Architektur: Wie ein Schumacher Hamburgs Stadtbild für immer veränderte

Vor 100 Jahren brachte Fritz Schumacher die moderne Stadtplanung nach Hamburg. Seine Ideen sollten Hamburg für immer verändern und beeinflussen die Stadtentwicklung bis heute. – Von Anna Wilke

Hamburg wächst. Bis 2030 werden in Hamburg etwa 1,86 Millionen Menschen leben – das sind 7,5 Prozent mehr als noch 2012, prognostiziert die Bertelsmann-Stiftung. Schon jetzt ist der Wohnraum knapp.
Stadtplaner und Politiker entwerfen, planen und entwickeln daher immer neue Stadt-Konzepte. Stadtentwicklung ist zu einem der wichtigsten Streitthemen der Stadt geworden. Sie wollen „mehr Stadt in der Stadt“, „springen über die Elbe“ und planen „stromaufwärts an Bille und Elbe“.

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Quelle: http://www.hh-geschichten.uni-hamburg.de/?p=2737

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antikes, interkulturelles Kulturmanagement

Primaporta

Augustus von Prima Porta – Herrscher, Friedensbringer, Kulturvereiner

“Anknüpfungspunkt” ist eines meiner Lieblingswörter, wenn es darum geht, wissenschaftliche Sachverhalte zu vermitteln. Historische und archäologische Forschungsfragen sind oft so spezialisiert, dass ihre Bedeutung sich nicht aus sich und der Präsentation von fertigen Ergebnissen heraus erklärt. Will man sie verständlich darstellen, muss man an das Vorwissen und die Lebensrealität der Zielgruppe anknüpfen. Diese kann die breite Öffentlichkeit sein, aber ebenso kann es darum gehen, Fachwissen über den disziplinären Tellerrand hinaus in andere Bereiche zu übertragen. Kürzlich habe ich ein schönes Beispiel dafür entdeckt, bei dem Informationen zur Antike auf modernes Kulturmanagement und umgekehrt Theorien zu Stadtentwicklung und Creative Cities auf die Antike angewendet werden.

Eleonora Redaellia, assistant professor für Kulturpolitik, -planung und -management an der University of Oregon, hat in der letzten Ausgabe von Urban Geography den Artikel „Becoming a creative city: perspectives from Augustus’ Rome“ publiziert. Sie ist weder Althistorikerin noch Archäologin, aber leitet mit ihrer Expertise für kreative, partizipative Stadtentwicklung aus kulturellen Strategien des augusteischen Roms mögliche Handlungsweisen für moderne Prozesse hin zu Creative Cities ab.



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Quelle: http://kristinoswald.hypotheses.org/1656

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Metropolregion: Hamburgs Stadtentwicklung

von Sylvia Necker

Stadtgeschichtliche Katastrophen eignen sich hervorragend als Ankerpunkte, um die Stadtentwicklungsgeschichte Hamburgs in ihren großen Linien zu erzählen. Von der Besatzung durch die Franzosen, den großen Brand 1842 bis zur Cholera-Epidemie 1892: Das Hamburg des 19. Jahrhunderts war von Zerstörung geprägt. Die Stadt konnte sie jedoch zum Neuaufbau und zur Neuordnung der Stadtstruktur nutzen. Ähnliches gilt für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, durch den Hamburg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein neues Gesicht bekommen sollte, das bis heute prägend ist. Nachdem sich Hamburg von der Besatzung durch die Franzosen 1806 bis 1814 erholt hatte und sich die Wirtschaftskraft des Hamburger Hafens im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wieder konsolidiert hatte und sowohl in der Hansestadt als auch in der Nachbarstadt Altona prachtvolle Alleen wie Esplanade und Palmaille mit klassizistischen Stadthäusern zur Repräsentation des Hamburger Bürgertums entstanden waren, setzte eine einschneidende stadtgeschichtliche Zäsur dem Aufwärtstrend ein Ende.

Der Brand als Chance zur Umgestaltung

Innerhalb von vier  Tagen und Nächten brannte im Juni 1842 ein Drittel der Innenstadt Hamburgs vollständig ab. Von den repräsentativen Gebäuden konnte lediglich die neue, ein Jahr zuvor errichtete Börse gerettet werden. Die Katastrophe ermöglichte jedoch aus der Sicht der Städtebauer und Ingenieure die Möglichkeit einer vollkommenen Neugestaltung der Hansestadt.

 

Südlich der kleinen Alster ist das geplante, neue politische und wirtschaftliche Zentrum am neuen Rathausmarkt eingezeichnet.
Das alte Zentrum befand sich nördlich der Nikolaikirche an der Troostbrücke am Großen Kanal. An der Stelle des alten Rathauses
steht heute das Gebäude der Patriotischen Gesellschaft von 1765. Lindley zeichnete außerdem einen Grundriss des von ihm
entwickeltenSielsystems in die Karte ein, die 1846 in der Allgemeinen Bauzeitung veröffentlicht wurde. /
Quelle: Die Sielanlage in Hamburg, in: Allgemeine Bauzeitung, 11. Jg. (1846), Bl. 72.
 
 

Der Wiederaufbau der Stadt – maßgeblich durch den englischen Ingenieur William Lindley geplant – verlagerte das politische und wirtschaftliche Zentrum Hamburgs von der Troostbrücke an die kleine Alster. In den folgenden Jahren entstanden die bis heute prägenden Elemente der Innenstadt auf einem die Straßen begradigenden neuen Stadtgrundriss: Die Alte Post, die Alsterarkaden und die Platzgestaltung des Rathausmarktes schufen der Architekt Alexis de Chateauneuf gemeinsam mit Lindley nach italienischen Vorbildern. Das Ensemble wurde erst mit dem 1897 fertiggestellten Rathaus Martin Hallers komplettiert.

Aber auch an der Verbesserung der Infrastruktur Hamburgs wurde gearbeitet: 1846 wurde ein neues Gaswerk auf dem Grasbrook gebaut, ebenso ein neues Sielsystem, das Lindley schon seit 1841 geplant hatte.

Stadterweiterung: Aufbaueuphorie und ihre Grenzen

Lindley hatte schon 1847 mit der Erschließung Hammerbrooks der Stadterweiterung Impulse gegeben. Mit dem Zollanschluss 1888 sorgte nun der Hamburger Bürgermeister Versmann für eine grundlegende Neuerung in der Hafenentwicklung: Zum einen wurden die Städte Hamburg und Altona in das Zollgebiet des Deutschen Reiches aufgenommen, gleichzeitig erwirkte Versmann jedoch die Möglichkeit, südlich des Binnenhafens und des Zollkanals eine Freihafenzone einzurichten.

In den folgenden 30 Jahren entstand auf einer Flächee von 26 Hektar unter der Bauleitung des Ingenieurs Andreas Meyers die Hamburger Speicherstadt, für die  20.000 Bewohner der alten Gängeviertel am Hafen weichen mussten.

Doch inmitten der Aufbaueuphorie wurde die Stadt mit ihrer immer noch unzureichend ausgebauten Infrastruktur konfrontiert. Jahrelang war im Hamburger Senat und in der Bürgerrschaft über den Bau einer Filteranlage für das Trinkwasser debattiert worden, jedoch ohne Ergebnis. Im Sommer 1892 hatte dies verherende Folgen, da sich durch die beengten Wohnverhältnisse in den Gängeevierteln der Alt- und Neustadt, dem außergewöhnlich heißen Sommer und das ungefilterte Trinkwasser die Cholera-Bakterien innerhalb weniger Tage in Hamburg ausbreiten konnten.

Infolge der Cholera-Epidemie – über 8.000 Hamburger starben – wurden endlich Wasserfilteranlagen gebaut, das Sielsystem erweitert und neue Auflagen für den Wohnungsbau und hygienische Bestimmungen erlassen. Zusätzlich begann eine Sanierungswelle der Gängeviertel, die bis in die 1930er Jahre andauerte.

Die moderne Großtadt – Stadtplanung im 20. Jahrhundert

Die Sanierungen und der damit verbundene Abriss und Neuaufbau ganzer Stadtviertel sollte Ordnung in das Chaos der Stadt des 19. Jahrhunderts bringen. Neue Wohnquartiere mit Querlängung und genug Sonneneinstrahlung lösten die beengten, unhygienischen, schlecht durchlüfteten und dunklen Wohnungen, in denen oftmals zu viele Bewohner auf wenigen Quadratmetern wohnten, ab.

Neben der Lösung des Wohnungsproblems mussten die Stadtplaner des 20. Jahrhunderts jedoch auch Antworten auf die Anforderungen der modernen Großstadt finden. Die durch den Zuzug aus den Landbezirken rasch wachsende Stadt – die Einwohnerzahl Hamburgs hatte sich innerhalb von 100 Jahren verzehnfacht und war um 1900 auf circa eine Million angestiegen – erforderte den Ausbau der Transportsysteme, eine zentral angelegte Verkehrsplanung und neue Erholungsgebiete innerhalb der Stadt.

In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstanden die ersten Hochbahnlinien – 1912 wurde der Hochbahn-Ring eröffnet (heute ein Teil der U3) –, schon 1906 war der neue Hauptbahnhof am Steintorwall eröffnet worden und eine neue Einkaufsstraße, benannt nach Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg, trug maßgeblich zur „Citybildung“ Hamburgs bei.  Motoren für diese Entwicklung waren jedoch nicht nur Ingenieure, sondern auch Architekten und Städtebauer, die die Stadt nicht mehr nur mit einem baukünstlerischen Anspruch, sondern geplant entwickeln wollten.

Schulen, Ämter und der neue Komfort

Nicht zuletzt die inflationäre Rede vom „Stadtkörper“ bzw. „Stadtorganismus“ belegt dieses neue Verständnis der Städtebauer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Einer der Hauptprotagonisten war Fritz Schumacher, der 1908 zum Leiter des Hochbauamtes und 1923 schließlich zum Oberbaudirektor der Stadt berufen wurde. Unter seiner Ägide entstanden nicht nur die Stadt bis heute prägende Staatsbauten wie Ämter und Schulen, sondern auch fortschrittliche Wohnungsbauprojekte wie etwa die Jarrestadt, die nach einem Wettbewerb 1926 südlich des Hamburger Stadtparks unter seiner städtebaulichen Aufsicht gebaut wurde. Die Wohnungen waren groß geschnitten – durchschnittlich 50 bis 60 Quadratmeter – und besaßen den Komfort eines eigenen Bades. Zusätzlich konnten die Mieter eine gemeinsame Waschküche benutzen.

In der Nachbarstadt Altona befassten sich Gustav Oelsner und SPD-Bürgermeister Max Brauer mit ähnlichen Fragen. Auch hier entstanden in den 1920er Jahren Bauten des sozialen Wohnungsbaus, beispielsweise an der Kolding- und an der Helmholtzstraße. Als städtische Trägergesellschaft wurde 1922 die Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona (SAGA) gegründet. Die architektonische Moderne war in Hamburg, anders als in Frankfurt am Main oder Berlin, nicht durch die sogenannte „weiße Moderne“ geprägt. Ob im Backstein-Expressionismus der Brüder Gerson sowie Fritz Högers, dessen Name vor allem mit dem Bau des Chilehauses 1922 bis 1924 verbunden ist, oder in den Wohnbauten Schumachers und Oelsners: der rote Klinker- bzw. Backstein prägte die Bauten der Hansestadt und Altonas in der Weimarer Republik. Eine Ausnahme bildete der Architekt Karl Schneider, der in den westlichen Vororten an der Elbe einige Villen im „Bauhausstil“ schuf.

„Führerstadtplanungen“ im Nationalsozialismus

Das Jahr 1933 bildete eine Zäsur sowie Kontinuität zugleich: Fritz Schumacher wurde vom Amt des Oberbaudirektors abberufen und zahlreiche Architekten wie die Brüder Gerson oder Semmy Engel, der Architekt der Bornplatzsynagoge, wurden von den Nationalsozialisten aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in die Emigration gezwungen. Für andere Architekten wiederum bedeutete der Machtwechsel die Möglichkeit für einen beruflichen Aufstieg: Durch Parteiaufträge oder Bauten für die Reichsautobahn konnten sich einige junge Architekten, die in den letzten Jahren der Weimarer Republik ihren Abschluss gemacht hatten und in enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckten, im neuen System etablieren.

Diese Architekten waren dann maßgeblich an den Planungen zur „Führerstadt Hamburg“ beteiligt, allen voran Konstanty Gutschow, der 1938 den Wettbewerb für die Elbuferplanung gewann. Am Altonaer Balkon sollte ein 250 Meter hohes „Gauhaus“, eine Volkshalle für 50.000 Menschen und eine Elbhochbrücke entstehen.

Die Planungen waren jedoch erst möglich geworden, nachdem die Stadtfläche Hamburgs 1937 durch das Groß-Hamburg-Gesetz nahezu verdoppelt worden war. Die ehemals eigenständigen Städte Altona, Harburg und Wandsbek gehörten jetzt zur Freien und Hansestadt. Die Ausmaße der „Führerstadtplanungen“ machten einen Generalbebauungsplan notwendig, der die Stadt neu ordnete.

Konstanty Gutschow legte 1941 vor, wie das zukünftige Hamburg aussehen sollte: eine große Auflockerung der gesamten Stadtmasse, die Trennung der Funktionen Wohnen, Arbeiten und Erholen sowie eine neue Hafenplanung. Die andauernden Bombardierungen der Stadt durch die Alliierten – als Höhepunkt ist die „Operation Gomorrha“ in den Juli- und Augusttagen 1943 zu nennen – radikalisierten die entwickelten Pläne noch zusätzlich, denn die Zerstörung hatte aus Sicht der Planer Raum für das von Grund auf zu erneuernde Hamburg geschaffen. Bis Kriegsende arbeiteten Konstanty Gutschow und seine Büromitarbeiter an der Zukunft Hamburgs, konnten ihre Pläne aber nicht umsetzen.

Das neue Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg

Für den Wiederaufbau in den ersten Jahren der Bundesrepublik wurden diese Ideen der 1940er Jahre – etwa eine großflächige Auflockerung und Reduzierung der Wohndichte in der Stadt – aufgegriffen. Es waren zum großen Teil die Mitarbeiter Gutschows, aber auch die aus dem Exil zurückgekehrten Architekten Gustav Oelsner und Ernst May sowie die Baudirektoren Friedrich Ostermeyer und Werner Hebebrand, die nun im Stadtplanungsamt für eine Weiterentwicklung und Umsetzung der Ideen sorgten. Prägendes Leitbild war die „gegliederte und aufgelockerte Stadt“, das Ernst May als Planungschef der Neuen Heimat idealtypisch im Projekt „Neu-Altona“ bis in die 1960er Jahre verwirklichte. Auch die Siedlung Hohnerkamp in Bramfeld von Hans Bernhard Reichow entsprach diesem Leitbild.

Reichow hatte schon seit den 1940er Jahren über die Auflockerung und Gliederung der Stadt nachgedacht und beeinflusste den Diskurs der Stadtplaner nach 1945 gleich durch zwei Publikationen: Die „Organische Stadtbaukunst“ erschien 1948, zehn Jahre später veröffentlichte Reichow „Die autogerechte Stadt“. Nach Reichows Vorstellung sollte der Verkehrsfluss von Fussgängern und PKW in zwei verschiedene Leitsysteme getrennt und gleichzeitig eine Hierarchisierung der Straßen – Hauptverkehrsstraßen und verkehrsberuhigte Wohnstraßen –  eingeführt werden. Beide Konzepte zur Stadtgestaltung sind noch heute an der Siedlung Hohnerkamp abzulesen.

Großiedlungen, Gentrifizierungsprozesse und Globalisierung

An den Aufbauplan 1960 von Oberbaudirektor Werner Hebebrand sind nicht nur einige Kontinuitäten aus den Wiederaufplanungen seit den 1940er Jahren gekoppelt, sondern auch neue Stadtvorstellungen, die eng mit dem Fortschrittsglauben der 1960er Jahre verbunden sind.

Zunehmend lösten in der zweiten Phase der Nachkriegsmoderne Großsiedlungen wie Steilshoop (1969 bis 1973) und Osdorfer Born (1967 bis 1972) die kleinteilige, in einer aufgelockerten Stadtstruktur gesetzte Siedlungsbebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern ab. Stattdessen sollte durch Großsiedlungen „Urbanität durch Dichte“ erzeugt werden, wie das neue Leitbild plakativ hieß.

Durch die anfängliche Euphorie in den Neubausiedlungen des Wiederaufbaus der Nachkriegsjahre verloren die innerstädtischen Wohnquartiere wie etwa Alt-Altona, Ottensen, St. Pauli und das Schanzenviertel an Bedeutung. Viele Familien zogen in die äußeren Stadtbezirke und beschleunigten den Prozess der Suburbanisierung. In der Kernstadt entstanden so Freiräume, die unter anderem für alternative Projekte wie etwa das Stadtteilkulturzentrum „Die Fabrik“ in Ottensen oder die Hafenstraße in St. Pauli und neue Wohnformen wie Wohngemeinschaften genutzt wurden.

Aus Studenten werden Besserverdiener

Noch in den 1970er Jahren setzte jedoch auch ein gegenläufiger Trend ein: Aus den Studierenden und Künstlern, die die unattraktiven Stadtteile als „Pioniere“ nun interessant gemacht hatten, wurden gutverdienende Studienräte und Architekten, die – nach den Gentrifizierungstheorien aus der Stadtgeographie – sich als „Gentriefier“ die alten Quartiere in Lofts umbauten. Die Folgen dieser Aufwertung waren höhere Mieten und Verdrängung der bisher dort ansässigen Wohnbevölkerung.

Hinzu kam eine Veränderung der Ladenstruktur: Immer häufiger fanden sich in Ottensen kleine Cafés exklusive Boutiquen und Spezialgeschäfte, die mit ihrem Warenangebot Künstler anzogen, die mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet waren. Diese unter dem Begriff der „Gentrifizierung“ gefassten Prozesse dauern bis heute an.

Auf der Ebene der Landes- und Infrastrukturplanung strebte Hamburg seit den 1950er Jahren eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen an. Das Regionale Entwicklungsmodell von 1969 sah vor allem eine Sicherung des Wirtschaftswachstums der Hansestadt sowie eine Koordinierung der grundlegenden Frage wie Besiedelung, Verkehrsplanung und Schaffung von Freizeit- und Bildungseinrichtungen im Großraum Hamburg vor.

In den folgenden Jahren entwickelte sich die ursprüngliche Idee der Stadtlandschaft, in der Hamburg als unumstrittenes Zentrum angesehen wurde, zunehmend von einer Stadtentwicklungsplanung zu einer Strategie der Wirtschaftsförderung. 1996 beschlossen die Länder Schleswig-Holstein, Niedersachen und Hamburg den Zusammenschluss der umliegenden Kreise und Hamburg zu einer Metropolregion. Die Strategiepapiere der Metropolregion Hamburg, die diese Regionalentwicklung durch eine Geschäftsstelle in Hamburg koordiniert, konzentrieren sich auf wirtschafts- und wissenschaftspolitische Lenkungsinstrumente und Tourismusentwicklung und nicht auf eine Entwicklungsplanung, die Themen sozialer Segregation und Integration in den Blick nimmt.

 

Metropolregion Hamburg / Grafik: hamburg.de
 
 

Diese Konzentration auf das Wirtschaftswachstum der Metropolregion findet sich in dem 2001 vom CDU-Senat verabschiedeten Leitbild der „Wachsenden Stadt“ Hamburg wieder. Pionierprojekt und städtebauliches Kernthema ist der Bau der HafenCity: Auf einer Gesamtfläche von 157 ha entsteht auf ehemaligem Freihafengebiet südlich der Speicherstadt ein neues innenstadtnahes Quartier, das sowohl Wohn- wie auch Arbeitsmöglichkeiten schaffen soll. In einer räumlichen Weiterführung soll bis 2013 zwischen Norder- und Süderelbe in Wilhelmsburg und Harburg die Internationale Bauausstellung (IBA) Modelle zeitgemäßen Wohnens und Arbeitens gezeigt werden.

Neben diesen Großprojekten verändern sich viele Stadtteile durch Aufwertungsprozesse, deren Folgen für eine soziale Stadt, wie sie im gesamten 20. Jahrhundert von Städtebauern und Planern gefordert worden war und teilweise umgesetzt wurde, heute noch nicht abzusehen sind. Die Beurteilung dieser Prozesse bleibt jedoch einem Eintrag zur Stadtentwicklungsgeschichte im Hamburg des 21. Jahrhunderts vorbehalten.

Zur Autorin:

Sylvia Necker arbeitet und lebt als Historikerin und Musikerin in Hamburg. Seit 2007 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Architektur- und Städtebaugeschichte des 20. Jahrhunderts sowie Kunst- und Kulturgeschichte.

Literaturverzeichnis

Überblickswerke zur Hamburger Stadt(entwicklungs)geschichte im 19. und 20. Jahrhundert:

  • Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. Geschichte, Kultur und Stadtbaukunst an Elbe und Alster, 2. Aufl., Köln 1989.
  • Werner Jochmann: Vom Kaiserreich bis zur Gegenwart (Hamburg – Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner 2), Hamburg 1986.
  • Gert Kähler: Von der Speicherstadt bis zur Elbphilharmonie. Hundert Jahre Stadtgeschichte Hamburg (Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs 24), München 2009.
  • Eckart Kleßmann: Geschichte der Stadt Hamburg. Neuausgabe, Hamburg 2002.
  • Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Der große Architekturführer. Über 1000 Bauten in Einzeldarstellungen, Hamburg 2008.
  • Volker Plagemann: Kunstgeschichte der Stadt Hamburg, Hamburg 1995.

Weitere ausgewählte Literatur

  • Olaf Bartels: Werner Hebebrand (1899-1966) und der Mythos der „Stunde Null“, in: Architektur in Hamburg 21 (2009), 194–205.
  • Ulrich Cornehl: Raummassagen. Der Architekt Werner Kallmorgen 1902-1979 (Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs 19), Hamburg 2003.
  • Jörn Düwel/Niels Gutschow: Fortgewischt sind alle überflüssigen Zutaten. Hamburg 1943: Zerstörung und Städtebau, Berlin 2008.
  • Richard J. Evans: Tod in Hamburg. Stadt, Gesellschaft und Politik in den Cholera-Jahren 1830-1910, Reinbek bei Hamburg 1990.
  • Peter H. Feindt: “Metropolregion Hamburg” – Anmerkungen zu einer politischen Konstruktion von Raum, in: Martin E. Döring/Gunther H. Engelhardt/Peter H. Feindt/Jörn Oßenbrügge (Hrsg.): Stadt – Raum – Natur. Die Metropolregion als politisch konstruierter Raum 2003, 39–51.
  • Hartmut Frank (Hrsg.): Fritz Schumacher. Reformkultur und Moderne [anlässlich der Ausstellung „Fritz Schumacher und seine Zeit“ in den Deichtorhallen Hamburg, 20. Mai bis 17. Juli 1994] (Schriften des Hamburgischen Architekturarchivs), Stuttgart 1994.
  • Claudia Horbas (Hrsg.): Es brannte an allen Ecken zugleich: Hamburg 1842 [anlässlich der Ausstellung im Museum für hamburgische Geschichte vom 21. November 2002 - 23. Februar 2003], Heide 2002.
  • David Klemm/Hartmut Frank: Alexis de Chateauneuf 1799 – 1853. Architekt in Hamburg, London und Oslo [anlässlich einer Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, vom 24.9. bis 19.11.2000 im Rahmen des Hamburger Architektur-Sommers 2000] (Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs 16), Hamburg 2000.
  • Ralf Lange: Hamburg. Wiederaufbau und Neuplanung 1943-1963, Königstein im Taunus 1994.
  • Peter Michelis (Hrsg.): Der Architekt Gustav Oelsner. Licht, Luft und Farbe für Altona an der Elbe, München, Hamburg 2008.
  • Sylvia Necker/Meik Woyke: Vom Achsenkonzept zur Metropolregion. Stadt- und Regionalplanung für den Großraum Hamburg seit dem Ersten Weltkrieg, in: Zeitschrift des Vereins für hamburgische Geschichte 95 (2009), 143–166.
  • Ortwin Pelc/Susanne Grötz (Hrsg.): Konstrukteur der modernen Stadt. William Lindley in Hamburg und Europa 1808 – 1900 (Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs 23), München 2008.
  • Jörn Reulecke: Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, Frankfurt am Main 1985.
  • Dieter Schädel (Hrsg.): “Wie das Kunstwerk Hamburg entstand”. Von Wimmel bis Schumacher – Hamburger Stadtbaumeister von 1841 – 1933 [anlässlich der Ausstellung im Rahmen des Hamburger Architektur-Sommers 2006 im Kunsthaus Hamburg] (Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs 20), München 2006.
  • Dirk Schubert: Stadterneuerung in Hamburg, in: Harald Bodenschatz/Erich Konter/Michael Stein/Max Welch Guerra (Hrsg.): Stadterneuerung im Umbruch. Barcelona, Bologna, Frankfurt a. M., Glasgow, Hamburg, Köln, Kopenhagen, Leipzig, München, Nürnerg, Paris, Rostock, Rotterdam, Wien u. Berlin (Arbeitshefte des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin 50), Berlin 1994.

Quelle: http://www.hh-geschichten.uni-hamburg.de/?p=60

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