” von Erkenntnissen durch Blogging als Vorstufe des Schreibens.

Die Haltung der “Mehr-Arbeit” durch Nutzung/Bedienung von Online-Formaten sollte abgelegt werden, wie sie sogar in der Blogparade auftauchte (Kommentare im RKB-Blog)[33]: Dort wurde gefragt, wer das denn alles lesen solle und nachts womöglich noch die Publikationen der Kollegen kommentiere? Wir würden antworten: All das dient der Filterung und Zeitersparnis und ist “nur” in der Übergangszeit ein Phänomen des Mehraufwands – solange zwei Systeme bedient werden, z.B. die klassische Rezension und der Online-Kommentar. Mit der Filterung und damit Qualitätssicherung ist man nicht allein, es bilden sich Kreise, wie man es etwa bald nach der Anmeldung bei Twitter erlebt und positiv überrascht ist über das Mehr an (besserer) Information bei gleichzeitiger Zeitersparnis für den Einzelnen.

2.4 Empfehlungen an Förderorganisationen

Bei DH-Projekten Fördergelder für Wissenschaftskommunikation in Blogs & sozialen Medien ermöglichen, sofern beantragt.

Sinnvoller als die Förderung von „Nachbauten redaktioneller Strukturen“ im Netz sind Erforschung und Umsetzung von Suchsystemen und Metadatenstrukturen, die die Findbarkeit, Zuordnung und Bewertung von Texten erleichtern. Grundprinzip: publish first, filter later (s.o.) bzw. die Erkenntnis, dass der Platz im Netz unbegrenzt ist und auch die schlechteste Publikation im Detail Erkenntnisgewinn für den Fachkollegen birgt (RKB-Blog).[34]

Investitionen in Langzeitarchivierungstechnik sind Grundvoraussetzung für Qualitätsmanagement im Bereich wissenschaftlicher Publikationen (RKB-Blog)[35].

Die Förderung von DH-Projekten auch mit Blick auf Interdisziplinarität verstärken (Stichwort im DHIP-Blog)[36], die einen (überfälligen) Qualitätszuwachs bedeutet.

In Bewerbungsverfahren sollten nicht nur Peer-Review-Veröffentlichungen Berücksichtigung finden, sondern auch andere wissenschaftliche Leistungen anerkannt werden.

Ein Schlusszitat für den Bereich der Qualitätssicherung:

„Bei den Texten im Internet [impliziert: solche ohne redaktionelle Qualitätskontrolle] sollen wir besondere Sorgfalt walten lassen, sie kritisch lesen und zum einen die Belege des Autors überprüfen und zum anderen nach eventuellen versteckten Botschaften suchen. Aber ist das nicht, wie wir jeden Text, gedruckt oder am Monitor, lesen sollten? Ist das Internet jetzt besonders gefährlich oder besinnen wir uns nur durch das Neue wieder auf die kritische Methode?“ (Criticalbits)[37]

3. Schluss

Vielleicht kommen wir in der Diskussion auch zu den Grenzen der Evaluation, denn alles Genannte stößt etwa im Bereich des Mikrobloggigs schnell an Schranken:

Ist Twittern letztendlich, wie in den Kommentaren des RKB-Blogs[38] vorgeschlagen einem Wortbeitrag bei einer Tagung gleichzusetzen, der auch nur einen inoffiziellen Platz im klassischen geisteswissenschaftlichen Währungssystem hat?

Ein letzter Griff in die reichen Erträge der Blogparade, um unsere Präsentation zu beschließen:

„Ich denke, das Interagieren durch Bloggen, Facebook, Twitter, etc. wird in den nächsten Jahren (mit “Jahrzehnten” bin ich in dieser schnelllebigen Zeit vorsichtig) nicht das Publizieren und Vernetzen in den herkömmlichen Weisen ersetzen, sondern nur eine weitere, parallele Form darstellen“ (tekninen historia)[39]. Umso wichtiger, dass wir jetzt damit beginnen, diese neuen Parallelformen adäquat zu berücksichtigen und dafür Methoden der Evaluierung und der Qualitätssicherung zu finden.


[2] Moritz Hoffmann, http://www.hellojed.de/wp/?p=453 (hellojed.). Ähnlich auch Sebastian Gießmann, https://datanetworks.wordpress.com/2013/05/23/digital-humanities-und-medienkulturwissenschaft-dhiha5/ (Daten und Netzwerke).

[3] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[5] Christof Schöch, http://dhd-blog.org/?p=1487 (dhd-Blog).

[8] Moritz Hoffmann, http://www.hellojed.de/wp/?p=453 (hellojed.).

[9] Zum Beispiel das Kibyratis-Videoprojekt von Oliver Hülden http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1931

[10] Sabine Scherz, http://redaktionsblog.hypotheses.org/1209 (Redaktionsblog de.hypotheses).

[11] Charlotte Jahnz, http://gab.hypotheses.org/684 (gab_log-Blog).

[12] Maxi Maria Platz, http://minuseinsebene.hypotheses.org/482 (MinusEinsEbene).

[13] Die schon zitierten MLA-Guidelines nennen diesen Aspekt „Respect Medium Specificity When Reviewing Work“, vgl. http://www.mla.org/guidelines_evaluation_digital.

[14] Das Thema wurde in den Kommentaren des Redaktionsblogs von de.hypotheses durch R. Schreg gestreift http://redaktionsblog.hypotheses.org/1209.

[15] Es sei nochmals auf Todd Presner verwiesen, http://idhmc.tamu.edu/commentpress/digital-scholarship/.

[18] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[20] Etwa http://historyblogosphere.org/ beim Oldenbourg Verlag oder das Kunstgeschichte Open Peer Reviewed Journal http://www.kunstgeschichte-ejournal.net/.

[21] Maxi Maria Platz, http://minuseinsebene.hypotheses.org/482 (MinusEinsEbene).

[22] Marten Düring, http://dhdhi.hypotheses.org/1615 (DHIP Blog).

[23] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[24] Sabine Scherz, http://redaktionsblog.hypotheses.org/1209] (Redaktionsblog de.hypotheses).

[26] Marten Düring, http://dhdhi.hypotheses.org/1615 (DHIP Blog).

[27] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[28] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[30] Z.B. David Gauntlett (http://blogs.lse.ac.uk/impactofsocialsciences/2012/07/10/publish-then-filter-research/) oder Hubertus Kohle (http://www.heise.de/tp/artikel/34/34434/1.html). Der Slogan geht zurück auf Clay Shirky (2008): “Here Comes Everybody. The Power of Organizing Without Organizations”.

[31] Monika Lehner, http://mindthegaps.hypotheses.org/564 (mind the gap(s)).

[32] Anne Baillot, http://digitalintellectuals.hypotheses.org/1165 (Digital Intellectuals).

[34] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[35] Lilian Landes, http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

[36] Marten Düring, http://dhdhi.hypotheses.org/1615 (DHIP-Blog).

[38] Mareike König in den Kommentaren bei http://rkb.hypotheses.org/498 (RKB-Blog).

Quelle: http://dhdhi.hypotheses.org/1738

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Survival of the Fittest, oder „Erst mal veröffentlichen, dann filtern“?

Die Quantität ist nicht der Feind der Qualität, im Gegenteil: Aus der Masse kommt die Klasse, findet  der Digital-Humanities-Professor und Blogautor Dan Cohen. Jedenfalls beim wissenschaftlichen Publizieren im neuen digitalen Zeitalter.

Die neuen Open-Access-Publikationsmöglichkeiten verändern das Wesen der wissenschaftlichen Veröffentlichung dahingehend, dass nicht nur die offensichtlich bedeutsamen, “sensationellen” Ergebnisse publiziert werden – „Higgs-Boson entdeckt!“ – , sondern auch weniger Hervorstechendes: zum Beispiel die Überprüfung der Resultate anderer Studien oder negative Ergebnisse, wenn etwa die Hypothese eines Autor sich als falsch herausstellt.

Da oft erst lange nach einer Veröffentlichung klar wird, ob eine Erkenntnis nützlich war oder nicht, empfiehlt Cohen, soll man doch möglichst viel publizieren und die wissenschaftliche Community darüber entscheiden lassen, was wichtig ist:

Aside from rare and obvious discoveries (the 1%), we can’t tell what will be important in the future, so let’s publish as much as possible (the 99%) and let the community of scholars rather than editors figure that out for themselves.

Publizieren im Long Tail

Auch Hubertus Kohle, Professor für Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ist ein Verfechter dieser Idee. Er vergleicht die „publish first – filter later“-Philosophie der wissenschaftlichen Publikation mit der Idee des „Long Tail“: Analog zum Online-Buchhändler, der dank des unbegrenzt verfügbaren digitalen Speicherplatzes deutlich mehr Titel als nur die üblichen Bestseller anbieten kann, haben in der Wissenschaft auch Ideen eine Chance auf Anerkennung und Weiterentwicklung durch die Community, die im „alten“ System durch das nicht immer unfehlbare Peer Review ausgesiebt werden.

Sie finden das auch? Sie wiegen noch unentschlossen den Kopf? Oder Ihre Alltagserfahrung als Wissenschaftler lehrt Sie das Gegenteil? Hubertus Kohle wird im Rahmen der RKB-Tagung ein Panel moderieren. Melden Sie sich an und diskutieren Sie vor Ort mit. Nach und nach werden wir vorab Statements aller Tagungsteilnehmer hier im Blog posten.

 

Quelle: http://rkb.hypotheses.org/121

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Open Access – Un dialogue de sourds ?

La semaine internationale 2011 de l'Open Access s'est terminée hier, mais la promotion de l'accès libre à l'information scientifique, huit ans après la Déclaration de Berlin, n'en est encore malheureusement qu'à ses débuts.

J'aimerai simplement signaler ici deux ressources qui révèlent certaines contradictions sur le sujet.

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Quelle: http://www.infoclio.ch/de/node/25281

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Patent auf Peer Review

Das Peer Review-Verfahren dient wissenschaftlichen Journalen zur Qualitätssicherung ihrer Beiträge. Eingereichte Artikel werden vorab anonym, unvoreingenommen und im Idealfall auf Augenhöhe einer fachlichen Prüfung durch unabhängige Gutachter unterzogen. Der Schweizer Fachverlag Frontiers Media hat nun eine Software entwickelt, die das Verfahren elektronischer Begutachtung optimieren, standardisieren und transparenter gestalten soll.

Quelle: http://wissens-werk.de/blog/aeon/2010/05/13/patent-auf-peer-review/

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