Bilder der Revolte: „Studium ist Opium“

Bilder der Revolte: „Studium ist Opium“

Die Demonstrationen rund um den Schah-Besuch, der Tod von Benno Ohnesorg oder die Proteste gegen die Notstandsgesetze sind Motive der Fotografien von Ludwig Binder (1928-1980). Der ehemalige Student der Freien Universität Berlin hatte 1961 ein eigenes Fotostudio eröffnet, nachdem er schon vorher für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen tätig gewesen war. Mit seinem Team aus freien Mitarbeitern hielt er nun viele große und kleinere Ereignisse im geteilten Berlin mit der Kamera fest. Trotzdem ist Binder heute nur noch einem kleinen Kreis von Personen bekannt, und auch in der Wissenschaft fanden seine Bilder wenig Beachtung. Diesen Zustand wollen die Initiatoren von „Bilder der Revolte“ ändern.

Die noch recht junge Webseite, die im Rahmen des Kultur-Hackathons „Coding da Vinci“ entstanden ist, ist ein relativ kleines Projekt:[1] Kulturinstitutionen stellen sonst schwer zugängliche Daten- oder Bildersätze ins Internet, die dann von allen Nutzern frei verwendet werden können. Das Projekt „Bilder der Revolte“ zeigt die Aufnahmen des Fotografen Ludwig Binder, die die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland digitalisiert und unter einer Creative Commons-Lizenz (CC BY-SA 3.0 DE) verfügbar gemacht hat.

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Quelle: https://www.visual-history.de/2016/12/19/bilder-der-revolte-studium-ist-opium/

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Detlef Siegfried: “Pop und Politik. Überlegungen zu einer komplexen Beziehung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland” (Audio)

Der Vortrag diskutiert die Frage, inwieweit Popmusik eine politische Qualität haben kann. Es werden Überschneidungen von Pop und Politik untersucht, wie sie von staatlicher Seite und den Medien, mitunter auch von Rezipienten und Produzenten von Popkultur immer wieder unterstellt wurden. Dabei sollen „politische“ ebenso wie „nicht-“ oder „vorpolitische“ Aspekte des Pop herausgearbeitet werden. Im Einzelnen werden Instrumentalisierungen für politische Richtungen beleuchtet, die aus dem Charakter des Pop als Massenkultur (und seiner Spannung zu möglichem Avantgardismus) rühren: Popmusik als Signum für eine Liberalisierung, Amerikanisierung oder Westernisierung, als Artikulations- und Mobilisierungsmedium für links- und rechtsradikale Ideen und Aktivitäten.

Hier kommen auch theoretische Traditionen in den Blick, wie sie etwa bei Bertolt Brecht, Walter Benjamin oder den Cultural Studies (Birmingham) gesehen wurden. Wie sind Zuschreibungen zu beurteilen, die Popmusik als rebellisch, kommerziell oder angepasst bewerten? Abschließend soll die Frage diskutiert werden, inwieweit „Popgeschichte“ für eine „neue Politikgeschichte“ nach dem cultural turn fruchtbar zu machen wäre.

Der Vortrag wurde am 26.

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Quelle: http://pophistory.hypotheses.org/2003

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Inverted Worlds – Congress on Cultural Motion in the Arab Region

„Wir befinden uns inmitten eines Wandels, der sehr kompliziert ist, und der Leute wie mich verpflichtet, bescheiden zu sein. Was heute in der arabischen Welt passiert, hat Intellektuelle wie mich, die ihr ganzes Leben lang für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit gekämpft haben, sehr überrascht. Wir sollten zurück in die Schule der Geschichte gehen und Geschichte von der Jugend, die die Straßen der arabischen Welt besetzt, lernen.“

Mit diesen Worten eröffnete der libanesische Schriftsteller und Intellektuelle Elias Khoury die fünftägige Konferenz „Inverted Worlds – Congress on Cultural Motion in the Arab Region“ am Orient-Institut (OI) Beirut im Oktober 2012. Diese Konferenz stellte die kulturellen Impulse, die die arabische Region seit 2011 erlebt hat, in den Mittelpunkt. In vier interdisziplinären Panels kamen prominente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Künstlerinnen und Künstler sowie Aktivistinnen und Aktivisten zusammen, um sich über verschiedene lokale, regionale und transregionale Aspekte  des Wandels in der arabischen Welt auszutauschen. Zusammenhänge der Ereignisse innerhalb der Region sowie Schnittstellen mit Erfahrungen in anderen Regionen (z. B. in Serbien und England) wurden dabei herausgearbeitet. Im Vordergrund standen die Neuen Medien, urbane Kunstformen wie Hip Hop und Graffiti, Humor und soziale Bewegungen. Die dynamischen Debatten machten deutlich, dass die Künstlerinnen und Künstler und Aktivistinnen und Aktivisten lange vor den Ausbrüchen der Revolutionen aktiv waren, sich nun nach Wegfall alter Schranken aber intensiver mit der Neudefinierung der Beziehung zwischenS taat und Gesellschaft auseinandersetzen. Wie auch aus Khourys Einleitung deutlich wird, spielen neue Akteure verstärkt eine Rolle.

Ausdrucksformen des Arabischen Frühlings


Mittagspause in der Lebanese American University.

Das Ziel des ersten Panels mit dem Titel „Sound Messages: Popular Music and Social and Political Transformation“ war es, neue Fragen zu musikalischen Ausdrucksformen des Arabischen Frühlings zu stellen. Musik ist ein Mittler politischer, sozialer und kultureller Ideen. Dies wird in den regionalen Transformationsprozessen deutlich, etwa durch populäre Kunstproduktionen, die dem arabischen Nationalismus und patriotischen Bewegungen gewidmet sind, oder durch polemische oder gar subversive Texte. Wofür kämpfen Künstlerinnen und Künstler der jungen Generation? Die Präsentationen lösten eine lebhafte und kontroverse Debatte zwischen Panelisten und Publikum aus, in denen es unter anderem um die Frage von „Authentizität“ (z. B. ob Arabischer Hip-Hop oder Heavy Metal authentisch sein können?) und die Frage von „Vermittlung“ (z. B. welche Rolle Musik in den derzeitigen Transformationsprozessen spielt?) ging. Aufschlussreich war die Diskussion zwischen sechs Hip-Hop-Künstlern aus der Region (Syrien, Libanon, Jordanien, Tunesien). Die Musiker unterstrichen, dass sie sich im Augenblick inmitten eines Wandels befänden, der so schnell voranschreite, dass es schwierig sei, die Lage rational zu analysieren, während man gleichzeitig Teil der Ereignisse sei. Der libanesische Hip-Hopper El-Ras betonte: „Eine Explosion hat stattgefunden, sei es auf dem Niveau der Politik, der Kunst, oder des Denkens. Viele Schranken sind gefallen. Nicht Du oder ich entscheiden wie es weitergeht, sondern die Gesellschaft.“ Das zweite Panel „Linear and Non-linear Narratives in the Context of Arab Revolutions“ brachte neun Akteure aus Wissenschaft, Kunst und Politik aus dem Libanon, den USA, Bahrein, Großbritannien und Deutschland zusammen. Die Beiträge untersuchten verschiedenste künstlerische Ausdrucksformen wie Videokunst, Klangkunst, Datenbanken als kulturelle oder als politische Ausdrucks-, Speicher- und Wissensform, Film, Theater und Graffiti. Der Zusammenhang zwischen dem Aufbrechen linearer, hierarchisierender Erzählstrukturen und den politischen Aktivitäten im Kontext der arabischen Revolutionen wurde diskutiert. Besonderes Augenmerk erhielt auch die Zeit vor den politischen Ereignissen sowie die Interaktion zwischen Ausdrucksformen, Techniken wie zum Beispiel Datenbanken, Video- und Filmtechniken, Medien und Menschen.

Humor und Widerstand

Die ägyptische Revolution stand im Mittelpunkt der ersten Diskussionsrunde des dritten Panels „Humour, Suffering and Resistance“. Die zweite Diskussion konzentrierte sich vor allem auf die Rolle des Humors in den aktuellen Umwälzungen in Syrien sowie im zeitgenössischen Libanon. Neben Medien wie Wandmalereien, Print-Karikaturen und Slogans wurden hier auch Fernsehserien, Internetvideos und mündlich tradierte Witze einbezogen. Die Rolle des von Seiten des Staates tolerierten Humors unter dem syrischen Baath-Regime wurde ebenso gewürdigt wie die Rolle des Humors in politisch-kulturellen Aktivitäten der Opposition. Die weit verbreitete These, Humor sei „ambivalent“, wurde in den lebhaften Präsentationen und Diskussionen des Panels zugunsten einer stärkeren Würdigung der jeweiligen sozialen, räumlichen und politischen Kontexte der Artikulation des Humors aufgelöst. Im letzten Panel „Open Rebellion – Hidden Scripts“ wurde ergründet, von welchen Erwartungshaltungen sich die Aktivistinnen und Aktivisten der arabischen Aufstände leiten ließen und inwiefern die Ereignisse einer Form der Revolutionsdramaturgie folgten. Politische Aktivistinnen und Aktivisten und Think-Tank-Analysten behandelten unter reger Teilnahme des Publikums eine Reihe von Themen, wie etwa die gewaltlose Philosophie der serbischen Organisationen OTPOR! und Canvas. Diese verbuchten ihre Arbeit mit ägyptischen Akteuren als Erfolg, beurteilten jedoch die Zusammenarbeit mit syrischen Aktivistinnen und Aktivisten kritisch, da die Eskalation der Gewalt auch als ein Fehler der Opposition bewertet wurde. Ägyptische Aktivistinnen und Aktivisten stehen allerdings weiterhin vor großen post-revolutionären Herausforderungen, wie am Beispiel der „April 6 Jugendbewegung“ deutlich wurde. Die Demonstrationen in Bahrein, die auch Folgen der bis in die britische Besatzungszeit zurückreichenden sozialen Konflikte sind, wurden ebenso analysiert wie die Rolle der Neuen Medien im Transformationsprozess in Libyen und Gründe für die Ursprünge des syrischen Aufstands im ländlichen Daraa. Abschließend wurde die Rolle des Militärs in der arabischen Politik erläutert und gezeigt, auf welche Weise verschiedene Herrscher militärische Insignien zur Herrschaftslegitimation einsetzten.

„Inverted Worlds“ in Beirut

Filmabend auf den Stufen von Gemmayzeh

„Inverted Worlds“ nahm auch Bezug auf den Standort Beirut. Wie Stefan Leder in seiner Willkommensrede betonte, ist Beirut eine Stadt, die stets verschiedene Gesichtspunkte aufgenommen hat, experimentierfreudig ist und alle zur Diskussion auffordert. Auch Elias Khoury ging in seiner Einführung auf die Stadt ein. Beirut sei eine Stadt, die einen langen Kampf hinter sich habe. Seit der israelischen Belagerung von 1982 war sie eine Stadt des Widerstands, lange Zeit die einzige in der Region. 2005 versuchte Beirut, mit der sogenannten „Unabhängigkeitsintifada“ ein Modell für populäre Revolutionen zu schaffen, doch der Wandel funktionierte auf Grund der konfessionellen Struktur des libanesischen politischen Systems nicht. „Beirut ist eine traurige Stadt“, so beendete Khoury seine Einleitung. Sie befände sich heute am Rande der arabischen Welt, anstatt Vorreiter des Wandels zu sein. Er hoffe, dass sich dies bald ändern werde. Dies sei aber nur möglich, wenn die Libanesen es schafften, sich von der „Krankheit des Konfessionalismus“ zu befreien. Um die Vielseitigkeit Beiruts zu unterstreichen, fanden die Panelrunden nicht nur im Orient-Institut, sondern auch in der Bibliothèque Orientale und im Théâtre Monnot der Université Saint Joseph, im Gulbenkian Theater der Lebanese American University sowie im Beirut Art Center statt. Jeder Ort brachte seine eigene Identität und sein eigenes Publikum mit in die Diskussion ein. Das Experiment, die verschiedenen Ansätze von Aktivismus, künstlerischen Ausdrucksformen und wissenschaftlicher Analyse in einer Konferenz zusammenzubringen, war eine bereichernde Erfahrung für das OI Beirut. Über die Panels hinaus gab es auch ein facettenreiches Kulturprogramm: An einem der Abende wurden Kurzfilme auf den Stufen von Gemmayzeh gezeigt, die einen Einblick in die ägyptische Musikwelt gaben und den Frauen in den Aufständen in Ägypten und Bahrein eine Stimme verliehen. Ein Höhepunkt war das Hip-Hop Konzert der Kollektive Khat Thaleth, bei dem sich Akteure aus der Region kritisch dem Zeitgeschehen stellten und in ihrem Freestyle verdeutlichten: „Wir brauchen kein Al Jazeera, das Bild wird deutlich aus Beirut“. Einen visuellen Überblick über „Inverted Worlds“ eröffnet die Videovorschau

OIB Congress Trailer from Orient Institut Beirut on Vimeo.

und auch die einzelnen Vorträge können auf der Institutswebseite angeschaut werden. Derzeit wird eine Dokumentation zu „Inverted Worlds“ in der perspectivia.net-Reihe Orient-Institut Studies (OIS) vorbereitet.

Nadia von Maltzahn ist seit Februar 2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Orient-Institut Beirut. 2012 hat sie die internationale Konferenz „Inverted Worlds – Congress on Cultural Motion in the Arab Region“ organisiert.

Quelle: http://oib.hypotheses.org/343

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Eine Kulturgeschichte europäischer Protestbewegungen der 1980er Jahre.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat einen Sammelband veröffentlicht: “All we ever wanted …” Eine Kulturgeschichte europäischer Protestbewegungen der 1980er Jahre. Herausgegeben von Hanno Balz und Jan-Henrik Friedrichs in der Reihe Manuskripte.

Und die gibt es lobenswerterweise auch als PDF-Datei zum Download. Angesichts der weltweit erstarkenden Protestbewegungen eine Publikation mit hohem Aktualitätsbezug.

(via Adresscomptoir, wo man auch ein Inhaltsverzeichnis findet)


Einsortiert unter:Literatur, Sozialgeschichte

Quelle: https://kritischegeschichte.wordpress.com/2012/05/09/eine-kulturgeschichte-europaischer-protestbewegungen-der-1980er-jahre/

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