Playing Empire, building Nation

von Andreas Enderlin*

 

Als der Historiker Peter M. Judson 2016 sein spannendes Buch „The Habsburg Empire“[i] vorstellte, trat der von ihm durchwegs erhoffte Effekt ein, dass sich Historikerinnen und Historiker die Frage stellten: „To Empire or not to Empire?“ Die ausgeklügelte Wahl des Titels signalisierte eine deutliche Herausforderung an etablierte Narrative der „zum Untergang geweihten Monarchie“ und des von den „Zentrifugalkräften der Nationalitäten zersetzten“ und durch „erfolgreiche Nationalstaaten“ abgelösten, veralteten Reiches. Außerdem öffneten Judsons Betrachtungen einen Handlungsraum, um sich auf differenzierte Weise mit einem eingesessenen Begriff auseinanderzusetzen, dessen Bedeutung schon bei den möglichen deutschen Übersetzungen „Imperium“ und „Reich“ zusätzlich Unschärfe bekommt. Gleichzeitig rückt das Konzept der „Nation“ erneut kritisch ins Blickfeld, Judsons Keynote auf der 11. Graduate Conference in European History wirkt dabei geradezu paradigmatisch, sie trug den Titel „Against the Nation“.[ii] Mit dem „Empire“ ist ein zentrales historisches Konzept angesprochen, das uns außerdem zuhauf in der Welt des digitalen Spiels begegnet. Von „Age of Empires“, „Total War: Empire“ bis hin zu „Railway Empire“ oder „Jade Empire“ finden sich die Begriffe prominent in zahlreichen Titeln, wenn auch mit unterschiedlichsten Bedeutungen. Ebenso spielen Empires eine inhaltliche Rolle, denn zahlreiche historische Settings des 18.

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Quelle: https://spielkult.hypotheses.org/1626

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Was uns die Schwarzmundgrundel über Südosteuropa sagt (wenn sie denn sprechen könnte): Verflechtung, Marginalität und Nationalismus

von Ulf Brunnbauer

Abstrakt

Ausgehend von einer kurzen Erörterung der Position der Area Studies in Deutschland in den letzten Jahrzehnten diskutiert der Beitrag die Frage nach der Relevanz der Südosteuropaforschung. Während das geringe ökonomische und demographische Gewicht Südosteuropas zur Ansicht verleiten könnte, eigentlich bedürfe es keiner konzentrierten Beschäftigung mit der Region, argumentiert der Text für das heuristische Potenzial der Region: Die Forschung über sie kann wichtige Beiträge zu „großen“ Forschungsdebatten leisten. Südosteuropa kann als Fallbeispiel einer semi-peripheren Region am Rande eines der Kerne des globalen Systems angesehen werden. Welche spezifischen politischen und gesellschaftlichen Reaktions- und Anpassungsformen auf diese Situation lassen sich dann beobachten? Am Beispiel des aktuell wieder so virulenten Nationalismus versucht der Beitrag zu verdeutlichen, dass die Geschichte der Region nur aus ihrer marginalen Position heraus zu verstehen ist, da sich daran historische Akteure Mal für Mal abgearbeitet haben. Südosteuropa führt also deutlich die relationale Natur des Nationalismus – der scheinbar selbstbezüglichen Ideologie par excellence – vor.

 

Einleitung

Im Jahr 2000 veröffentlichte der Wissenschaftsrat eine Stellungnahme zu den Berliner Hochschulen, in der er sich auch zu den konzeptionellen Grundlagen ihrer Regionalstudien (Area Studies) äußerte, und zwar äußerst kritisch:

„Die Kategorie ‚Raum’ oder ‚Region’ steht indessen in keiner Beziehung zu wissenschaftlichen Disziplinen, Methoden oder zur Theoriebildung der betroffenen Fächer.

[...]

Quelle: https://ostblog.hypotheses.org/813

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Back to Nationalism. No Future for History? / Zurück zum Nationalismus. Keine Zukunft für die Geschichte?

http://dx.doi.org/10.1515/phw-2016-5514 In Europa sprießen seit einiger Zeit allenthalben Nationalismen aus dem Boden, so als hätte es Jahrzehnte europäischen Zusammenlebens nie gegeben. Der Geschichtsunterricht steht dem hilflos gegenüber. Statt Orientierungskompetenz für eine historisch offene Zukunft, die tendenziell weder gut noch schlecht ist, zu vermitteln, verfallen die Bildungspolitiker entweder in nationales Getöse (Großbritannien, Niederlande) oder in curriculare […]

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2016/02/6345/

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Brexit verschoben, Exitus der EU beschleunigt

Der EU-Gipfel vom 18./19. Februar 2016 schreibt die 2005 begonnene Stärkung der Nationalstaaten fort und läuft Gefahr, Brexit und Exitus der EU – sie wird am morbus egomaniae nationum sterben – zu beschleunigen.

Der Beitrag Brexit verschoben, Exitus der EU beschleunigt erschien zuerst auf Wolfgang Schmale.

Quelle: http://wolfgangschmale.eu/brexit/

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An die Arbeit! Die ITH-Tagung diskutierte in Berlin über Arbeit und Nichtarbeit

Arbeit, Arbeitskämpfe, Arbeiterbewegung – seit dem 19. Jahrhundert sind dies zentrale Begriffe, die „soziale Frage“ oder „Arbeiterfrage“ wurde beantwortet durch Sozialreform wie Sozialismus und definierte damit neue Achsen politischen Denkens. Doch was ist eigentlich Arbeit? Diese Frage stellten sich Historikerinnen und Historiker auf der ITH, der „International Conference of Labour and Social History“, die vom 17-19. Dezember in Berlin stattfand.

Die seit 1964 jährlich stattfindende „Linzer Konferenz“ der „HistorikerInnen der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen“ musste wegen Renovierungsarbeiten ihren Tagungsort in Österreich räumen, fand aber im Wissenschaftszentrum Berlin am Reichpietschufer einen würdigen Ersatz. Die Straße ist benannt nach Max Reichpietsch, Anführer der Matrosenrevolte von 1917 und Märtyrer der Arbeiterbewegung. Doch war Reichpietsch Arbeiter? Vom Milieu her vielleicht, von der Profession wohl kaum – ein Zwangsdienst leistender Matrose produziert keinen Mehrwert, nackter Zwang „motiviert“ ihn zu seiner Tätigkeit.

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Quelle: https://kritischegeschichte.wordpress.com/2015/10/01/an-die-arbeit-die-ith-tagung-diskutierte-in-berlin-ueber-arbeit-und-nichtarbeit/

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Erbärmliches Europa!

Die vergangene Woche war insgesamt für die EU eine schlechte Woche und eigentlich müssten überall die Alarmglocken schrillen. Die Wortwahl wird rabiater und verräterischer, allen Ideen zu einer stärkeren Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der EU-Politik z.B. mittels Referenden wurde ein Bärendienst erwiesen.

Der Beitrag Erbärmliches Europa! erschien zuerst auf Wolfgang Schmale.

Quelle: http://wolfgangschmale.eu/erbaermliches-europa/

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Die Europäische Union und der Nationalismus der politischen Mitte

Die Debatte über den Nationalismus im Europa des 21. Jahrhunderts befasst sich fälschlicherweise meist nur mit dessen Radikalisierungen, nicht aber mit dem Umstand, dass der Nationalismus ein Geflecht ist, das ebenso gut in der sogenannten politischen Mitte wächst.

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Quelle: http://wolfgangschmale.eu/die-europaeische-union-und-der-nationalismus-der-politischen-mitte/

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Transnationale Aspekte nationalistischer Bewegungen in Deutschland und Frankreich 1870-1914

wissembourgNationalismus und nationalistische Bewegungen werden in der Forschung gern komparativ betrachtet, aber kaum transnational. Das ist zunächst vielleicht nicht erstaunlich, denn „national“ und „transnational“ scheinen auf den ersten Blick Widersprüche zu sein, ist doch das Zweite in gewisser Weise die Transzendenz und Überhöhung des ersten.

Für die Arbeit an meinem Buchprojekt zur „Deutsch-französischen Geschichte 1870-1918“ stehe ich jedoch vor der Aufgabe, die Phänomene der Zeit mit einem transnationalen deutsch-französischen Blick zu betrachten und nach Berührungspunkten, Transfer und Austausch zu suchen. Das ist bei Themen wie “Pazifismus” oder “Sozialistische Internationale” sofort einsichtig und auch gut erforscht, bei einem Thema wie „Nationalistische Bewegungen“ jedoch nicht unbedingt.

Warum gibt es dazu für diese Epoche kaum Forschung? Zum einen waren die nationalistischen Bewegungen 1870-1914 in beiden Ländern – mit unterschiedlichen Konjunkturen – gegeneinander gerichtet. Zum anderen ist Transferforschung positiv besetzt, man untersucht positive Denkweisen und Fähigkeiten, die über regionale und nationale Grenzen weitergegeben und adaptiert wurden, nicht negativ besetzte Themen wie Antisemitismus oder Nationalismus. Die Transferforschung hat hier meiner Meinung nach einen blinden Fleck.

Doch Transfer und Berührungen gab es auch in Bezug auf die radikalen nationalistischen Bewegungen, die in Frankreich in den 1880er Jahren (Boulangismus, später die verschiedenen Ligen im Rahmen der Dreyfusaffäre sowie die Action française) und im Kaiserreich in den 1890er Jahren mit den Alldeutschen und den Völkischen entstanden sind, sowie bei den verschiedenen kryptopolitischen Bewegungen wie Kriegervereine oder Sportvereine.

Vier übergeordnete transnationale Aspekte des Nationalismus in Frankreich und Deutschland von 1870-1918 fallen mir ein, die unterschiedlich gut erforscht sind und zu denen ich mir mehr Forschungen sowie eine Synthese vorstellen könnte:

  • Ideengeschichtliche Wahrnehmungen und Transfers
  • Politische Maßnahmen
  • Kontakte und Transfer von Vereinen und Verbänden
  • Methodentransfer

Dazu im Folgenden einige Gedanken und Beispiele als erste Skizze für einen Vortrag, den ich am 19. September 2014 auf der diesjährigen Jahrestagung der GSA in Kansas City halte (Programm als PDF). Sie seien hier vorab zur Diskussion gestellt.

Ideengeschichtliche Wahrnehmung und Transfers

Die Forschung hat sich bisher überwiegend mit der Frage beschäftigt, inwiefern das eine Land in der Gedankenwelt des anderen Landes eine Rolle gespielt hat. Dieser Teil ist gerade zwischen Deutschland und Frankreich in den zahlreichen Studien über Deutschlandbilder etc. sehr gut erforscht1. Ebenso ausführlich hat sich die Forschung mit dem deutschen und das französischen Nationenkonzept beschäftigt, deren Dichotomie zwischen „objektivem“ ethnisch-kulturellem Konzept auf deutscher Seite und „subjektivem“ voluntaristischen Konzept auf französischer Seite weit weniger ausgeprägt war, als lange behauptet.

Doch daneben lassen sich weitere Punkte denken: Ideentransfer und Rezeption beispielsweise nationalistischer oder antisemitischer Ideologien. Der Blick wäre hier zu richten auf Übersetzungen von Büchern, Traktaten, Ereignissen und deren Rezeption in der Presse, Öffentlichkeit und bei einzelnen Personen. Um zwei Beispiele zu nennen, zu denen es seit kurzem Forschung gibt: Der „integrale Nationalismus“ von Charles Maurras etwa war ein „europäisches Phänomen“, wie eine Tagung jüngst auch für die Zeit vor 1914 nachweist2. Eine Auseinandersetzung mit seinen Thesen fand auch im Kaiserreich statt, wobei die Rezeption wohl über Österreich lief3. Maurice Barrès wiederum wurde im Kaiserreich als Schriftsteller bereits Ende der 1890er Jahre wahrgenommen. Die Auseinandersetzung mit seinen Werken verengte sich nach der Veröffentlichung seines Romans „Au service de l’Allemagne! (1905), der bereits 1907 auf Deutsch erschien, auf politische Inhalte4. Zum umgekehrten Fall, etwa die Wahrnehmung der Werke von Heinrich Claß in Frankreich, ist bisher nicht geforscht worden. Da die Nationalisten generell auf eine Verwissenschaftlichung ihrer Ideologien bedacht waren, ist eine Offenheit gegenüber anderen Thesen und Überlegungen jedoch sehr wahrscheinlich, auch wenn diese aus dem Land des “Erbfeinds” kommen.

Zu den ideengeschichtlichen Aspekten gehört auch die Erforschung nationaler Mythen. In der neueren Forschung wird die Konstruktion einer nationalen Doktrin als globaler und transnationaler Prozess beschrieben. So hat ein Netzwerk an europäischen Gelehrten nationale Epen wie die Nibelungensage gemeinsam wieder „entdeckt“ und zugänglich gemacht. Davon unberührt ist freilich die Tatsache, dass sich die Bemühungen zur Kreation und Festigung einer nationalen Kultur ganz überwiegend auf die eigene Nation bezogen, was manche Verschiedenheit in ihrer Ausprägung erklärt5. Hier gibt es jedoch Raum für weitere Untersuchungen, die sich auf die Epoche 1870-1918 beziehen.

Schließlich scheint auch die Idee für die Gründung nationalistischer Vereine aus anderen Ländern übernommen worden zu sein: Bekannt ist etwa, dass die imperialistischen Frauenverbände im Kaiserreich in Nachahmung polnischer Frauenverbände gegründet wurden6.

Politische Maßnahmen

Zu politischen Maßnahmen in transnationaler Perspektive gehört beispielsweise die gegenseitige Überwachung nationalistischer Gruppen. In Paris lebten um 1900 ca. 45.000 Deutsche, fast 2/3 davon waren Frauen, die als Dienstmädchen, als „bonne à tout faire“ in der französischen Hauptstadt arbeiteten. In dieser deutschen Auslandsgemeinde gab es um 1900 ca. 60 deutsche Vereine: von Gesangs- Sport- und Theatervereinen über Vereine von Lehrerinnen und einem Sozialdemokratischen Leseclub bis hin zu lokalen Ablegern des Deutschen Flottenvereins (1902 gegründet, 30 Mitglieder 1913), der Deutschen Kolonialgesellschaft sowie des Deutschen Schulvereins. Dieser richtete 1913 beispielsweise eine Feier aus zum 100. Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig, die auch im ganzen Kaiserreich begangen wurde7. In Paris ließ der dortige Schulverein Ringe produzieren mit der Inschrift „Gold gab ich für Eisen“, die laut französischem Polizeibericht für 1,25 Francs verkauft wurden. Die Aktivitäten der Vereine wurden von der französischen Polizei sehr genau überwacht, weil man bei ihnen pangermanistische Aktivitäten, Spionage und Unterwanderung vermutete.

Interessant ist hier der Unterschied zum staatlichen Umgang mit den sozialistischen und anarchistischen Bewegungen. Zwar wurden diese ebenso überwacht, insbesondere auch die ausländischen Gruppen in Paris. Doch kooperierten Deutschland und Frankreich hier international und tauschten Informationen aus. In Bezug auf die radikalen nationalistischen Vereine scheint dies – vielleicht mit Ausnahme von Elsass-Lothringen – nicht der Fall gewesen zu sein.

Kontakte und Transfers von Vereinen und Verbänden

Direkte deutsch-französische Kontakte gab es in Teilen auch zwischen einzelnen kryptopolitischen und nationalistischen Vereinen und Verbänden, was ebenfalls noch nicht für alle Bereiche hinreichend untersucht wurde. Die Sportvereine beispielsweise richteten internationale Treffen und Wettkämpfe aus. Antisemiten organisierten internationale Kongresse in den 1880er Jahren8. Die Kolonialvereine beider Länder waren eng vernetzt, wozu derzeit eine Dissertation entsteht9. Auch die Kriegervereine beider Länder organisierten in Elsass-Lothringen gemeinsame Gedenkfeiern zu Ehren der Gefallenen von 1870/71. Vor allem seit Mitte der 1890er Jahren kam es zu gemeinsamen Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen. 1908 wurde in Noieseville in Lothringen, 1909 in Geisberg bei Wissembourg im Elsass französische Denkmäler errichtet (siehe Abbildung)10.

Methodentransfer

Neu war an den nationalistischen Bewegungen seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, dass es sich um Massenbewegungen handelte. Über den Einsatz von Massenpresse, Meetings, Demonstrationen, Petitionen etc. sollten die Massen (und hier in erster Linie die Verlierer der Moderne, also überwiegend der kleine Mittelstand, Beamte, Handwerker, Lehrer) in Empörung versetzt werden.

General Boulanger beispielsweise baute nicht nur eine eigene Pressestelle auf und publizierte eigene Zeitungen, sondern nutzte Mitteilungen, Aushänge, Flugblätter, Karikaturen, Lieder und Nippes für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Das Wissen um die Wirkung von Medien, Reden und charismatischen Auftritten brachte Boulanger von seinem Aufenthalt in den USA mit. Das ist ein Aspekt des Transfers bei nationalistischen Bewegungen, der noch nicht näher untersucht ist: Gab es Handbücher oder Anleitungen über den Einsatz von Medien, wie man vor Menschenmengen auftritt (damals ohne Mikrofon) und ähnliche Überlegungen?

Gleiches gilt für die Organisationsformen: Die nationalistischen Bewegungen waren nicht als Parteien organisiert, sondern als Vereine, Verbände und Ligen. Gab es ein Methodenwissen darüber, wie man solche Strukturen straff und effizient regional, national organisierte? Wo kam das Wissen darüber her oder lernte jede Organisation selbst? In Ländern wie Portugal, Spanien, Italien und Griechenland beispielsweise war die Organisationsform der „Action française“ „stilbildend“11 für dort entstehende nationalistische Verbände. Gab es ähnliche Transfers zwischen Deutschland und Frankreich?

 

Die Fragen nach transnationalen Aspekten nationalistischer Bewegungen scheinen mir nicht nur deshalb interessant, weil sie unsere Kenntnisse erweitern und nachweisen können, wie eng verflochten Ideen, Konzepte und Personen waren, sondern auch, weil sie parallel liefen zu einer Betonung des deutsch-französischen Antagonismus, was auch in hermeneutischer Hinsicht noch auszuwerten wäre. Vielfach handelt es sich um mühevolle Puzzelearbeit, um die einzelnen Aspekte zusammenzutragen, zumal diese dann in ein Gesamtbild einzufügen sind, das nicht nur aus der Addition dieser Einzelaspekte bestehen kann. Die Arbeit scheint sich jedoch zu lohnen.

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Abbildung: Deutsch-französische Einweihung des französischen Soldatendenkmals am 17. Oktober 1909 in Wissembourg, http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b69124961.

 

  1. Grundlegend für die Epoche nach wie vor Claude Digeon, La crise allemande de la pensée française, Paris 1959 sowie Michael Jeismann, Das Vaterland der Feinde. Studien zum nationalen Feindbegriff und Selbstverständnis in Deutschland und Frankreich 1792-1918, Stuttgart 1992.
  2. Olivier Dard, Michel Grunewald (Hg.), Charles Maurras et l’étranger. L’étranger et Charles Maurras : l’action française, culture, politique, société, New York 2009
  3. Hans Manfred Bock, Traditionalisme, passéisme, protofascisme. Perceptions de Charles Maurras en Allemagne, in: Dard, Grunewald, Charles Maurras et l‘étranger 2009, S. 359–378, hier: S. 359
  4. Vgl. Olivier Dard, Michel Grunewald (Hg), Maurice Barrès, la Lorraine, la France et l’étranger, Bern 2011; Wiebke Bendrath, Ich, Region, Nation:  Maurice Barrès im französischen Identitätsdiskurs seiner Zeit und seine Rezeption in Deutschland, Tübingen 2003.
  5. Vgl. John Breuilly, The Oxford-Handbook of the History of Nationalism, Oxford 2013, S. 151.
  6. Birthe Kundrus, Weiblicher Kulturimperialismus. Die imperialistischen Frauenverbände des Kaiserreichs, in: Sebastian Konrad, Jürgen Osterhammel (Hg.), Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871-1914, Göttingen 2004, S. 213-235.
  7. Vgl. Mareike König, Celebrating the Kaiser’s Birthday. German Migrants in Paris after the Franco-Prussian War 1870-1871, in: Dies., Rainer Ohliger (Hg.), Enlarging European Memory. Migration Mouvements in Historical Perspectives, Ostfildern 2006, S. 71-84, online: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/bdf/koenig-ohliger_memory/koenig_birthday.
  8. Vgl. Ulrich Wyrwa, Die Internationalen Antijüdischen Kongresse von 1882 und 1883 in Dresden und Chemnitz. Zum Antisemitismus als europäische Bewegung, in: Themenportal Europäische Geschichte, 2009 <http://www.europa.clio-online.de/2009/Article=362>.
  9. Vgl. Florian Wagner, http://19jhdhip.hypotheses.org/1198
  10. Vgl. dazu die Arbeiten von Annette Maas, z.B. Der Kult der toten Krieger. Frankreich und Deutschland nach 1870/71, in: Étienne François, Hannes Sigrist, Jakob Vogel (Hg.), Nation und Emotion: Deutschland und Frankreich im Vergleich, Göttingen 1995 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, S. 215–230.
  11. Siegfried Weichlein, Nationalbewegungen und Nationalismus in Europa, Darmstadt 2006, S. 105.

Quelle: http://19jhdhip.hypotheses.org/2004

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aventinus nova Nr. 49 [31.08.2014]: „Der Wanderer ins Nichts“. Karl Radeks „Schlageter-Rede“ vom 21. Juni 1923

Am 21. Juni hielt Karl Radek auf der Sitzung der Erweiterten Exekutive der Kommunistischen Internationale seine berühmte Rede „Der Wanderer ins Nichts“, in der er den antibolschewistischen Freikorpskämpfer als „mutige[n] Soldat[en] der Konter-Revolution“ würdigt. http://bit.ly/W1fOVf

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2014/08/5337/

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Vortrag von Dominik Geppert und Thomas Weber: „Militärische und geistige Mobilisierung an den Universitäten Bonn und Oxford“, 23.9., 15.30 Uhr

Die Referenten vergleichen die Studentenschaft und den Lehrkörper der Bonner und Oxforder Universität, was dem Thema eine intergenerationelle und eine internationale Perspektive gibt. Sie stellen die These auf, dass gerade im Bildungsbürgertum die Begeisterung für den Krieg in beiden Universitätsstädten besonders enthusiastisch war. Diese belegen sie mit der Anzahl der freiwilligen Kriegsdienstleister, die bei beiden Universitäten über die Hälfte der Studentenschaft ausmacht. Danach folgt eine Betrachtung der Studentenschaften und Professoren der beiden Universitäten, die die Gründe für einen Vergleich nahelegen. Zunächst wird festgestellt, dass es Unterschiede in der Sozialisation der deutschen und britischen Studenten gibt, jedoch die Gemeinsamkeiten den Ausgangspunkt des Vergleiches bieten. Neben der Universität verband die Städte, dass sie eher klein waren und eine ähnliche Studentenzahl hatten. Aber auch die Rolle der Universität als Ausbildungsstätte der Hohenzollern und die Universität Oxford als „finishing school des britischen Establishments“ verbinden sie. Der Blick wird anschließend auf die Sozialisation der Studenten- und Professorenschaft gelegt. Dabei lassen sich grundlegende Gemeinsamkeiten feststellen: Vor allem das Verständnis der Professoren als “objektive Wissenschaftler”, jedoch auch die Ambivalenz zwischen der nationalbejahende Haltung einerseits und der internationalen Kooperation der Gelehrten und Studenten andererseits, wird betont. Hierbei nehmen beide Referenten Bezug auf den Vortrag von Jay Winter, der auch die Internationalität der Wissenschaft thematisierte.

Zum Schluss stellen beide Referenten die Frage, was Studenten dazu motiviert hat, freiwillig in den Krieg zu gehen. Geppert und Weber sehen die Rolle des Nationalismus und Militarismus nur als geringfügig ausschlaggebend an. Das Pflichtgefühl, das aus der Sicht der Zeitgenossen zu Unrecht angegriffene Vaterland zu verteidigen, betrachten sie hingegen als bedeutenderen Auslöser. Auch der Gruppenzwang spiele eine Rolle unter Studenten, denn „keiner will hinter dem anderen zurückbleiben“. Die Rolle der Professoren während des Kriegs wird ebenfalls von den Referenten abschließend bewertet: Insgesamt sind die Aktivitäten der Professoren als Impuls zu sehen, selbst etwas für den Krieg und das Vaterland beizutragen.

Quelle: http://1914lvr.hypotheses.org/349

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