„Alle sind gestorben. Nur Tanja ist geblieben.“ Tagebücher und die Erinnerung an die Leningrader Blockade

Wer bereits einige Städte in Russland bereist hat, dem wird die Vielzahl an Denkmälern zur...

Quelle: https://erinnerung.hypotheses.org/2668

Weiterlesen

Der Erste Weltkrieg “in Echtzeit”: Tagebücher 1914-1918 in den Sozialen Medien

leon_vivienZahlreich und höchst unterschiedlich sind die Online-, Digitalisierungs- und Soziale Medienprojekte, mit denen derzeit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren gedacht wird. Neben den großen Initiativen wie Europeana 1914-1918, das Portal des Bundesarchivs und weiteren, teilweise hier und anderswo vorgestellten Online-Projekten1, fallen Soziale Medienvorhaben bei Twitter, Facebook und Blogs auf, die sich eine subjektive Nacherzählung der Geschehnisse “in Echtzeit” vornehmen.

So konnte man bereits  im letzten Jahr auf Facebook dem Leben des fiktiven französischen Gefreiten Léon Vivien folgen, der nach seinem konstruierten Lebenslauf 1914 einberufen und 1915 im Krieg ums Leben kam. Die Person des jungen Lehrers war erfunden, sein Foto aus Abbildungen der Zeit erstellt, aber die Texte und Dokumente der Facebook-Einträge waren “echt” und stammten aus den Dokumenten des Musée de la Grande Guerre du Pays de Meaux. Sie reichten vom 28. Juni 1914, dem Tag des Attentats in Sarajewo, bis zum 17. Mai 1915, dem Tag an dem er an der Front fiel und wurden täglich “in Echtzeit” doch um 99 Jahre verschoben auf Facebook publiziert. Das Projekt war äußerst erfolgreich: Über 66.000 “Fans” oder “Freunde” hatte die Facebook-Seite des erfundenen Léon Vivien, die seit November 2013 nach 220 Einträgen und dem inszenierten Tod Viviens nicht mehr aktualisiert wird. Das Vorhaben vier Jahre durchzustehen, schien den Projektbetreibern bei der Dichte der Einträge zu ambitioniert2. Dass bei diesem Projekt Fact und Fiction gehörig gemischt wurde, schien niemanden zu stören. Die Kritik war quasi einhellig positiv: ein gelungenes Projekt, so hieß es, mit dem ein historisches Ereignis auf attraktive Weise einem breiten Publikum nahe gebracht wurde3.

twitter_realtimeWährend den Verantwortlichen zufolge bei diesem Projekt der “menschliche Aspekt” des Kriegserlebnisses im Vordergrund stand, wählen die meisten (seriösen) Twitter-Projekte einen möglichst neutralen Standpunkt bei der Nacherzählung von Geschehnissen. Der Twitter-Account “Tweets from 1914-18” @RealTimeWW1 mit über 7.000 Followern beispielsweise wird vom Masterstudiengang European History an der Universität Luxemburg betreut und möchte „die Kette kleiner und großer Ereignisse, aus denen ein Weltkrieg besteht, Tag für Tag, Stunde für Stunde”4 nachzeichnen. Getwittert wird in verschiedenen Sprachen, da auch die beteiligten Studierenden aus verschiedenen Ländern kommen, überwiegend sind die Tweets jedoch in Englisch5. Die Texte sind neutral formuliert, fast immer wird auf eine Abbildung oder auf ein digitalisiertes Archivdokument verwiesen. Ein seriöses Projekt mit wissenschaftlichem Anspruch, das sich in eine Liste ganz unterschiedlicher Twitter-Vorhaben zum Ersten Weltkrieg einreiht, deren Bandbreite von satirisch über gut gemeint bis ernsthaft reicht6.

Eine Mischung aus beiden Ansätzen versucht das gerade an den Start gegangene europäische Projekt 3p1w-3 pilots-1 war oder 3 Piloten-1 Krieg bzw. 3 pilotes-1 guerre, das gemeinsam initiiert ist vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr – Flugplatz Berlin Gatow, dem Royal Air Force Museum, London und dem Musée de l’air et de l’espace, Paris – Le Bourget. In diesem gemeinsamen Dreier-Online-Tagebuch werden anhand von Feldpostbriefen und Dokumenten die Lebensläufe eines deutschen, eines britischen und eines französischen Piloten in den Jahren 1914-1918 “in Echtzeit” nacherzählt. Doch anders als bei Léon Vivien handelt es sich bei Peter Falkenstein, Jean Chaput und Bernard Curtis Rice um reale Personen, die tatsächlich existiert haben.

3p1wBewusst wurden keine bekannten Fliegerasse, sondern einfache Soldaten ausgewählt. Die Dokumente werden jeweils in drei Sprachen transkribiert und erläutert, sicherlich eine Fundgrube für Lehrende und alle diejenigen, die vergleichend arbeiten wollen. DieErlebnisse der drei Piloten findet man bei Facebook, getwittert wird von den drei Institutionen unter dem hashtag #3p1w. Über die sehr wünschenswerte Lizenzierung der publizierten Dokument mit einer Creative Commons-Lizenz wird von den Verantwortlichen derzeit nachgedacht7.

Bei L.I.S.A – dem Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung kann man derzeit in unregelmäßiger Abfolge die Tagebucheinträge des deutschen Schriftstellers und Diplomaten Harry Graf Kessler nachlesen. Den Texten zugrunde liegt die wissenschaftliche Edition der Tagebücher von Kessler durch Roland S. Kamzelak. Die Tagebucheinträge, die zumeist mit einem Foto versehen sind, werden im L.I.S.A.Dossier „1914-2014 – Hundert Jahre Erster Weltkrieg“ gesammelt.

frimayerUm die Erlebnisse einer realen Person geht es ebenfalls im Online-Kriegstagebuch des katholischen Seelsorgers Fridolin Mayer, eine Quelle, die im Erzbischöflichen Archiv Freiburg aufbewahrt und jetzt online zugänglich gemacht wird. Gepostet werden in diesem Quellenblog jeweils taggenau die Einträge des katholischen Feldgeistlichen, der vier Jahre lang überwiegend an der Front zu Frankreich freiwillig im Einsatz war. “Und Mayers Erinnerungen über provisorische Altäre, Kanonenschüsse beim Beichthören oder Massengräber mit Gefallenen der badischen Regimente 113 und 114, gewähren wahrlich packende Einblicke in das wenig erforschte Feld der damals noch jungen Feldseelsorge.”, so das Lob in der Badischen Zeitung vom 5.8.2014.8 Fridolin Mayer hat einen eigenen Twitteraccount, dem man unter @Feldgeistlicher folgen kann.

Im Quellenblog 1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch werden nicht die Erlebnisse einer realen oder fiktiven Person nachgezeichnet, sondern Dokumente aus mehreren rheinischen Archiven als Gemeinschaftsprojekt publiziert. Zu den Dokumenten gehören Zeitungsausschnitte, Briefe, Postkarten, Fotos, Tagebücher, behördliche Texte etc., die ebenfalls taggenau und um 100 Jahre versetzt sowie mit einer kleinen Erläuterung versehen publiziert werden. Die unterschiedlichen historischen Zeugnisse sollen ein “Kaleidoskop zeitgenössischer persönlicher Wahrnehmungen und öffentlicher bzw. veröffentlichter Meinung” entstehen lassen und sich “im Sinne der ursprünglichen Wortschöpfung „Weblog“ zu einem „Tagebuch“” zusammenfügen9. Lobenswert ist, dass die publizieren Dokumente unter eine CC-Lizenz gestellt werden (CC-BY-NC 3.0 DE).

rheinischesTagebuch

Die Liste der “Echtzeit-Tagebücher” ließe sich mühelos fortsetzen. Neben den hier genannten Projekten mit wissenschaftlichem Anspruch – oder zumindest von wissenschaftlichen Einrichtungen initiiert – gibt es private Initiativen wie das Quellenblog von Julian Finn, der die Tagebücher seines Urgroßvaters Ernst Pauleit Tag für Tag um 100 Jahre versetzt publiziert, doch ohne Anmerkungen oder kritischen Apparat.

Was bedeutet dieser Trend zu Quellenblogs – so unterschiedlich sie auch sein mögen -  in denen direkt und “in Echtzeit” Zeitzeugen zu Wort kommen, ob mit oder ohne Kommentar? Begrüßenswert und in vielerlei Hinsicht neu ist, dass Museen und Archive derzeit überhaupt versuchen, ihre Bestände einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und dabei den Weg über die Sozialen Medien nicht scheuen. Gleichzeitig scheint es in unserer Gesellschaft einen Bedarf nach (vermeintlicher) Authentizität zu geben, nach direkter Erzählung und subjektivem Nacherleben von Geschichte anhand von Tagebucheinträgen, eben “in Echtzeit”, ganz nah dran und so, als ob man es selbst erlebt. Zumindest in Bezug auf das Zeitempfinden kann Authentizität durch die “Echtzeit” erreicht werden. Denn vier Jahre schrumpfen nicht auf 10, 100 oder 400 Buchseiten zusammen, sondern bleiben vier Jahre, wobei im besten Fall auch die zeitlichen Abstände der Einträge zueinander stimmen.

Inhaltlich könnte dem Ganzen jedoch ein Missverständnis zu Grunde liegen. Die Online-Tagebücher versprechen einen ungefilterten, ungeschönten Zugang zur Geschichte, ein “So war es wirklich”-Erlebnis aus der Sicht von alltäglichen Menschen. Dass über die Auswahl der Quellen, über die Auswahl der Personen, deren Tagebücher ediert werden, ebenso Geschichte “gemacht” wird, könnte dabei ebenso vergessen werden, wie die Tatsache, dass es “so” gar nicht war, sondern allenfalls von einer oder mehreren Personen so wahrgenommen wurde. Das schmälert natürlich nicht die Berechtigung der Publikation, aber dieser Umstand sollte deutlich gemacht werden. Die Präsentation von Quellen auf diese Weise und in Echtzeit verlangt nach methodischer Transparenz, nach editorischer Klärung, zumindest, wenn man ein solches Vorhaben seriös betreibt.

Der Erfolg der Echtzeit-Tagebücher enthält allerdings auch eine Kritik an der Art und Weise, wie wir Geschichte schreiben: anscheinend nämlich an den Bedürfnissen der “breiten Öffentlichkeit” vorbei. Es dürfte sich lohnen, den Verlauf dieser Projekte zu verfolgen und die Diskussion über unsere gegenwärtige Geschichtsschreibung und neue Formate der Vermittlung zu führen.

__________

  1. Siehe die Kategorie “Sources Online” in diesem Blog: http://grandeguerre.hypotheses.org/category/quellen-online, die Übersicht bei Archivalia http://archiv.twoday.net/stories/629754893/ sowie das Blog digital 1418.
  2. Vgl. “Facebook 1914″: le quotidien d’un poilu de la Première Guerre mondiale raconté sur Facebook, in: Huffington Post, 11.4.2013, http://www.huffingtonpost.fr/2013/04/11/facebook-1914-premiere-guerre-mondiale-reseau-social-leon-vivien_n_3061066.html.
  3. Vgl. ISUU, http://issuu.com/sam2g/docs/le_mag_sam2g__musee_meaux_1_bd.
  4. Britta Schlüter, Studierende lassen den Ersten Weltkrieg auf Twitter wiederaufleben, idw-online 1.4.2014, https://idw-online.de/de/news580339.
  5. Vgl. das begleitende Blog zum Projekt: World War One goes Twitter, in: h-europe, http://h-europe.uni.lu/?page_id=621.
  6. Vgl. die Wiki-Übersicht zu historischen Twitteraccounts allgemein von Michael Schmalenstroer und die Twitterliste zum Ersten Weltkrieg von Christoph Hilgert sowie die Berichterstattung und Reaktionen zum Projekt “Heute vor 75 Jahren – vor, während und nach der Reichspogromnacht” 9@Nov38 auf der dazugehörigen Website http://9nov38.de/.
  7. So lautete die telefonische Auskunft von Jan Behrendt vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr – Flugplatz Berlin Gatow
  8. Siehe den Beitrag in der Badischen Zeitung vom 5.8.2014 http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/heiliger-krieg-freiburger-historiker-veroeffentlichen-tagebuch-eines-feldgeistlichen–88345078.html sowie das ebenfalls dort publizierte Interview mit den Projektverantwortlichen Michael Schonhardt und Yvonne Antoni, http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/suedwest/kirche-im-krieg-als-junger-priester-bedeutete-krieg-auch-abenteuer.
  9. Zitate aus dem Editorial des Blogs, http://archivewk1.hypotheses.org/uber.

Quelle: http://grandeguerre.hypotheses.org/1629

Weiterlesen

Roman Zirngibl, Diarium 1805, Januar

Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Nachlass Zirngibl, Diarium 1805 [Januar].

Mein Journal pro anno 1805   

I

 

Jänner

[Seite 1]

Den 1. Jänner hielt Reverendissimus1 das Hochamt. Bey der schönen, von H. P. Cölestin2 gehaltenen Predigt und bey dem Amt darauf war vieles Volk versammelt und zugegen.

Mittag speisten bey uns in Refectorio der Münchner Both3, sein H. Sohn Gaudentius4 und der taxische Kellerer Philipp.

Den 2ten erhielt ich meine Pension ex manu Reverendissimi, nämlich 125 f. Ich las die Kaisermeße – – – [Satz zwischen den Zeilen nachgetragen]

Ich beantwortete den 3ten Jänners die Briefe des H. Dekans Pärzl5, des H. P. Karl6, des H. P. Buzmann7 und seines Vaters, auch schrieb ich den H. Probstrichter in Hainspach8 Hölzl9. [am Rand: Briefe N. 1, 2, 3, 4 et 5]

Ich verehrte den Schullehrerinnen in Haindling10, der Bergbäuerinn und der alten Jägerinn, ieder eine Bouteillen Meth, für deren iede ich 8¾ xr Mauth 4 x. Bothenlohn, 1 xr. Aufschlag zahlen muste.

Der neue Mautner Schneeweis steigt in Stiefeln und Sporn auf der Mauth herum. – – Baiern drücket die Bürger Regensburgs.

Den 2. Jänner giengen abends beym Nachtessen die PP. Martin11, Florian12, Cölestin und Joseph13 ab.

Den 2. kam H. P. Benedikt14 von seinen Schulenbesuche in dem untern bischöflichen Staate15 zurücke.

Sieh einen Zötel [über der Zeile nachgetragen] der aus den Liebsbunde Verstorbenen. –

Den 4. um 1 Uhr mittags [über der Zeile nachgetragen] starb Franz Schachtner, fürstlich St. emmer. Portier im Schlagfluße. Er war ein frommer Mann, er bethete oder las immer. Er gab vil Almosen. Den 7. Jänner wurde er begraben und für ihn ein Amt gesungen.

Seit dem 3. [davor gestrichen: 4] Jänner blieb P. Bernard16 von gemeinen Tische aus.

Den 3. war nur Reverendissimus, H. P. Subprior17 und Placidus18 in der Metten, H. P. Benedikt rauchte nur beym Reverendissimo und H. P. Senior19 aus. – Den übrigen brachte der Sacristan die Stolam zur Selbstausrauchung.

[Seite 2]

6. Jänner [durch Überschreiben verbessert] hielt Reverendissimus alle divina. Es gab in unsrem Gotteshause viele Leute. Heute waren 5 Confratres abends erst um X nach Haus gekommen.

Den 7. war ich und H. P. Peter20 [über der Zeile nachgetragen] Gäste beym ReverendissimusH. P. Benedikt kam den 4. Jänn. von seinen Schulbesuche nach Haus. – Er [davor gestrichen: H. P.] trat das Amt eines Kustos wieder an, welches durch den Abtritt des H. P. Max21 nach St. Paul leer geworden ist, wieder an.

Den 7. gieng H. P. Heinrich22 zu einer Hochzeit eines [davor gestrichen: ab] seiner Geschwistern ab. H. P. Peter war Interimskellerer, welcher den 7. dieses einen starcken Disput mit P. Albert23 wegen Auslieferung einer Bouteille Weins, deren P. Albert schon 35 ½ Bouteillen antizipiert hatte, ab.

Den 8. Jänner hielt der H. Weihbischof zu Niedermünster das Hochamt. Es gab allda wenige Leute. 5 Emmeramer [durch Überschreiben verbessert] begleiteten die Prozeßion.

Seit dem 1. Jänner wurde den Armen die Rumfordische Suppe ausgetheilt. Den 8. Jänners verbathen sich dieselbe die Spitaler zu St. Oswald.

Den 7. Jänner gab die Prinzeßinn24 in ihren Wohnzimmern einen [verbessert aus: den] Kinderball.

Den 8. abends fieng H. P. Albert wieder über [gestrichen: diesen] den obigen Gegenstand Zänkereyen mit H. P. Peter an. Ich gieng auf einiges Stichel davon.

[am Rand: N. 6] Den 9. schrieb ich den H. Probstrichter von Hainspach und schickte ihm den kurerzkanzlerischen Staatscalender auf Zurückegabe.

[am Rand: N. 7] Eben heute schrieb ich auch den H. Vöttar25 von Teyspach26 und versprach der Frau Schwester27 und seiner Frau28 einen kleinen Beytrag zur häuslichen Ausgaben.

[Seite 3]

Den 10. musten die P.P. Florian, Cölestin, Peter und Joseph in [durch Überschreiben verbessert] consistorio, und zwar P. Cölestin um 9 Uhr, P. Joseph um 10 Uhr, Florian und Peter um 11 Uhr, erscheinen.

Von den 9. abends an – bis den 11ten erschien keiner mehr beym Tische. Sie assen miteinander beym P. Peters.

Wir haben demnach einen Abtey, ein Convent, und einen Hospitiendisch. P. Bernard macht den Einsiedler. Den 11. frühe um 3 Uhr starb der Emeramer [am Rand nachgetragen] Schmid Michael Siller. Er unterließ eine Witwe mit 5 Kindern.

Er war ein guter Christ, ein erfahrner Rosarzt. Den 12. kam H. P. Heinrich von Perazhausen29 wieder zurücke. [Satz am Rand nachgetragen]

Den 13. erschienen die 4 Herrn wieder bey dem Disch. –

Heute gieng H. P. Coelestin nach Reising ab. [gestrichen: He]

Der Fürst Taxis ließ sich in den marianischen Pakt aufnehmen den 13. Jänners.

Den 13. wurde der Michael Siller, Schmid, mit einen Levitenamt und mit den ganzen Geläute begraben.

Den 14. erhielt H. Maierhofer30 [gestrichen: das Dekret als] die von H. von Albini31 unterschriebene Präsentation auf die Pfarrey Vogtareut32. H. Dekan verlangte nicht mehrers und nicht wenigers als 6 Dukaten – als ein Douceurs.

Den 15. schrieb ich H. Pfarrer Nagel33, der sich unterdessen zu Engelbrechtsmünster34 aufhielt, und den H. Westenrieder35. [am Rand: N. 8, 9.]

Heute gab H. P. Prior36 etliche Extraspeisen zum Besten.

Die H. Mairhofer und der H. P. Max waren Gäste.

Den 15. schickte mir der H. P. Virgil37 [gestrichen: das (?)] eine monatliche Probsteyrechnungen von 1. Jänner 1804 – bis den 1. Nov. 1804 sammt den seinigen, welche leztere ich ihm wieder zurücke sand mit der Erklärung, daß ich nur [gestrichen: von den lezten] die Rechnungen über meine 10 Monate machen würde. Ich schrieb ihm auch unsre neue Zufälle. [am Rand: N. 10.]

[Seite 4]

Den 14. waren H. H. Coloman38 und Paul Gäste bey den Reverendissimo.

Den 16. ließ H. P. Prior seine Rechnung herumbgehen. Er schrieb hinein, daß [gestrichen: H. P. Vir (?)] ich in dieselbe 45 f 18 x. beytragen sollte: Da ich aber nicht mehrers für 12 [durch Überschreiben verbessert] Monate als 33 f. 20 x. Handgeld erhielt [durch Überschreiben verbessert].

Er schrieb alles Holzgeld den übrigen Mitbrüdern auf die Rechnung: Und da 2 H. davon, Virgil und Max, nur zu 30 Maaßen beytrugen, so warf er für sie eine Summa a 42 f zurücke. Diese und zugleich, weil er den P. Virgil meine (?) [durch Überschreibung verbessert] Sustentationsgeldern a 50 f. bey seiner Abreise auslieferte [am Rande nachgetragen: und zugleich...auslieferte], gab Gelegenheit zu einen [durch Überschreiben verbessert] großen Abgangs in der cassa, den ich, ungeacht [über der Zeile nachgetragen] ich mir mein Holz selbst gekauft hatte, büsen sollte. –

Es war den 16. Jänner über [danach gestrichen: diesen gegen (?)] der Rechnung Capitel. Ich erschien aber dabey nicht, sondern schrieb in die Rechnung hinein, daß nicht ich, sondern H. P., dem man 50 f. zu voreilig hinausgab, den Abgang ersezen müsse. Bey dem Nachtessen wurden [durch Überschreiben verbessert] wir uneins wegen dieses Verstoßes, den H. Prior eigensinnig entschuldigte, ja verneinte.

Den 17. waren die HH. Prior von Augustiner, PP Quardian von Minoriten39 und Augustinern40 Gäste beym Reverendissimo. Ieder hatte einen Gesellen. Von unsrer Seite speiste bey dem Reverendissimo H. P. Prior, Wilibald, Placidus und ich. Wir wurden gut tractiert. –

Den 18. gieng H. P. Calcidonius von Regensburg nach Straubing, Mämming und sohinn nach Vogtareut ab.

Den 15. abends sezte er uns abends 6 Bouteillen guten Wein auf. Den 16. überfiel meine Schwester41 eine Unpäßlichkeit zu Nachts.

Heute kam H. P. Cölestin von seiner Reise nach Reising zurücke.

[Seite 5]

Am St. Sebastians Festtag42 hielt Reverendissimus die Divina. Es gab bis nach Zehen Uhr Beichtleute.

Es [gestrichen: mittags] speisten cum Reverendissimo die PP. Emmeram43 und Max.

Heute, den 21., übergab ich den H. von Penzel das abgeschriebene Grundbuch. – IIdo den H. Hauptkastner Rosenmayer meine Gutachten über das Dienstnachlaßgesuch [Dienst über der Zeile nachgetragen; gestrichen: H.H.P.] des Andreas Röckel, Ammans in Haindlingberg44, und des Johann Stadler, Bauerns in Oberndorf.

Reverendissimus ließ den H.H. Fr. Max45, Heinrich46 [gestrichen: Joachim], Beda47, Joachim48, Joseph, Sebastian49, Johann Baptist50 auf dem Freyhof nobilium setzen. Sie stunden samt den schönen Aufschriften den 19. Jänners 1805.

Den 21. [verbessert aus 22] speiste ich abends beym Reverendissimo.

Den 22. wieder.

Heute machte ich ein Gutachten über das [durch Überschreiben verbessert] Ansuchen des H. Jakob Bogenberger um die Ablösung des Vieh und Baufahrinßstandes bey dem Austritte von der Verstiftung um den Schätzungspreis p. 2168 f. 24 xr.

Den 22. et 23. Jänners speiste in Refectorio H. P. Roman von Ensdorf51. Heute übergab ich dem H. Placidus ein Promemoria über [gestrichen: sei (?)] die von ihm, von mir in seiner Rechnung anverlangte 45 f. 18 xr. – –

Den 24. speiste H. P. Martin cum Reverendissimo.

Den [gestrichen: 26.] 25. speiste Celsissimus die Müllerische Familie und seine Frau Blutsverwandte aus. Heute kam ein Rescript von Reverendissimo consistorio, in welchem der zweyte Opfergang in den Kirchen nach Wunsche des Kurfürsten in Baiern eingestellt werden soll.

Den 26. schickte mir H. Westenrieder [gestrichen: viele] den 2ten[über der Zeile nachgetragen; gestrichen: neuen] Band der akademischen Abhandlungen. Ich besuchte heute die HH. Prälaten von Prüfling52 und Ror53 in Kumpfmühl54.

[Seite 6]

Der H. P. Benedikt ist vermutlich zu Schulenbesuch in dem oberen Fürstenthum Regensburg55 abgereiset.

Den 28. Jänner wurde ich mit Verfertigung meiner Rechnung von 1. Jänner bis den 1. Nov. fertig.

Den 29. überreichte ich dem H. von Penzl56 ein Promemoria, damit mir I. die Archive eröfnet, – II. die Zulage a 150 f. ausbezahlt, III. und die Schreibmaterialen zugestellt [?] werden.

Ich erhielt mit einer Belobigung meine erste Arbeit zurücke.

Heute um 10 Uhr wurde die Frau Erbprinzeßinn von Taxis von [durch Überschreiben verbessert] einem gesunden Prinzen57 um 10 Frühe entbunden.

H. P. Paul58, Stadtpfarrer, taufte denselben nach 10 Uhr sine ceremoniis. Die H.H. Gesandten fuhren auf und gaben Billeten ab. Nur unser Fürstabt wurde um 2 Uhr vorgelassen. Nach 3 Uhr fuhr der Fürst Taxis mit dem H. Prälaten von Prüfling nach Tischingen59 ab, [gestrichen: Er] um selbst [durch Überschreiben verbessert] [gestrichen: seinem H. Vater benach] seinem H. Vater60 die erste Nachricht von diesen frohen Ereigniße zu überbringen. – Um 10 Uhr war er vermuthlich beym H. Grafen Görtz61, um demselben die Niederkunft seiner Frau [gestrichen: nieder] zu melden – und vermuthlich, weil der neugebohrne Prinz die Nämen Friedrich Wilhelm erhielt, hat er den König von Preußen zum Gevatter gebethen.

[am Rand: N.] Den 30. Jänners überschickte ich den H. Probsten62 in Haindling I. das Rapular, die mundierte Rechnung von 12 Monaten von 1. Jänner bis den 31. Oct., III. die Belegen zur Rechnung und endlich 3 Briefe, einen über die Rechnung, den 2ten über die Differenz unsers Sustentationsrati pro mensibus Nov. et Decemb., über die neuen Zufälle in Regensburg. [am Rand: N. 11, 12, 13.]

[Seite 7]

Den 28. et 29. in der Nacht wurde Reverendissimo in den Abtey Hof ein Maaß bucherne Scheider gestollen. Die [durch Überschreiben verbessert] Polizey hat den Dieb ausgespäet. [am Rand nachgetragen]

Den 29. hatten die H. Capitel. Es wurde nach dem Nachtessen den H.H. P.P. [gestrichen: Cölestin] Florian, Cölestin, Heinrich und Joseph um 50 f. und um das halbe Obst gestiftet.

Die Depeschen gehen noch von Regensburg nach Paris fortan den kurerzkanzlerischen Gesandten Peust63. Der Kurfürst64 soll gute Geschäfte allda machen.

Um 1 Uhr wurde der H. Stadtpfarrer in einer Kutsche zur [gestrichen: der Tauf] Administration [verbessert] zum H. von Rechberg abgeholt. In der Nacht von 30. auf den 31. Jänn. warf es einen großen Schnee in Gestöber.

 

 

Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Nachlass Zirngibl, Diarium 1805 [Januar].  

Die Beilagen für das Jahr 1805 sind nicht überliefert. 

 

 

 

 

1 Zu Fürstabt Cölestin Steiglehner (1738-1819) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=117237655.

2 Zu P. Cölestin Weinzierl (1774-1847) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=100681883.

3 Franz Peter Puchner

4 Gaudentius Puchner, Augustinerchorherr, Rohr

5 Zu Peter Pärzl, Geiselhöring, vgl. Status ecclesiasticus Dioecesis Ratisbonensis, Regensburg, 1805, S. 37. 

7 Johann Baptist Columbin Butzmann, ein ehemaliger Franziskaner, der 1804 in der Schule in Haindling unterrichtete.

8 Hainsbach (St Geiselhöring, Lkr. Straubing-Bogen)

9 Joseph Hölzl

10 Haindling (St Geiselhöring, Lkr. Straubing-Bogen)

11 Zu P. Martin Minichsdorfer (1763-1835) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=10021388X.

12 P. Florian Heidester(1770-1815)

13 P. Joseph Diller (1779-1838)

15 Donaustauf (Lkr Regensburg) und Wörth a.d. Donau (Lkr Regensburg) gehörten zum Hochstift Regensburg, von 1803 bis 1810 dann zum dalbergischen Fürstentum Regensburg.

17 Zu P. Dionysius Danegger (1767-1828) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=1033019852.

21 Zu P. Maximianus Pailler (1779-1848) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=104159278.

23 P. Albert Lukas (1769-1821)

24 Zu Therese von Thurn und Taxis (1773-1839) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=121734307.

25 Anton Huber

26 Teisbach (St Dingolfing, Lkr. Dingolfing-Landau)

27 Maria Ursula Schreyhofer, geb. Zirngibl (*1738)

28 Franziska Huber, geb. Schreyhofer

29 Beratzhausen (Lkr. Regensburg)

30 P. Calcidonius Mayerhofer (1762-1817), 1803 Dispens ab habitu et ordine

31 Zu Franz Josef von Albini (1748-1816) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=118647709.

32 Vogtareuth (Lkr. Rosenheim)

34 Engelbrechtsmünster (St Geisenfeld, Lkr. Pfaffenhofen a.d. Ilm)

35 Zu Lorenz von Westenrieder (1748-1829) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=118631853Briefe Zirngibls an Westenrieder sind überliefert und wurden von Andreas Kraus ediert, die hier erwähnten Briefe allerdings nicht: Von 1805 ist nur ein Brief, nämlich vom 3. Februar 1805 (Nr. 64),überliefert. Die Edition der Briefe: Andreas Kraus, Die Briefe Roman Zirngibls von St. Emmeram in Regensburg, in: VHVO 103 (1963), S. 5-163 (online: http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:355-ubr01809-0005-0); VHVO 104 (1964), S. 5-164 (online: http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:355-ubr01817-0005-6).

37 P. Virgil Bacher (1767-1834)

39 P. Philippus Förster

40 P. Gottfried Reiffenstuhl

41 Therese Pokorny, geb. Zirngibl

42 20. Januar

44 Haindlingberg (St Geiselhöring, Lkr. Straubing-Bogen)

45 Fr. cler. Maximianus Kosler (1774-1795)

46 P. Heinrich Mayer(1742-1796)

48 P. Joachim Baumann (1745-1797)

50 Zu P. Johann Baptist Enhuber (1736-1800) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=116505362.

51 Benediktinerkloster Ensdorf, 1802 aufgehoben (Ensdorf, Lkr. Amberg-Sulzbach)

52 Zu Rupert Kornmann (1757-1817), dem letzten Abt des 1803 aufgehobenen Benediktinerklosters Prüfening, vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=116341033.

54 Kumpfmühl (St Regensburg)

55 Hohenburg (Lkr. Amberg-Sulzbach) gehörte zum dalbergischen Fürstentum Regensburg. 

56 Zu Karl Christian Ernst Graf von Benzel-Sternau (1767-1849) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=11612363X.

57 Friedrich Wilhelm von Thurn und Taxis (1805-1825)

59 Dischingen (Lkr. Heidenheim)

60 Zu Karl Anselm von Thurn und Taxis (1733-1805) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=119204940

61 Zu Johann Eustach von Görtz von Schlitz (1737-1821) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=118540211.

62 P. Virgil Bacher

63 Zu Carl Leopold Graf von Beust (1740-1827) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=137645104.

64 Zu Karl Theodor von Dalberg (1744-1817) vgl. http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=118720961

 

 

 

 

Andreas Kraus, Die Briefe Roman Zirngibls von St. Emmeram in Regensburg, in: VHVO 103 (1963), S. 5-163 (online: http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:355-ubr01809-0005-0); VHVO 104 (1964), S. 5-164 (online: http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:355-ubr01817-0005-6).

 

Hans Schlemmer, Profeßbuch der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg unter Fürstabt Frobenius Forster (1762—1791) , in: VHVO 110 (1970), S. 93-113, online: http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:355-ubr01908-0093-5.

 

Hans Schlemmer, Profeßbuch der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg unter Fürstabt Cölestin Steiglehner (1791-1812, +1819) , in: VHVO 111 (1971), S. 173-182, online: http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:355-ubr00031-0179-2

 

Literatur: http://romanzirngibl.hypotheses.org/literatur 

Personen: http://romanzirngibl.hypotheses.org/167

Quelle: http://romanzirngibl.hypotheses.org/150

Weiterlesen