Zur Geschichte des Neuen Pavillon im Schlosspark Charlottenburg

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Detlef Fuchs (SPSG)

Im Anschluss an den Veroneser Kongress (20. Oktober bis 14. Dezember 1822) – dem vierten Treffen der Heiligen Allianz – trat Friedrich Wilhelm III. am 5. November 1822 zusammen mit seinen beiden Söhnen Wilhelm und Karl eine private Reise nach Rom und Neapel an. In den beiden Aufenthaltswochen in Neapel wohnte der König in der Villa reale Chiatamone unmittelbar am Golf von Neapel. Prinz Wilhelm beschrieb das Quartier seiner Schwester Charlotte am 26. November 1822: „Wir wohnen köstlich in einem Pavillon des Königs mit einer kleinen Terrasse und Garten unmittelbar am Meer, ungefähr in dem Mittelpunkt des Halbzirkels des Golfes, also schönste Lage, die man sich denken kann.

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Quelle: https://recs.hypotheses.org/2356

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Arbeiten in der Städtischen Denkmalbehörde – Beruf mit historischem Bezug, aber nicht für Historiker?

von Marius Herwig (2-Fach-Bachelor | Geschichte | Politikwissenschaft) Schaut man sich die Liste mit den Baudenkmälern der Stadt Münster an, findet man verschiedene Gebäude, Ehrenmale oder auch Bildstöcke aus den unterschiedlichsten Zeiten der Geschichte Münsters. Sie umfasst prominente Straßen wie den Prinzipalmarkt mit seinen berühmten Giebelhäusern, aber genauso den Zwinger an der Promenade oder aber auch ein normales Wohnhaus aus dem Jahre 1938 an der Malmedystraße. Die städtische Denkmalbehörde als potenzieller Arbeitsplatz für Historikerinnen oder Historiker? Das klingt auf den ersten Blick und vor … Arbeiten in der Städtischen Denkmalbehörde – Beruf mit historischem Bezug, aber nicht für Historiker? weiterlesen

Quelle: https://beruf.hypotheses.org/445

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Archäologie und Öffentlichkeit bei #DGUF2015

Archäologische Kommunikation? Keine Keilschrift, aber immerhin eine Steindruckplatte

Archäologische Kommunikation? Keine Keilschrift, aber immerhin eine Steindruckplatte aus der DASA Arbeistwelt.

Fast ein Monat ist seit der Tagung der DGUF (Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte) zu “Schafft sich die Öffentlichkeit eine andere Archäologie“ vergangen. Drei spannende Tage, die viele Aspekte zusammen gebracht haben, wegen denen sich die Archäologie schwer damit tut, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Dabei haben die zugrundeliegenden Ängste und Vorurteile für die Onlinekommunikation (dem Thema meines Vortrags) besondere Brisanz. Die zentralen Punkte der Diskussion lassen aber auch hoffen, denn es besteht durchaus ein Bewusstsein dafür, dass sich etwas ändern muss – zumindest bei den auf der Tagung anwesenden Archäologen.

Bilder von dir überdauern – bis in alle Zeit

Erst mal, das hatte ich hier schon kurz angeschnitten, gibt es nicht “die Archäologie” und auch nicht “das Bild” der Archäologie, sondern viele verschiedene, die sich aus den unterschiedlichen Aufgabenfeldern, Einsatzbereichen und Berührungspunkten mit Archäologen, Funden und Befunden erklären.

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Quelle: https://kristinoswald.hypotheses.org/1632

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Apps bei der Denkmaltagung 2015

DenkmalschildVom 4. bis 6. März fand in Dresden die Tagung „In guter Gesellschaft? Die Rolle der Denkmalpflege in Stadtmarketing und Tourismus“ statt. Dort durfte ich etwas über Apps als Vermittlungs- und Vermarktungsinstrument für die Boden- und Baudenkmalpflege berichten – leider der einzige Vortrag zu einem rein digitalen Thema während einer sonst sehr analogen, aber spannenden Tagung und mit wunderbarem Feedback.

Die Vielfalt der sozialen Medien zur Vermittlung von Fachinhalten nutzen bisher im Kulturbereich vor allem Museen. Für sie reicht diese Aufgabe über Ausstellungen, Kataloge oder Pressearbeit hinaus auch in den digitalen Raum, sie betreiben spannendes Content-Marketing und wollen auch den digitalen Besuchern ein Erlebnis schaffen. Bei den denkmalpflegerischen Fachbesuchern der Tagung, die sich seltener mit diesen Aufgabenbereichen beschäftigen, sorgten die Zahlen der Social Media-Nutzung bei verschiedenen Nutzergruppen für – wortwörtlich – offene Münder. Demnach nutzen 70% der Besucher von Kultureinrichtungen mobile Endgeräte vor, während und nach ihrem Besuch. Damit können sie können nicht nur Informationen immer dann abrufen, wenn sie gebraucht werden, sondern umgekehrt auch auf spannende Dinge in ihrer Umgebung hingewiesen werden – etwa gerade außerhalb eines Museums mittels Apps, die Thema des Vortrages waren.

Social Media und Apps sind zwar nicht dasselbe, hängen, wenn es um Fachkommunikation geht, aber eng zusammen. Sie ermöglichen es der Denkmalpflege, ihren – inhaltlichen, touristischen, politischen – Wert und zeitübergreifende Zusammenhänge anhand greifbarer Orte aufzuzeigen. Dabei können und sollten Denkmalpfleger aktiver Teil der Erstellung und Aufbereitung der Inhalte werden, denn Denkmäler sprechen nicht von selbst, sondern werden über ihre Geschichten lebendig und lebensnah. Storytelling ist auch ein aktueller Tourismus- und Kommunikationstrend. Touristen reisen immer stärker individuell und eventorientiert, wollen Wissen mit Spaß entdecken (Denkmalschilder suchen zählt nicht dazu..) und teilen – beste Voraussetzung für die Nutzung von digitalen Endgeräten, um auf Informationen zuzugreifen und sich Zusammenhänge zu erschließen. Bilder sind dabei eine große Hilfe und zugleich fester Teil der denkmalpflegerischen Arbeit mit materiellen Hinterlassenschaften. Da Fotos zu den wichtigsten Elementen im Web gehören, um Erlebnisse und besuchte Orte zu teilen, lässt sich Denkmalpflege wunderbar auf diese Weise vermitteln.

Trotzdem werden Apps für die Vermittlung von Geschichte außerhalb von Museen oder auch im Stadtmarketing bisher eher selten genutzt. Zwar können gut aufbereitete Anwendungen für Besucher und Vermittler einen großen Mehrwert haben, brauchen aber auch entsprechende finanzielle Mittel. Dennoch erschließt sich hier ein neues Feld, dem technologische Trends und gesellschaftliche Interessensverschiebungen wie das Histotainment entgegen kommen. Denkmal-Apps können auf Ortsreferenzierungen und Gamification-Aspekten aufbauen und sie mit multimedialen Inhalten, Augmented Reality oder Rekonstruktionen anreichern. Mit den entstehenden Touren lässt sich Geschichte mit Bezug zum Standort und damit der Zusammenhang von historischen Überresten, räumlichen Veränderungen und modernen Themen aufzeigen.

Für diese Ideen gibt es schon einige Beispiele mit jeweils eigenen spannenden Ansätzen. Für das Stadtlabor Wallanlagen des Historischen Museum Frankfurt etwa wurde das Wissen der Menschen vor Ort über unbekanntere historische Orte genutzt. Ähnlich verknüpft auch Moor Stories die Museumssammlungen von Dartmoor mit Fundorten, modernem Kontext und persönlichen Geschichten. Sie werden von Bewohnern und Besuchern auf der Website eingereicht, in der App geteilt und via GPS vor Ort erzählt. Die App Colonia Mysteria, die u.a. vom Cologne Game Lab mitentwickelt wurde, lässt das römische und das moderne Köln zwischen realer und virtueller Welt verschmelzen. Die Nutzer begeben sich hier auf eine Suche nach historischen Spuren, die nur mit der App sichtbar werden. Ähnliches macht auch der “REXplorer” des Regensburg Experience Museum. Hier erhalten die Nutzer eigens dafür gemachte Guides und erkunden historische Phänomene in der Innenstadt. Die Spielergebnisse, Bilder und Inhalte werden mit einer URL gespeichert und können dann individuell geteilt werden.

Diese Beispiele zeigen, wie Forschung zu Gamification, Pädagogik, digitalen Bildern und Kulturerbe verknüpft und mit historischen Entdeckungs-Routen die Vergangenheit einer Stadt erlebbar gemacht werden kann. Wichtig für die Beteiligten Denkmalpfleger: das muss keinesfalls Einbußen an Qualität bedeuten. Dieser Aspekt war es denn auch, der die auf der Tagung anwesenden Fachleute überzeugte. In den vielen positiven Gesprächen nach dem Vortrag bestätigten sie mir meine eigene Erfahrung bei den ersten intensiven Auseinandersetzungen mit digitalen Technologien: Es öffnet sich eine bunte, facettenreiche Welt im Kopf mit vielen Ideen, wie man die neuen Möglichkeiten auf den eigenen Bereich anwenden kann. Dabei kamen während der Tagung verschiedenste Themen auf: dass sich die Diskussion um das Für und Wider der Rekonstruktion eines Denkmales damit aufheben könnte, dass auch unbekannte und „unbequeme“ Denkmäler im Gesamtkontext neue Würdigung erfahren könnten, dass die aktive Fachkommunikation gestärkt und die Zusammenarbeit von den Marketing- und Tourismusexperten auf neue Beine gestellt werden könne, um gemeinsam die Geschichte eines Ortes zu erzählen.

Quelle: http://kristinoswald.hypotheses.org/1576

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Webressourcen aus Nordeuropa – Fundstücke März 2014

In den März – Fundstücken stellen wir Ihnen neben einer Übersicht von skandinavischen Aktivitäten im Flickr-Bereich vor allem neue dänische, schwedische und finnische Datenbanken bzw. Datenbankprojekte vor, die von Archiven initiiert wurden. 

Flickr

Bereits seit 5 Jahren veröffentlicht das schwedische Zentralamt für Denkmalpflege digitalisierte Bilder aus seiner umfangreichen Fotosammlung nicht nur in der eigenen Datenbank Kulturmiljöbild, sondern hinterlegt diese auch teilweise bei Flickr Commons, wie beispielsweise Werke des schwedischen Fotografen Mårten Sjöbeck (1886-1976). Auch das Archiv der norwegischen Provinz Sogn og Fjordane nutzt Flickr für die Veröffentlichungen seiner digitalisierten Fotosammlungen des Fotografen Nils O. Reppen (1856-1925) und Bjarne Råsberg (1900-1942). Die schwedische Literaturgesellschaft in Finnland hingegen nutzt ihre Flickr-Seite auch, um mittels Croudsourcing (siehe hierzu auch unseren Beitrag vom November 2013) auf der Seite “Okända platser” unbekannte Motive auf Fotos ihrer Sammlung zu indentifizieren.

Dänemark

In der Datenbank des Kopenhagener Stadtarchivs STARBAS wurden 5000 digitalisierte Fotos über Kopenhagen online gestellt. Die im Rahmen der Stadtplanung entstandenen Fotos dokumentieren Straßen, Plätze und Parks, die sich im Zeitraum 1910 – 1997 stark verändert haben.

Die Datenbank Sejrs Sedler des Stadtarchivs in Aarhus enthält die von dem regionalgeschichtlich interessierten Bibliothekar Aarhus Emanuel Jensen Sejr (1891-1980) zusammengestellte Kartothek mit über 120.000 Berichten über Personen, Ereignisse, Häuser, Vereinigungen u.v.m. aus der Geschichte Aarhus´ vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre.

Das dänische Nationalmuseum meldet eine Schenkung von 1250 historischen Tapetenbüchern einer Firma in Faaborg, die zwischen 1897 und 2011 Tapeten produzierte.

Die Datenbank Fynske årbøger digitalt der Historischen Gesellschaft für Fünen ermöglicht die Rescherche zur Geschichte Fünens in 116 digitalisierten Jahrbüchern (Årbog for Historisk Samfund for Svendborg Amt 1908 – 1938, Årbog for Historisk Samfund for Odense, Assens Amter 1913 – 1938, Årbog for Historisk Samfund for Fyn 1939 – 2004).

Schweden/ Finnland

Umeå, die diesjährige europäische Kulturhauptstadt, veranstaltet gemeinsam mit Wikimedia Sverige, dem Zentralamt für Denkmalpflege (Riksantikvarieämbetet) sowie der Universität in Umeå eine “Schreibstube”, um die Artikel über Umeå auf Wikipedia zu verbessern.

Das Museum für Arbeit in Norrköping beteiligt sich zusammen mit fünf weiteren Museen an dem europaweiten Projekt “Work with sound” und archiviert “bedrohte Klänge aus der Industriegesellschaft”, die später in einer Datenbank gesammelt werden sollen.

 

Quelle: http://nordichistoryblog.hypotheses.org/2231

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Webressourcen aus Nordeuropa – Fundstücke: Sammelsurium aus 2013

Für Dezember stellen wir in den Fundstücken neue Datenbanken aus verschieden Bereichen vor, die wir im Laufe des Jahres 2013 aus der skandinavischen Netzwelt zusammengesammelt haben.

Dänemark

Dänemarks Marktführer im Bereich Familienforschung “My Harritage” stellt in seiner bedingt kostenpflichtigen Datenbank Find dine danske rødder Sterbe-und Heiratsdaten von ca. 14 Millionen Dänen, die bis ins Jahr 1618 zurückreichen, ins Netz.

Eine Gruppe von dänischen Regionalhistorikern hat eine Quellensammlung zur Geschichte der fünischen “Boye bande” (1853) auf der Seite Mordet på Niels Hansen zusammengestellt.

Die Webseite des Stadtarchivs Kopenhagen Flugten 43 enthält Quellenmaterial (Fotos, Filmausschnitte, Hörbeispiele, Erinnerungen von Flüchtlingen und Fluchthelfern sowie Berichte der Polizei und des Sozialen Dienstes) und Informationen zur Flucht der dänischen Juden im Oktober 1943.

Das Archiv der Arbeiterbewegung in Kopenhagen hat die Tonmitschnitte des Zentralkomitees der DKP  digitalisiert.

Das digitale Projekt Historisk Atlas bildet für das südliche Dänemark u. a. archäologische Funde, Denkmäler, die Geschichte der Höfe, Dörfer, Kirchen und Schiffswracks ab und enthält neben Karten und Videos auch über 15.000 Fotos. Im Mai 2013 wurden in den Atlas auch norddeutsche Gebiete integriert.

Die Königliche Bibliothek in Kopenhagen hat zum Anlass der 100-jährigen Wiederkehr des Kriegsausbruchs 1914 eine Sammlung mit v. a. dänisches Kartenmaterial digitalisiert, das in Verbindung mit dem 1. Weltkrieg bzw. der Volksabstimmung 1920 erstellt wurde.

Schweden

Das schwedische Zentralamt für Denkmalpflege (Riksantikvarieämbetet) veröffentlicht in der Datenbank Sveriges Kyrkor Digitalisate des gleichnamigen mehrbändigen Werks sowie die Berichte des Forschungsprojektes “Sockenkyrkorna”.  Auch die Digitalisate des dänischen “Schwesterwerkes” Danmarks Kirker sind nun online.

Die archäologischen Berichte der Abteilung “Arkeologiska uppdragsverksamheten” des Riksantikvarieämbetets sind jetzt ab dem Jahr 2000 abrufbar.

In der Datenbank Hallströms advokatbyrå des Forschungsarchivs in Umeå können 7300 Akten der größten Kanzlei Norrlands für den Zeitraum 1909-1927 durchsucht werden.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Schwedens große Wasserläufe vor der Nutzung der Wasserkraft erfasst. Der Schwerpunkt lag auf der detaillierten Beschreibung der geografischen Bedingungen und dem Potenzial für die Wasserkraft. Die daraus resultierende Publikation Förteckning över Sveriges vattenfall wurde digitalisiert und ist als PDF-Format online zugänglich.

Quelle: http://nordichistoryblog.hypotheses.org/2051

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Neues DSchG in NRW auf der Zielgeraden, Streichung vom Tisch? und weiter…

In der Plenarsitzung des Nordrheinwestfälischen Landtages wird kommenden Donnerstag, den 11.7.2013, die Novellierung des Denkmalschutzgesetzes NRW in Zweiter Lesung behandelt. Hier die Tagesordung Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass das Gesetz verabschiedet wird, da es von der Regierungsmehrheit von SPD und Grünen getragen wird. Die zweite Lesung ist also noch der letzte formale Akt und dann hat NRW ein neues Denkmalschutzgesetz, mit dessen Umsetzung sich die zuständigen Verwaltungsbehörden und Fachämter auseinandersetzen müssen. Die Beschlussempfehlung und der Bericht mit der nun “endgültigen” Fassung des DSchG NRW ist auf Seiten des Landtages einzusehen. Hier zu finden. Den Gesetzentwurf der ersten Lesung finden Sie hier.

Der Vollständigkeit halber hier noch mal der Änderungsantrag zu der Gesetzesnovelle von SPD und Grünen, der im Ausschuss angenommen wurde. Die Änderungsanträge der CDU und der Piraten wurden nicht angenommen. Die FDP-Fraktion hat erst gar keinen eingebracht. Sie macht aber deutlich, dass sie von der Einführung des Schatzregals nichts hält.

Die Debatte zu der Novellierung des DSchG NRW wurde fast vollständig von der Empörung über die geplanten Mittelkürzungen/ Streichungen überlagert. Das Medienecho war enorm und die von der DGUF (Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte) eingebrachte Petition wurde ganze 27005 mal unterschrieben. Die dguf hat dazu einen Pressespiegel zusammengestellt. Es wurden sogar Stimmen laut, die von “Denkmalpflege als Wahlkampfthema” unkten. Klar. Weil die Sozen in NRW die Mittel kürzen und die Konservativen sich der allgemeinen Empörung anschließen. Das ist kein Wahlkampf, sondern politischer Alltag. Der Wahlkampf kommt im August und September auf uns zu und Archäologie und Denkmalpflege spielen da garantiert keine Rolle und das ist auch gut so.

Kulturgüterschutz hat nämlich nichts, aber auch gar nichts im Wahlkampf zu suchen. Kulturgüterschutz ist von allgemeinen Interesse und eine Ideologisierung durch Parteien schadet allen Beteiligten. Der richtige Weg ist eine kluge und nachhaltige Lobby-Arbeit, welche die Notwendigkeit und den Nutzen von Archäologie und Baudenkmalpflege für die Allgemeinheit verdeutlicht. Eine Petition und Rabatz in der Presse ist keine vorausschauende Lobby-Arbeit, sondern politische Notwehr. Dass eine Landesregierung mit den Gedanken spielt, eine sowieso schon geringe Direktförderung ganz zu streichen, oder wie kürzlich im Land Brandenburg eine Enquete-Kommission die Denkmalämter abschaffen möchte, zeigt, dass diese Lobby (noch?) nicht effektiv arbeitet.

Es ist die Aufgabe aller archäologischen Gesellschaften, sich für eine gesellschaftliche Verankerung von Archäologie und Denkmalpflege einzusetzen. Es ist wichtig sich stark zu machen gegen Kürzungen, gegen Ämter-, Lehrstuhl-, und Museumsschließungen, für gute Denkmalschutzgesetzte und für fachlich besetzte Untere Denkmalschutzbehörden.

Weitere Links zur Gesetzesnovellierung des DSchG NRW

Einen Überblick über der Beratungstand findet man auf der Seite des Landtages. Hier ist auch das Video der ersten Lesung zu sehen.

Die Öffentliche Expertenanhörung zu diesem Gesetzentwurf fand am 6.6.2013 statt. Das Protokoll dieser öffentlichen Anhörung finden Sie hier.

Pressemeldung der SPD-Fraktion zur Expertenanhörungvom 6.6.2013.

Die gemeinsame Pressemitteilung der Regierungsparteien zum Änderungsantrag finden Sie hier.

Zur Archäologie und ihre Rolle in der Öffentlichkeit und den Sozialen Medien hat Reiner Schreg kürzlich einen Gastbeitrag im Blog des Journal of Community Archaeology and Heritage geschrieben.

Mittelkürzungen in der Denkmalpflege

Ich habe noch ein paar Pressemeldungen dazu zusammengestellt, die vornehmlich von politischer Seite kommen und wenig Beachtung fanden. Pressemeldungen von Parteien werden oft genug einfach ignoriert, um sich selbst nicht dem Vorwurf der Parteilichkeit auszusetzen. Deswegen hier offizielle politische Statements aus allen Lagern.

Pressemeldung der Grünen-Landtagsfraktion NRW mit aktuellen Zahlen

Interview mit dem kulturpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion Burkhard Müller-Ullrich im NRW-Landtag bei Deutschlandradio

Kritik der CDU Landtagsfraktion an den Mittelkürzungen via siwiarchiv.de

Resolution des Stadtrats der Stadt Laasphe  gegen die Mittelstreichungen via siwiarchiv.de

Beschluss der Landeskonferenz der Jusos NRW für eine Weiterförderung der Bau- und Bodendenkmalpflege in NRW. Beschluss und Begründung aus Antragbuch/ Pressemeldung der Jusos Duisburg (Antragsteller).

Pressemeldung der Nordrhein-Westfälischen Landtages zur Überreichung der Petition gegen die Streichungen der Denkmalpflegemittel durch Funktionäre der DGUF (Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte) Die dazugehörige DGUF-Pressemitteilung hier.

Quelle: http://minuseinsebene.hypotheses.org/630

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Duisburgs Bruch mit seiner Geschichte – Mercator-Haus Duisburg III

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Duisburg stark zerstört. Der Wiederaufbau sollte vielmehr ein vollständiger Neuaufbau werden. Es war ein gewollter Bruch mit der Geschichte und mit der gewachsenen historischen Siedlungsstruktur.

Die Bombenangriffe auf Duisburg begannen bereits 1940. Die Stadt glich nach dem Krieg einem Trümmerfeld, wie fast alle Großstädte Deutschlands auch.

Bei einem Beschädigungsgrad von über 60% gilt ein Gebäude als nicht mehr zu retten. Für Duisburg Mitte betraf das 58,4 % des Bestandes. 1947 waren in der Innenstadt 25,2 % der Häuser bereits wieder instand gesetzt und 15, 6% wurden als wieder aufbaufähig eingestuft. Weitere stark zerstörte Stadtteile waren Beeck mit 54,6 % und Untermeiderich mit 57% nicht instandsatzungsfähigen Gebäuden. Der in den 60er Jahren flächensanierte Stadtteil Ruhrort  war „nur“ zu 28% nicht mehr aufbaufähig.[1]

Kohle und Stahl machten das Ruhrgebiet in den 50er Jahren zu einem Motor des Wirtschaftswunderlandes Deutschland. Der Reichtum Duisburgs war einer der Gründe, warum hier eine flächige Neugestaltung der Innenstadt überhaupt möglich wurde. Es wurden straßenzugweise Grundstücke aufgekauft und neu überplant. Bei einer Totalzerstörung von 58, 4% des Gebäudebestandes wären 42% der Häuser wieder zu errichten gewesen. Genug, um an die alte Duisburger Altstadt anzuknüpfen. Das wollten die Stadtväter der fünfziger Jahre nicht. Der Wiederaufbau in Deutschland war von einer starken öffentlichen Debatte begleitet, die sich sehr kontrovers über die verschiedenen Konzepte äußerte.

Ein so radikales Aufräumen, wie in Duisburg, war nämlich nicht die Regel. In anderen Städten wurden andere Konzepte durchgeführt und prägen heute Stadt und Menschen. In den stark zerstörten polnischen Städten Warschau, Breslau und Danzig wurden die Altstädte teilweise bis ins kleinste Detail rekonstruierend wieder aufgebaut. Die Stadtzentren stehen heute da, als wären sie niemals Mittelpunkt von Kampfhandlungen gewesen. Eine ähnliche Wiederaufbauleistung leistete man in Rothenburg ob der Tauber, wo 40% der Bebauung zerstört wurden. Rothenburg gilt als ein Inbegriff des deutschen Mittelalters und die Altstadt von Warschau ist seit 1980 Unesco-Weltkultur-Erbe.

Ein anders Konzept wurde im schwäbischen Freudenstadt und im westfälischen Münster verfolgt. Die zentralen und identitätsstiftenden Bauten, wie die Freudenstädter Kirche und in Münster das Rathaus wurden rekonstruiert, die historische Parzellenstruktur wurde beibehalten. In Münster orientiert sich die Gestaltung der Fassaden an den Originalen, sind aber keine Kopien, sondern vielmehr moderne Interpretationen. Wie in den meisten deutschen Städten wurden auch in Köln die Kirchen rekonstruiert. Neben den Kirchen schmerzte den Kölnern besonders der Verlustes des geliebten Rheinpanoramas. Der berühmte Blickfang ist heute durch eine Rekonstruktion des alten Rathauses wieder hergestellt. Der Gedanke der stilistischen Geschlossenheit eines Stadtbildes hat den Ausschlag für den rekonstruierenden Wiederaufbau der Maximilian-Straße in München gegeben. Wir sehen, der Duisburger Weg, auch in Stuttgart oder Kassel verwirklicht, war nicht der einzige Weg.

Unsere Städte haben sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt. Auch Duisburg, am Zufluss der Ruhr in den Rhein gelegen, war seit der Seßhaftwerdung des Menschen Siedlungsplatz. Die Stadt taucht in den Schriftquellen im 9. Jahrhundert das erste Mal auf. Im 10. Jahrhundert wurde Duisburg Königspfalz. Königspfalz zu sein bedeutet, zu den wichtigsten Orten des Deutschen Reiches und zugleich zu den Regierungssitzen des Kaisers zu gehören: wie Aachen, Paderborn, Werla, Tilleda, Grone und Trebur. Duisburg ist zudem westlicher Ausgangspunkt des Hellweges, des wichtigsten Landhandelsweges zwischen Rhein und Elbe. Der Zielort Magdeburg an der Elbe definiert sich heute durch „seinen“ Kaiser Otto I.  Es ist die große Zeit Duisburgs und Ausgangspunkt einer städtebaulichen Entwicklung. Die Pfalz ging wiederum auf einen Königshof zurück, aber das soll hier nicht Thema sein.

Ich habe einmal Duisburger Stadtansichten aus den unterschiedlichen Jahrhunderten untereinander gestellt. Sie sind alle ungefähr aus der gleichen Perspektive aufgenommen und zeigen die Entwicklung der Stadt in den letzten tausend Jahren. Die Google-Earth-Screenshots habe ich von 3D-Modellen gemacht, die von der Uni-Bochum im Netz-Projekt RuhrZeiten erstellt worden sind. Näheres zum Projekt hier.

Besonders eindrücklich zeigt das Luftbild aus den fünfziger Jahren, was ein Bruch mit seiner Geschichte bedeutet. Ein Loblied auf den Wiederaufbau Duisburgs singt heute niemand mehr.

 

[1] Die Zahlen stammen aus: G. Schörken, Wiederaufbau in Duisburg nach dem Zweiten Weltkrieg 1945-1960 (maschinenschriftliches Manuskript 1993) S. 32

 

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Ansicht einer 3D-Rekonstruktion der Kaiserpfalz Duisburg um 1000 Screenshot von www.RuhrZeiten.de für Google-Earth

 

Ansicht einer 3D-Rekonstruktion der Stadt Duisburg um 1200 Screenshot von www.RuhrZeiten.de für Google-Earth

 

Ansicht einer 3D-Rekonstruktion der Stadt Duisburg um 1566 Screenshot von www.RuhrZeiten.de für Google-Earth

 

Luftbild der Duisburger Innenstadt von 1924 (Stadtarchiv Duisburg)

 

Luftbild der Duisburger Innenstadt in den späten 50er Jahren (Stadtarchiv Duisburg)

 

Literatur:

A. Assmann, Geschichte im öffentlichen Raum: Architektur als Erinnerungsträger, in: A. Assmann, Geschichte im Gedächtnis (München 2007) 96-135

G. Binding, Deutsche Königspfalzen. Von Karl dem Großen bis Friedrich II. (765-1240) (Darmstadt 1996)

A. Blank (Hrsg.) J.H. Withof, Chronik der Stadt Duisburg von den Anfängen bis zum Jahre 1742 (Norderstedt 2008)

L. Heid-, H.-G. Kraume-, K. Lerch-, J. Milz-, H. Pietsch-, G. Tromnau-, K.-D. Vinschen, Kleine Geschichte der Stadt Duisburg (Duisburg 1996)

G. Krause (Hrsg.), Stadtarchäologie in Duisburg 1980-1990, Duisburger Forschungen 38 (Duisburg 1992)

J. Milz, Neue Erkenntnisse zur Geschichte Duisburgs, Duisburger Forschungen 55 (Duisburg 2008)

G. Schörken, Wiederaufbau in Duisburg nach dem Zweiten Weltkrieg 1945-1960 (maschinenschriftliches Manuskript 1993) liegt auch gedruckt vor

Zeitzeugenbörse Duisburg e.V. (Hrsg.), Bomben auf Duisburg (Erfurt 2012)

Quelle: http://minuseinsebene.hypotheses.org/362

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Die Duisburger entdecken die Archäologie (Mercatorhaus Duisburg II)

Die Ausgrabung des Wohnhauses Gerhard Mercators hat in Duisburg einen wahren Begeisterungssturm ausgelöst. Die Presse sprach von Sensationen. Die Stadtbürger entdecken eine Geschichte vor der Industrialisierung und Archäologie und Denkmalpflege sollten das nutzen.

Eine Bürgerinitiative rund um den stadtbekannten Filmproduzenten und Filmforum-Geschäftsführer Kai Gottlob wollen das Wohnhaus wieder aufbauen. Der Oberbürgermeister unterstützt ihn. Die ersten klugen und weniger klugen Vorschläge über Aufbau und Nutzung werden laut.

In Kunstgeschichte und Denkmalpflege ist Rekonstruktion aber eine aufgeladene Debatte. Die Argumente werden von den Befürwortern und Gegnern  wechselseitig als „Behauptungen“ diffamiert, die irgendwie ohne Grundlage seien und sowieso muss man diesem Wahn „intellektuell entgegentreten.“[1]

Die Texte bestehen aus mehreren Zeilen langen Schachtelsätzen, die 3 bis 4 Sinneinheiten beinhalten. Die Verben sind meist dem lateinischen und griechischen entlehnt, was die Intellektualität dieses „Intellektuellen Entgegentretens“ noch unterstreicht. Wer die Duisburger kennt, weiß, dass man ihnen so nicht zu kommen braucht. Mit Arroganz katapultiert man sich selbst aus der doch notwendigen gesellschaftlichen Debatte.

Die wissenschaftliche Begleitung ist aber unbedingt erforderlich. Die Entscheidung nach dem Ob? liegt in der Hand von Bürgerinitiativen und Politik. Die Frage nach dem Wie? kann in der Hand von Archäologen, Bauforschern und Kunsthistorikern liegen, was dringend zu wünschen ist. Wie sich die Dinge in Duisburg entwickeln, wird man sehen.

Die lange, aufgeladene Debatte innenhalb der Kunstgeschichte und akademischen Denkmalpflege findet so in der Archäologie nicht statt. Rekonstruktionen sind eine Selbstverständlichkeit: Sie werden gezeichnet, dreidimensional am Rechner erstellt oder aus Holz oder anderen Materialen meist im verkleinerten Maßstab gebaut. Auch 1:1 Rekonstruktionen sind nicht selten und gehören zum Erscheinungsbild von Archäologischen Parks und Museen. Stellvertretend seien hier genannt: Der Archäologische Park Xanten (nordwestlich von Duisburg) (Römer), die Slawenburg Radusch (bei Cottbus) (Slawen), der keltische Glauberg (Hessen) (Kelten) oder das archäologische Freilichtmuseum in Unteruhldingen (Bodensee) (Vorgeschichte). Es gibt aber noch viel viel mehr. In der Archäologie ist man sich über die „Gefahr“ einer solchen Rekonstruktion bewusst: Sie spiegeln nämlich immer nur den Forschungstand wieder. Allerdings ist das nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist die Erhaltung des Originals. Rekonstruktionen sind letztlich Visualisierungen von Forschung. Die Fundamente, Ausbruchsgruben, Brunnenschächte und Abfallgruben sind wissenschaftliche Quellen und müssen für die Nachwelt erhalten bleiben. Das Problem hierbei ist, dass diese Dinge nicht in ein Archiv gebracht werden können, sie müssen vor Ort erhalten bleiben. Der zweite Punkt ist, dass im Falle einer Vor-Ort-Rekonstruktion, wie im Falle des Mercatorhauses, die Fundamente, die erhaltenen Keller und die Überreste der Erdgeschossmauern als Originale deutlich vom rekonstruierten Aufgehenden zu unterschieden sind. Bei der Rekonstruktion ist es dann aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten tatsächlich egal, welchen historischen Zustand man wählt. Es ist auch möglich, das Vorderhaus und Hinterhaus in zwei unterschiedlichen Zeitstufen zu rekonstruieren, man kann auch nur eine historische Fassade nachbilden mit einem Betonkasten dahinter oder sich gleich für eine Kubatur entscheiden. Diese Entscheidung liegt wiederum bei Bürgerinitiative und Politik. Bei der wissenschaftlichen Beratung der Rekonstruktion kann und darf aber nicht gespart werden, denn sonst ist die Gefahr einer Blamage hoch. Denn dem öffentlichen Blick durch die Medien dürfen sich die Verantwortlichen gewiss sein.

Architektonische Rekonstruktionen sind keine Seltenheit  in deutschen Stadtbildern. Im Gegenteil sind sie häufig sogar die Aushängeschilder, ein Teil des Stadtimages. Frankfurt wirbt mit dem Wiederaufbau seiner Altstadt, für Dresden ist die Frauenkirche im Dresdener Barock das Städtische Symbol bürgerschaftlichen Aufbruchs nach Bombenkrieg und sowjetischer Besatzung, das Potsdamer Schloss und das Berliner Schloss ein Rückgriff auf Preußens vergangenen Glanz.

Das Mercatorhaus war ein spätgotisches Wohnhaus, dessen Einzigartigkeit darin besteht, dass Mercator darin gewohnt hat. Es wieder aufzubauen ist legitim und wird ebenfalls das Stadtimage verändern. Denn Duisburg ist Mercator-Stadt, genau so, wie Frankfurt Goethe-Stadt ist, und das ist gut miteinander zu vergleichen.

Die Begeisterung der Duisburger resultiert nicht zuletzt daraus, dass ihnen vor Augen geführt wird, dass ihre Geschichte eben nicht mit der Industrialisierung beginnt. Auch Duisburg hat eine Rolle  in Mittelalter und  Rennaisance. Die aktuell erhöhte Sensibilität der Duisburger für ihre Geschichte können Archäologie und Denkmalpflege nutzen. Die Denkmalpflege hat nun mehr Argumente die verbliebenen Altbauten zu schützen. Die Archäologie kann sich jetzt verstärkt als die Wissenschaft etablieren, die Duisburg ihre Geschichte erlebbar macht und neue Ansätze zur Stadtplanung aufzeigt.


[1] A. v. Buttlar- G. Dolff-Bonekämper- M. S. Falser- A. Hubel- G. Mörsch- J. Habich (Hgg.), Denkmalpflege statt Attrappenkult. Gegen die Rekonstruktion von Baudenkmälern – eine Anthologie. (Basel Gütersloh Berlin 2010)

 

Quelle: http://minuseinsebene.hypotheses.org/336

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