Den Holocaust zeichnen: Kontroversen um Bildsprachen und Darstellungsweisen

Die Debatte über die Darstellbarkeit des Holocaust im Comic blickt auf eine lange Tradition zurück, und scheint trotzdem an jede Neuveröffentlichung dieselbe Grundsatzfrage zu stellen. Die Frage <<Darf dieser Comic sich dieses Themas annehmen?>> wird zu einer kontinuierlich wiederholten Formel, mit der sogenannte „Holocaustcomics“ in zwei Kategorien, nämlich gelungen und misslungen, eingeteilt werden.

Aus solchen Bewertungen ergibt sich eine vermeintliche moralische Skala, an dessen Spitze bis heute Art Spiegelmans „Maus“ steht. Aufgrund des autobiografischen Bezugs, des reflektierten Umgangs Spiegelmans mit Erinnerungen an den Holocaust und des visuellen Stils gilt es heute als Paradebeispiel dafür, wie man im Medium Comic mit der Shoah umgehen solle. Doch auch Spiegelmans Veröffentlichung sah sich nach seinem Erscheinen reger Kritik ausgesetzt, meist jedoch nicht aufgrund des genutzten Mediums, sondern vielmehr wegen der genutzten Tiermetapher des Comics, welche an komödiantische Genrebeispiele wie Mickey Maus oder Funny Animals erinnerte. Spiegelman war keineswegs der erste, der den Holocaust zum Thema eines Comics machte. Martin Frenzel stellt überzeugend dar, dass das (Sub-)Genre des Holocaustcomics eine große Bandbreite abdeckt und immer auch mit Blick auf die jeweiligen Produktionsumstände eingeordnet werden muss. Dazu gehören beispielsweise Überlegungen zum Genre, zu der Zielgruppe, der Entstehungssituation, dem erinnerungskulturellen Hintergrund und der Erzählperspektive, die mitgedacht werden sollten.

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Quelle: https://moralicons.hypotheses.org/381

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“N. Packard (Hrsg.): Sociology of Memory. Papers from the Spectrum” – Eine Rezension von Takemitsu Morikawa

Die Herausgeberin Noel Packard organisiert zu jeder Jahrestagung der „Pacific Sociological Association“ die Veranstaltung „Sociology of Memory“. Mit diesem Sammelband dokumentiert sie das Ergebnis ihrer Veranstaltungsreihe in Form einer Zwischenbilanz. Die Leitbegriffe, die den roten Faden des Bandes bilden sind: … Continue reading

Quelle: http://soziologieblog.hypotheses.org/7364

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Besetzte Vergangenheiten. Erinnerungskulturen an den Zweiten Weltkrieg in Luxemburg – eine historiografische Baustelle


Das erste Bild das Google zum Thema “Luxemburg Zweiter Weltkrieg” vorschlägt, stammt aus einem Wikipedia-Eintrag mit dem Titel “Luxemburg im Zweiten Weltkrieg”… irgendwie logisch.

Manchmal haben Artikel eine ganz lange Entstehungsgeschichte. Besetzte Vergangenheiten. Erinnerungskulturen an den Zweiten Weltkrieg in Luxemburg – eine historiografische Baustelle, der vor kurzem im dritten Heft der luxemburgischen Geschichtszeitschrift Hémecht erschienen ist, beruht auf Forschungen aus dem Jahre 2005/6. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Luxemburg an einem Projekt zu den luxemburgischen Erinnerungsorten. Von den vier Mitarbeitern des Projektes (Sonja Kmec, Michel Margue und Pit Peporte) war ich der einzige Zeithistoriker. Da der Zweite Weltkrieg zentral in der Erinnerungskultur des Grossherzogtums ist, hatte ich mich entschlossen dieses Thema zu vertiefen. Ich profitierte dabei unter anderem von den Schätzen des Centre de Documentation et de Recherche sur la Résistance. Der Artikel war 2007 geschrieben und sollte in einem Sammelband des städtischen Geschichtsmuseum publiziert werden, der bis heute noch nicht erschienen ist. In der Zwischenzeit zirkulierte der Artikel unter Kollegen und Studenten: er ist wahrscheinlich der meistgelesene und meistzitierte meiner Artikel… ohne dass er publiziert war. Fünf Jahre nach seiner Fertigstellung, bin ich um so glücklicher, dass er jetzt endlich auch in gedruckter Form vorliegt.

Der letzte Abschnitt der Schlussfolgerung lautet:

Zum Schluss erscheint mir noch eine Bemerkung über die Interpretation dieser Besatzung im breiteren Rahmen der Diskussion über die Luxemburger Nation von Bedeutung. Der Zweite Weltkrieg bedeutet keineswegs, wie immer wieder behauptet wurde (auch vom Autor dieses Artikels), das Ende des luxemburgischen nation-building process. Identitäten, auch nationale, zeichnen sich durch einen dynamischen Prozess der ständigen Veränderung aus. Sie unterliegen einem ständigen Neu-Definieren, Neu-Erfinden. Der Zweite Weltkrieg als teleologischer Endpunkt der Nationenentwicklung ist ahistorisch. In zwei Hinsichten stellt er jedoch eine wichtige Zäsur dar: Einerseits illustriert er den qualitativen Sprung, den das luxemburgische Nationalgefühl in den 20er und 30er Jahren erfuhr, andererseits bildet die Kriegserinnerung einen wichtigen Bestandteil zur Konstruktion der luxemburgischen Identität. Sie liefert zahlreiche Elemente für die Erfindung dessen, was ein Luxemburger ist. Sie bietet Legitimation, Mythen, Helden usw. und eine Gegen­identität (de Preiss). In diesem Zusammenhang ist das Kriegserlebnis in einer gewissen Weise nicht das Ende, sondern der Anfang einer Identitätskonstruktion, auch wenn natürlich auf zahlreiche ältere Bilder zurückgegriffen wird.

Der ganze Artikel kann hier runtergeladen werden.

Quelle: http://majerus.hypotheses.org/594

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