Snorri Sturlusons Mythologie und die mittelalterliche Theologie

1000 Worte Forschung: Dissertation LMU München, abgeschlossen im Juli 2012

Snorris Statue in Reykholt (Bildhauer: Gustav Vigeland) Foto: Jan van Nahl

Snorris Statue in Reykholt
Foto: Jan van Nahl

Eine Insel im Nordatlantik – Finanzkrise und Vulkanausbruch zum Trotz nur am Rande öffentlicher Wahrnehmung – rückte mit der Frankfurter Buchmesse 2011 in den Fokus eines literarisch interessierten Publikums aus aller Welt: Island. Zur Weltliteratur indessen zählten die volkssprachlichen Werke des isländischen Hoch- und Spätmittelalters schon vorher. Qualitativ und quantitativ scheuen sie keinen Vergleich im gesamteuropäischen Kontext, und in mancher Hinsicht ist ihnen auch gar nichts Vergleichbares an die Seite zu stellen: Weder die hochkomplexe Skaldendichtung noch die berühmten Isländerssagas blicken auf kontinentale Vorbilder.

Besonderes Interesse unter Wissenschaftlern und Laien gleicher­maßen hat aber die so genannte Edda des isländischen Gelehrten, Politikers und Dichters Snorri Sturluson auf sich gezogen. Geboren im Winter 1178/79, kam Snorri bereits als Kind in die Obhut des seinerzeit mächtigsten Mannes in Island, Jón Loftsson, dessen Herrschersitz Oddi doch zugleich auch ein Zentrum mittel­alterlicher Gelehrsamkeit war. Es wundert wenig, dass Snorri schon in jungen Jahren erste politische und wirtschaftliche Erfolge verbuchen konnte, aber auch ein Interesse an der Dichtkunst seiner Vorfahren wird bald erwacht sein. Als geschickter Taktiker wusste Snorri sich im Laufe der Jahre zur einflussreichsten und vermögendsten Persönlichkeit Islands zu erheben. Mehrere Aufenthalte am Hof des norwegischen Königs Hákon Hákonarson zeugen von politischem Weitblick, belegen aber auch ein Interesse, das der eloquente Machtmensch Snorri in elitären Kreisen Skandinaviens zu wecken vermochte. Indessen: Sein Streben nach Einfluss und Besitz, wohl auch manche Unstimmigkeit in weltanschaulichen Fragen ließ Snorri und Hákon zum Ende der 1230er Jahre im Streit auseinandergehen; gegen Befehl des Königs reiste Snorri zurück nach Island. Im September 1241 wurde er in den Kellerräumen seines Gehöfts in Reykholt von Hákons Häschern erschlagen – das frühzeitige, aber vielleicht vorhersehbare Ende einer Ausnahmegestalt des nordischen Mittelalters.

Hinterlassen hat er der Nachwelt ein literarisches Werk, das bereits seine Zeitgenossen zur Auseinandersetzung reizte. Sicher zugeschrieben wird ihm heute zum einen die Edda, ein Lehrbuch der Mythologie und Dichtkunst, dessen einzelne Abschnitte durchaus eigene Ziele verfolgen; zum zweiten die Heimskringla, eine umfangreiche Sammlung nordischer Königsgeschichten, die den Blick von mythischer Vorzeit auf dem asiatischen Kontinent bis weit hinein ins 12. Jahrhundert Skandinaviens richtet. Es besteht kein Zweifel, dass Snorris Edda das Fundament einer modernen Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Mythologie und Religion Nordeuropas bildet – und das seit über zwei Jahrhunderten. Entsprechend voluminös tritt die Forschungsliteratur in Erscheinung, Regalmeter werden gefüllt von Studien zum literarischen Erbe dieses Mannes, aber auch von mannigfachen Editionen und Übersetzungen.

Snorralaug, das von einer heißen Quelle gespeiste Bad Snorris aus dem 13. Jahrhundert Foto: Jan van Nahl

Snorralaug, das von einer heißen Quelle gespeiste Bad Snorris aus dem 13. Jh.
(Foto von 2004)
Foto: Jan van Nahl

Im Zuge der Überwindung fachgeschichtlicher Problema­tisierungen, wie sie das Ende des Dritten Reichs gefordert hatte, erstarkte die Forschung im deutschsprachigen Raum seit den 1980er Jahren. Namhafte Germanisten und Skandinavisten wussten ihre Thesen in zahlreichen Publi­kationen zu entfalten, aber auch die internationale Forschung trug wesentlich zur Diskussion bei. Rückblickend kristallisiert sich in dieser Debatte die zunehmende Zementierung gewisser Überzeugungen zu Snorris Werk heraus, die ihre Deu­tungsdominanz wirkungsvoll vor allem in Lexika und Anthologien zu manifestieren verstanden. Das Gros der aktuellen Forschung (und dies betrifft auch manche Studie des „wissenschaftlichen Nachwuchses“) ist solchen Linien des methodischen und thematischen Zugangs bewusst oder unbewusst verpflichtet. Dabei treten zwei wesentliche Aspekte aber in den Hintergrund.

Zum ersten ist dies die zeitgeschichtliche Bedingtheit von Fach und Forschung: Ein Fundament für Arbeiten der 80er und 90er Jahre wurde vor allem die epochale Abhandlung des „Nestors der altgermanischen Religionsforschung“ Walter Baetke (1884–1978): In seiner schmalen Akademieschrift „Die Götterlehre der Snorra-Edda“ (1950) [1] entfaltete er das wirkungsmächtige Konzept einer Odinstheologie, verband er nordische Mythologie mit theologischen Konzepten, Snorris Allvater-Odin mit dem unerkannten Christengott einer religio naturalis. Kriegsbedingt einem christlichen Standpunkt besonders verpflichtet, kam der akribische Quellenkritiker Baetke abschließend aber zu dem Ergebnis, Snorri habe trotz aller Relationen das nordische Heidentum eben doch als teuflischen Trug brandmarken wollen. Baute nachfolgende Forschung erheblich auf dieser Überzeugung, geriet deren zeitgeschichtlicher Kontext zunehmend aus dem Blick – mit Auswirkungen bis in jüngste Forschung: Zum zweiten nämlich scheint die neuerliche Untersuchung der mittelalterlich überlieferten Texte gleichsam gehemmt angesichts des unbestreitbaren Verdienstes international renommierter Forscher der letzten Jahrzehnte. Bisweilen aber überwiegt der Eindruck einer Abhängigkeit von diesen Arbeiten, die den Blick in festen Bahnen hält und eher eine Bestätigung denn Weiterentwicklung vorangehender Forschung zeitigt.

Dem Desiderat einer kritischen Aufarbeitung der gleichermaßen komplexen wie umfänglichen Forschung tritt die Münchner Dissertation „Snorri Sturlusons Mythologie und die mittelalterliche Theologie“ in mehreren Schwerpunkten entgegen. Nicht nur galt es, in grundsätzlicher Methodenreflexion den eigenen Standort zunächst zu erkennen und zu erklären; im Besonderen die Frage nach mittelalterlichen Kontexten der Person Snorris und seines Werks war zu stellen: Das betraf eine viel diskutierte Autorschaft, mehr noch aber Fragen nach Textfassungen, Sprachverständnis und vor allem kontinentalen Diskursen in ihrer Wirkung auf die Gelehrtenwelt Norwegens und Islands. Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat Konzepte der Natürlichen Theologie [2], des Euhemerismus [3] und der Analogie [4] teils vehement vertreten – eine Synthese dieser Ideen scheint jedoch nur bedingt möglich, vielmehr ist die konstruktive Konfrontation gefordert.

Eine Basis künftiger Diskussion mittelalterlicher Interpretationsmethodik erarbeitete die Dissertation in ihrem Hauptteil, einer lexematischen Analyse der überlieferten Fassungen von Snorris Werk, der Gylfaginning und Ynglinga saga im Speziellen. Die Untersuchung so genannter „Schlüsselwörter“ gereichte bereits 1964 der einflussreichen Abhandlung „Studier i Snorres mytologi“ der norwegischen Philologin Anne Holtsmark (1896–1974) zum methodischen Ausgangspunkt [5]. Doch auch Holtsmark folgerte, Snorri habe sich in seinem Werk strikt von aller heidnischen Überlieferung distanziert, den nordischen Götterglauben kontrastiv zum Teufelskult degradiert. Demgegenüber kam die vorliegende Studie in Untersuchung mehrerer Dutzend Lexeme und dahinterstehender Konzepte zu gegenteiligem Ergebnis: In Analyse eines Wortschatzes, der in zeitgenössischen theologischen Werken Träger zentraler christlicher Vorstellungen war, konnte wahrscheinlich gemacht werden, dass Snorri – in Orientierung an epochalen Ereignissen wie dem 4. Laterankonzil 1215 oder dem 5. Kreuzzug von 1217–1229 – vielmehr die würdigende Konstruktion einer vorchristlichen Glaubenswelt vor Augen hatte. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass dieser unbezweifelte Meister der Sprache zwei Ebenen des Verständnisses in seinen Werken konstruierte: einerseits eine oberflächlich unterhaltende; andererseits eine viel tiefer reichende, die dem aufmerksamen Rezipienten wegweisende Analogien zwischen christlichem und nordisch-paganem Glauben eröffnete. Erstmals konnte darin auch eine werkübergreifende Konzeption Snorris wahrscheinlich gemacht werden.

Mit diesen Ergebnissen positioniert sich die Studie konträr zum Gros bisheriger und auch aktueller Forschung. Sie fordert keine Deutungshoheit, versteht sich aber als provozierender Impulsgeber künftigen Disputs zu einem interdisziplinären Forschungsthema.

Jan Alexander van Nahl (2013): Snorri Sturlusons Mythologie und die mittelalterliche Theologie. (Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 81.) Berlin, Boston.

[1] Baetke, Walter (1950): Die Götterlehre der Snorra-Edda. (Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, phil.-hist. Klasse, 97/3.) Berlin.
[2] Vgl. z.B. Weber, Gerd Wolfgang (1986): Edda, Jüngere. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 6, S. 394–412. Berlin, New York.
[3] Vgl. z.B. Clunies Ross, Margaret (2006): The measures of Old Norse religion in longterm perspective. In: Anders Andrén/Kristina Jennbert/Catharina Raudvere (Hrsg.), Old Norse religion in long-term perspectives, S. 412–416. (Vägar til Midgard 8.) Lund.
[4] Vgl. z.B. Beck, Heinrich (2007): Die Uppsala-Edda und Snorri Sturlusons Konstruktion einer skandinavischen Vorzeit. In: Scripta Islandica 58, S. 5–32.
[5] Holtsmark, Anne (1964): Studier i Snorres Mytologi. (Skrifter utg. av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo. II. Hist.-Filos. Klasse. Ny Serie 4.) Oslo.

Quelle: http://mittelalter.hypotheses.org/960

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aventinus bavarica Nr. 24 [31.01.2013]: Denkmäler erzählen Geschichte(n)! Die Feldherrnhalle in München Nationale Begeisterung — Instrumentalisierung — Alltagsgeschehen [=Bayernspiegel Nr. 5-6/2012]

Überquert man in Zeiten hektischer Betriebsamkeit den Münchner Odeonsplatz, wird die Feldherrnhalle für gewöhnlich nur am Rande wahrgenommen. Ihre facettenreiche Geschichte bleibt im Verborgenen oder wird auf Hitlers Marsch auf die Feldherrenhalle konzentriert. http://www.aventinus-online.de/bavarica/neueste-geschichte/art/Denkmaeler_erz/html/ca/view

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2013/01/3829/

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Programmierer/in / Digital Humanist (volle Stelle) Gandhāra‐Projekt

Das Vorhaben “Die frühbuddhistischen Handschriften aus Gandhāra” an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sucht einen erfahrenen Programmierer und “Digital Humanist”.

Die Stelle ist an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) angesiedelt, zunächst befristet bis zum 31.12.2015.
Bewerbungsfrist ist der 31. August 2012.

Zur offiziellen Stellenausschreibung:
deutsch: http://www.uni-muenchen.de/aktuelles/stellenangebote/technik/20120720074055.html
englisch: http://gandhari.org/tmp/programmer_and_digital_humanist.txt

Aus der Ausschreibung:

Aufgaben

Sie übernehmen die technische Betreuung der Datenbank des Dictionary of Gāndhārī. Gāndhārī ist eine mittelindische Sprache, die im antiken Gandhāra (Nord‐Pakistan und Ost‐Afghanistan) und in Zentralasien (Xinjiang, China) von etwa dem vierten Jahrhundert v. Chr. bis zum vierten Jahrhundert n. Chr. in Gebrauch war. Als wichtige Literatur‐ und Verwaltungssprache der Region trug sie wesentlich zur Verbreitung der buddhistischen Literatur nach Zentralasien und China bei. Die im Jahr 2002 an der University of Washington gegründete Datenbank beinhaltet derzeit Transkriptionen und Bilder von 2.635 Gāndhārī‐Dokumenten (Handschriften, Inschriften und Münzlegenden), mithin die große Mehrzahl der heute bekannten Quelltexte in dieser Sprache. Archäologische Entdeckungen vermehren beständig das Text-Korpus, und nur ein kleiner Teil der bislang bekannten Texte liegt in Editionen vor. Das Dictionary of Gāndhārī entsteht somit auf der Grundlage eines sich ständig erweiternden Quellenkorpus und unterstützt gleichzeitig die editorischen Aktivitäten. Weitere Informationen über das Dictionary of Gāndhārī sind unter http://gandhari.org/ abrufbar.

Wir suchen eine/n erfahrene/n Programmierer/in und Digital Humanist, der/die den Inhalt der Dictionary‐Datenbank von seinem augenblicklichen PostgreSQL‐Schema in ein von den Herausgebern konzipiertes TEI‐konformes XML‐Schema konvertiert, um ihn entweder in einer relationalen Datenbank oder in einer eXist‐XML‐Datenbank bereitzustellen. Nach dieser grundlegenden Datenkonvertierung wird der/die Programmierer/in / Digital Humanist die Präsentations‐ und Analyse‐Funktionen des Datenbanksystems gemäß den Bedürfnissen seiner Herausgeber und Benutzer fortlaufend erweitern und verbessern (unter anderem Mechanismen zur Verknüpfung von Transkriptionen und Bildern der Quelltexte, komplexe Suchfunktionen unter Berücksichtigung lexikalischer und grammatischer Metadaten und Methoden zur Integrierung von Datenbankinhalten und Herausgeberanalysen zu vollständigen Wörterbuchartikeln). Der/Die Programmierer/in / Digital Humanist wird außerdem den Schriftsatz von Web‐ und Druckpublikationen des Münchener Gandhāra‐Projektes mit besonderer Berücksichtigung der Automatisierung editorischer Aufgaben auf Grundlage der Dictionary‐Datenbank unterstützen.

 

Anforderungen

Wesentliche technische Anforderungen sind Erfahrung mit relationalen SQL‐Datenbanken, mit der XML‐Bearbeitung durch XSLT und XQuery, mit der Erstellung von Web‐Benutzeroberflächen und mit dem Betrieb von Webservern; wünschenswerte Zusatzqualifikationen sind eine Vertrautheit mit dem eXist‐XML‐Datenbanksystem und Erfahrung mit digitaler Bildbearbeitung sowie dem digitalen Schriftsatz mit TeX‐basierten Systemen. Wesentlich sind weiterhin ein Interesse und aktives Engagement auf dem Gebiet der Digital Humanities, um aus den Erfahrungen verwandter Projekte zu lernen, ihre Ergebnisse und Werkzeuge effektiv zu nutzen und das Dictionary of Gāndhārī zu einem sichtbaren Akteur auf diesem Forschungsfeld zu machen; nachweisbare Erfahrung in einem erfolgreichen Digital‐Humanities‐Projekt wird von Vorteil sein. Vorkenntnisse der Gāndhārī oder anderer indischer Sprachen sind nicht notwendig, aber vom/von der Programmierer/in / Digital Humanist wird erwartet, sich im Zuge seiner/ihrer Arbeit mit den sprachlichen und inhaltlichen Grundzügen des Dictionary‐Quellmaterials vertraut zu machen, um mit seinen/ihren Kollegen effektiv zu kommunizieren und sinnvolle technische Entscheidungen zu treffen, die der Natur des Quellmaterials Rechnung tragen. Sie verfügen über einen Master-/Diplomstudienabschluss im Fach Informatik, Digital Humanities, Computerlinguistik oder einen vergleichbaren Studienabschluss. Wenn Sie ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit, kommunikativen Fähigkeiten und persönlichem Engagement mitbringen, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. Ihr Arbeitsplatz befindet sich in zentraler Lage in München und ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Wir bieten Ihnen eine interessante und verantwortungsvolle Tätigkeit mit guten Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten als Mitarbeiter in einem internationalen Forschungsteam. Schwerbehinderte Bewerber / Bewerberinnen werden bei ansonsten im Wesentlichen gleicher Eignung bevorzugt. Die Bewerbung von Frauen wird begrüßt.

Quelle: http://dhd-blog.org/?p=787

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Schmerzhafte Geburt der Popkultur: Vor 50 Jahren brachen die “Schwabinger Krawalle” aus

  Eine Rekonstruktion von Bodo Mrozek Das Wort Krawall leitet sich aus dem mittellateinischen “charavallium” her und bezeichnete ursprünglich eine “Katzenmusik”, eine durch Lärm vorgetragene studentische Unmutsäußerung aus vormoderner Zeit. Bei den Schwabinger Krawallen handelte es sich weder um einen Studentenulk noch um ein bajuwarisches Volksvergnügen. Das “rätselhafte Ereignis” markiert vielmehr die Reibungskonflikte im Übergang vom autoritären Obrigkeitsstaat zur liberalen Massengesellschaft westlicher Prägung. Sie begannen aus heiterem Himmel. Niemand hatte sie heraufziehen sehen. Und doch sollten diese fünf Tage im Juni das Verhältnis zwischen Ordnungskräften und Bürgerschaft tief greifend verändern. Die “Schwabinger Krawalle”, die heute vor fünfzig Jahren in München ausbrachen, gelten als rätselhaftes Ereignis, das sich lange Zeit der Deutung sperrte. Mal wurden sie als “halbstarke Zerstörungswut” heruntergespielt, mal zum heimlichen Beginn der Studentenproteste hochpolitisiert. Tatsächlich waren sie Ausdruck eines tief greifenden Kulturbruchs. Um ihn zu verstehen, muss man sich ins München des Jahres 1962 begeben. Der 21. Juni ist ein ungewöhnlich heißer Sommerabend. Mit hochgekrempelten Ärmeln sitzen die Münchner vor ihren Biergläsern. Die Straßencafés sind bis auf den letzten Klappstuhl besetzt. Im Englischen Garten singen ein paar Jugendliche zur Klampfe: russische Volkslieder. Als eine Polizeistreife die Musikanten vertreibt, ahnt noch niemand die Konsequenzen. Die Jugendlichen setzen ihr Spiel am Monopteros fort. Als abermals Polizei anrückt und die Musiker diesmal festnehmen will, regt sich spontaner Widerstand unter den etwa vierzig Zuhörern. Es kommt zu Wortgefechten, dann zu Rangeleien. Die Beamten werden als “Verbrecher in Uniform” und “Vopos in Blau” beschimpft, und auch der Abtransport der gefangenen Ruhestörer gestaltet sich schwierig, da dem Streifenwagen plötzlich ein Ventil fehlt. Als Verstärkung eintrifft, sind die paar Dutzend Musikfreunde bereits auf eine bedrohliche Menge von 400 Protestierern angewachsen. Über das, was danach geschieht, gehen die Interpretationen auseinander. Einigkeit herrscht unter den Zeugen jedoch darüber, dass die Polizisten ungewöhnlich hart vorgingen: “Zuerst ungeschickt, dann kopflos und schließlich sogar brutal”, wie ein Student später der “Welt am Sonntag” sagt. Kaum ist die Polizei abgerückt, da laufen immer mehr Protestierer zusammen. Auf der Leopoldstraße setzen sie sich mit ihren Gläsern auf den Asphalt. Aus den umliegenden Cafés und Biergärten tragen Passanten Stühle auf die Straßen, der Verkehr kommt zum Erliegen. Schaulustige sammeln sich auf den Gehwegen, Zeitungsberichten zufolge sind es Tausende. Anwohner treten im Nachthemd auf ihre Balkone. Auf den Fotos herbeigeeilter Pressefotografen sieht man lachende Menschen in dünnen Sommerkleidchen und gelockerten Krawatten. Gewaltbereite Randalierer sehen anders aus. Zeitzeugen beschreiben die Stimmung als ausgelassen. Es kommt zu Handgemengen. Der Polizeibericht vermerkt mehrere Würfe mit Gegenständen; aus den Gaststätten “Café Europa” und “Schwabinger Nest” werden Glühbirnen auf Polizeiwagen geworfen. Einige Papierkörbe stehen in Brand. Zweimal rücken die Räumketten der Polizei vor. Erst um 1.40 Uhr ist die Ordnung wieder hergestellt. Die erste Bilanz: 41 vorläufige Festnahmen, drei beschädigte Polizeiwagen. Ein Wachtmeister wird von einem Stuhl am Fuß getroffen, ein Oberinspektor erleidet durch einen Schlag gegen die Hand einen Bruch des kleinen Fingers. Hier weiterlesen.    

Quelle: http://pophistory.hypotheses.org/174

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H-Soz-u-Kult Chancen-Digest Nr. 4/2012: Ausgewählte Job- und Stipendienangebote 01.04.-30.04.12

From: Sonja Palfner Date: 12.04.2012 Subject: Job: 0,5 Wiss. Mitarb. Promotion "Virtuelle Forschungsumgebung in den Geisteswissenschaften" (TextGrid, TU Berlin) Technische Universität Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft, Berlin, 01.06.2012-31.05.2015 Bewerbungsschluss: 03.05.2012 http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/chancen/type=stellen&id=7182 :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: From: Samuel Klar Date: 27.04.2012 Subject: Job: 1 Wiss. Mitarb. "Kulturanalyse der Moderne" (Univ. Oldenburg) Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, 01.06.2012-30.09.2014 Bewerbungsschluss: [...]

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2012/05/2771/

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Stellenausschreibung: Redaktion der “Neuen Deutschen Biographie” der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
in München stellt zum 1. Juli 2012 in der Redaktion der „Neuen Deutschen
Biographie“ eine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in (Vollzeit) zunächst
befristet auf 18 Monate ein. Dienstsitz ist München.

Die/der Bewerber/in sollte folgende Qualifikationen aufweisen:

- geschichts- oder sprachwissenschaftlicher Studienabschluss (Master oder
Vergleichbare) mit ausgeprägten IT-Kenntnissen (Digital Humanities,
Computerlinguistik) oder Studium der Informatik/Informationswissenschaft mit
ausgeprägten historischen Interessen,
- nachweisliche Kenntnis von XML-basierten Technologien (XSLT, XSL-FO,
XQuery), einschlägiger Metadaten- und Kodierungsstandards (TEI, METS, RDF)
oder einer Programmiersprache mit der Bereitschaft, sich die genannten
Technologien anzueignen,
- wünschenswert ist die Benennung eines Referenzprojektes.

Die Aufgaben im DFG-geförderten Projekt „Entwicklung eines zentralen
historisch-biographischen Informationssystems für den deutschsprachigen
Raum“ umfassen:
- Textkodierung (digitale Edition),
- Objektidentifizierung (Abgleich gegen Normdaten und einschlägige
Datenbanken),
- Aufbau einer semantischen Faktendatenbank.

Die Bezahlung erfolgt nach E 13 TV-L.
Bewerbungsschluss ist der 15. Mai 2012.

Die Historische Kommission bemüht sich um den Ausbau ihrer digitalen
Angebote und eine Weiterbeschäftigung im Anschluss.

Die Historische Kommission ist bestrebt, den Anteil von Frauen unter ihren
Beschäftigten zu erhöhen. Stelle und Arbeitsplatz sind für Schwerbehinderte
bedingt geeignet; bei im Wesentlichen gleicher Eignung erfolgt ggf.
bevorzugte Einstellung.

Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen, gerne auch in elektronischer Form
(pdf-Dateien), richten Sie bitte an den 

Geschäftsführer der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der
Wissenschaften Dr. Karl-Ulrich Gelberg Alfons-Goppel-Str. 11
80539 München
(gelberg@hk.badw.de).

Hinweis: Die üblichen Bewerbungsunterlagen bitte nur in Kopie einreichen. Es
erfolgt keine Rücksendung, es sei denn, Sie fügen einen frankierten und
adressierten Rückumschlag bei. Die Unterlagen werden andernfalls nach einer
Aufbewahrungsfrist von fünf Monaten vernichtet.

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E-Mail-Forum "Geschichte Bayerns"

Redaktion:
redaktion@geschichte-bayerns.de
http://www.geschichte-bayerns.de/

Quelle: http://dhd-blog.org/?p=449

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Archivreport: Geheimes Hausarchiv München

http://www.gda.bayern.de/archive/hauptstaatsarchiv/1 Eine archivrechtliche Besonderheit stellt das Geheime Hausarchiv München dar, welches organisatorisch eine Abteilung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs ist. Aufgrund der Vermögensauseinandersetzung zwischen dem Bayerischen Staat und dem vormaligen Königshaus aus dem Jahre 1923 (http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44496) handelt es sich bei den Beständen des Geheimen Hausarchivs um Akten zur Geschichte des königlichen Hauses oder von dessen Angehörigen übergebene [...]

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2012/03/2527/

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aussichten Nr. 22 [29.02.2012]: Neue Einträge bei aussichten-online.net; Digest 01.02.2012-29.02.2012

Dokumentation zu den Bundesversammlungen der Bundesrepublik Deutschland http://www.aussichten-online.net/2012/02/2532/ http://www.bundestag.de/bundestag/aufgaben/weitereaufgaben/ bundesversammlung/dokumentation.pdf Auf den Seiten des Deutschen Bundestages steht eine Dokumentation der Bundesversammlungen der BRD zur Verfügung. sie enthält die Rechtsgrundlagen, Einzelbiographien der Bundespräsidenten, Übersichten zur Zusammensetzung der Bundesversammlungen sowie deren Protokolle. .................................................. REVOPO › Zeitleiste › 1840 bis 1848 http://www.aussichten-online.net/2012/02/2538/ Zeitleiste 1840 bis 1848 1840 Juni [...]

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2012/02/2516/

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Agnes Françoise d’Arco

Agnes Françoise d’Arco (geb. Lelouchier) (um 1660-vor 1738), Pastell auf Papier, 1704, 81 x 65 cm, München, Bayerisches Nationalmuseum, Inv.Nr. R 5396 Das Gemälde, das der bayerische Kurfürst besorgt seit Februar 1705 erwartete, und das mit zerschlagenem Glas wenige Monate später in Brüssel eintraf, identifizierte Helmut … Weiterlesen

Quelle: http://vivien.hypotheses.org/287

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