Die Rheinlande und die ‚Erfindung‘ der Katharer

Ketzer und deren Verfolgungen sind wesentlicher Bestandteil unseres Geschichtsbildes vom Mittelalter.[1] Dabei gelten heutzutage die, oftmals mit Südfrankreich assoziierten, Katharer als bekannteste Gruppe damaliger Häretiker. Dieses spezifische Geschichtsbild wurde von einer breit rezipierten wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Literatur vermittelt oder zumindest unterstützt.[2]

Infragestellung des Geschichtsbildes der Katharer

Die Häresieforschung hat in den letzten fünfundzwanzig Jahren diese übliche Darstellung problematisiert und bestritten. Ausgehend von einer neuen Forschungsperspektive haben sich immer mehr Historikerinnen und Historiker auf die Konstruktion bzw. auf die ‚Erfindung‘ der Häresien – einschließlich des Katharismus – in den Quellen konzentriert und viele moderne Deutungen infrage gestellt. Waren die Katharer tatsächlich eine einheitliche ketzerische Bewegung im hochmittelalterlichen Europa (11.–13.

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Quelle: http://histrhen.landesgeschichte.eu/2022/05/rheinlande-katharer-ausstellung-riversi/

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Zur Korrespondenz von Kaiserin Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg (1655–1720)

Triptychon der Rosenkranzbrüderschaft in der Kirche St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt (um 1670). Vorne rechts kniend ist Eleonora Magdalena als pfalzgräfliche Prinzessin dargestellt, neben ihrer Mutter; links gegenüber der Vater mit dem ältesten Bruder Johann Wilhelm, © Wikimedia Commons

Ein neues Forschungsprojekt in Wien widmet sich unter der Leitung von Katrin Keller der Korrespondenz der bisher in Forschung und Öffentlichkeit wenig beachteten Großmutter Maria Theresias: “Familiensache. Dynastische Handlungsspielräume in der Korrespondenz von Kaiserin Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg (1655–1720)” (gefördert durch den FWF).[1] Im Zentrum des Projekts steht die Korrespondenz der Kaiserin mit ihrem Vater Philipp Wilhelm und ihrem ältesten Bruder Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, die sich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München befindet. Der Fund dieses umfangreichen Korpus ist umso beachtlicher, als Briefe von Frauen aus der Frühen Neuzeit insgesamt deutlich schlechter überliefert sind als solche von Männern.[2]

Kaiserin Eleonora Magdalena, die dritte Ehefrau Kaiser Leopolds I., repräsentierte und verband wie die meisten verheirateten Fürstinnen zwei Dynastien.

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Quelle: http://histrhen.landesgeschichte.eu/2022/05/korrespondenz-kaiserin-eleonora-magdalena-pfalz-neuburg-edition/

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Ein Abschied, jedoch kein Ende

Die Ausstellung zur Geschichte des IGL geht online weiter, Quelle: ddb Studio.

„Niemals geht man so ganz,…“ hieß ein Lied der Kölner Sängerin Trude Herr aus dem Jahre 1987. Dies gilt heute besonders für die nun endende Sonderausstellung im Universitätsmuseum Bonn. Unter dem Titel „Region als gemeinsame Aufgabe“ wurde hier in den vergangenen fünf Monaten die Geschichte des 1920 gegründeten und 2006 aufgelösten Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande (IGL) und seiner Nachfolgeinstitutionen präsentiert. Eigentlich als Bestandteil des für 2020 geplanten Institutsjubiläum angedacht, teilte die Ausstellung das Schicksal unzähliger Kulturveranstaltungen rund um den Globus: Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen durchkreuzten sämtliche Pläne.

Zwar publizierte Histrhen im Sommer 2020 eine Aufsatzreihe zur Geschichte des IGL, jedoch musste der Rest des lange vorbereiteten Institutsjubiläums auf das folgende Jahr verschoben werden. Für diesen Ausweichtermin wurde dann „pandemie-gerecht“ geplant: Deshalb sah man z.B.

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Quelle: http://histrhen.landesgeschichte.eu/2022/02/ausstellung-jubilaeum-igl-bonn-unimuseum-gatzen/

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Aufbruch in die Demokratie. Die Revolution 1918/19 im Rheinland und Westfalen

Zum Erinnerungsjahr des Kriegsendes und der Novemberrevolution 1918 sind in den letzten Jahren zahlreiche neue Aufsätze, Monographien und Sammelbände entstanden. Die vorliegende Aufsatzsammlung reiht sich hier ein, legt den Fokus aber auf die Regionalgeschichte. Der von Frank Bischoff, Guido Hitze und Wilfried Reininghaus herausgegebene Band präsentiert die verschriftlichten Beiträge einer Tagung im Düsseldorfer Landtag am 8./9. November 2018 aus Anlass des Kriegsendes und des „Aufbruchs in die Demokratie“. Die Beiträger*innen nähern sich dem Kriegsende, der Novemberrevolution und den ersten Jahren der jungen deutschen Republik aus regionalgeschichtlicher Perspektive. Die meisten Beiträge fokussieren auf das Rheinland und Westfalen, der Band enthält aber auch Forschungsergebnisse zum lippischen Freistaat. Tagung und Tagungsband gehen auf die Zusammenarbeit der Historischen Kommission für Westfalen und der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde zurück und waren von langer Hand vorbereitet. Bereits 2014 hatten die Historischen Kommissionen der Bundesrepublik beschlossen, jeweils für Ihren Bereich die regionalen Aspekte des Erinnerungsjahrs 1918 aufzuarbeiten, die bis dato noch kaum erforscht waren. Für das Rheinland und Westfalen liegt nun der hier zu besprechende sehr umfangreiche Sammelband sowie eine Vorstudie von Wilfried Reininghaus zur Revolution in Westfalen und Lippe aus dem Jahr 2016 vor.

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Quelle: http://histrhen.landesgeschichte.eu/2021/11/rezension-aufbruch-in-die-demokratie-selgert/

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Hochwasserkatastrophe 2021

Das Leid und die Schäden, die das Hochwasser im Rheinland verursacht hat, sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt (17.07.2021) nicht absehbar. Die Region trauert, sorgt sich um Verletzte und versucht schnellstens die notwendigste Infrastruktur wiederaufzubauen. Tausende Privathaushalte sind betroffen, darunter auch Eigentümer*innen von denkmalgeschützten Gebäuden.

Diese Menschen pflegen mit Hingabe und hohem Aufwand die Gebäude, die soviel mehr sind: Sie sind Elemente Rheinischer Geschichte, die mitunter von vielen Generationen erhalten und bewohnt wurden. Auch sie sind von dieser Katastrophe getroffen und da, wie die deutsche Stiftung Denkmalschutz mitteilt, für diese oft gar keine Versicherungen möglich sind, wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Mit den Spenden können Kulturdenkmäler in privater Hand, alte Dorfhäuser, Gehöfte, Mühlen etc., wieder eine Perspektive nach der Katastrophe erhalten.

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Quelle: http://histrhen.landesgeschichte.eu/2021/07/hochwasserkatastrophe-2021/

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Köln im Spätmittelalter 1288–1512/13 (Geschichte der Stadt Köln, Band 4)

Die Bedeutung der Stadt Köln, die im Spätmittelalter eine der wichtigsten Städte nördlich der Alpen gewesen ist, spiegelt sich in ihren zahlreichen Quellen wider, die ohne eine entsprechende geschichtswissenschaftliche Aufbereitung und allgemeinverständliche Präsentation für die Öffentlichkeit oft nur schwer verständlich sind. Innerhalb der monumentalen, von Werner Eck herausgegebenen, 13-bändigen Reihe der „Geschichte der Stadt Köln“ liegt nun mit Band 4 „Köln im Spätmittelalter 1288–1512/13“ ein weiterer wichtiger Teil dieser Präsentation vor, der die ferne spätmittelalterliche Epoche mit ihren vielen Eigenheiten für heutige Menschen begreifbar macht. Grundsätzlich gilt, dass jede Gesamtdarstellung – und es überrascht, dass es zu dieser, der vielleicht bedeutsamsten, Zeit der Kölner Geschichte, bisher keine Gesamtdarstellung gab – immer nur so gut sein kann, wie die Summe ihre Vorstudien.

Mit Wolfgang Herborn vom früheren Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande in Bonn war für den thematischen Zuschnitt des Bandes sicherlich der am besten eingelesene und aufgrund seiner zahlreichen Aufsätze und Monographien erfahrenste Autor gefunden worden. Allein über die Vorarbeiten konnten dessen Tätigkeiten aufgrund seines Todes 2015 nicht hinausgehen. Das der Band trotzdem eine druckfähige Form erreicht hat, was gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, ist dem Engagement von Carl Dietmar unter der Leitung von Werner Eck zu verdanken. Sie haben Herborns Vorarbeiten zu einem erfolgreichen Abschluss geführt.

Der auf die Berichtszeit 1288–1512/13 ausgelegte Band präsentiert, unterteilt in zwölf große Abschnitte in insgesamt 31 Kapiteln, die wichtigsten Aspekte der Kölner Geschichte im Spätmittelalter.

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Quelle: http://histrhen.landesgeschichte.eu/2021/03/rezension-koeln-im-spaetmittelalter-wozniak/

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Macht und Herrlichkeit. Die großen Kathedralen am Rhein von Konstanz bis Köln

Dieser opulente Bildband ist ein veritabler Ersatz für eine Reise zu den Kathedralen der Städte entlang des Ober- und Mittelrheins von Konstanz bis nach Köln.

Der Fotograf Florian Monheim passte bei seinen Aufnahmen der Kirchenbauten die idealen Licht-, Witterungs- und Frequentationsbedingungen ab. Die menschenleeren Innenräume der Kirchen und ihre Ausstattung mit Glasmalereien, Tafelbildern und Skulpturen sind dabei sämtlich unter natürlichen Lichtverhältnissen ohne künstliche Beleuchtung festgehalten. Er fand ungewöhnliche Blickwinkel und Perspektiven, die die Bauten zur Geltung bringen und neue Seheindrücke der Architekturen und ihrer Details vermitteln. Die hier vom Greven Verlag Köln in großformatigen Doppelseiten von herausragender Farbqualität reproduzierten Fotografien vermögen es geradezu, einen an den Ort des Geschauten zu versetzen. Darüber hinaus ermöglichen sie Anblicke, die man dort mit bloßem Auge nicht zu Gesicht bekäme. Bei den Großaufnahmen der Fassaden sind selbst kleinste Details lesbar, bei den Nahaufnahmen der Skulpturen einzelne Steinbearbeitungsspuren erkennbar. Wer einmal versucht hat, etwa Glasmalereifenster oder die Reliefs vom ehemaligen romanischen Südportal des Wormser Doms zu fotografieren, weiß, welche Mühen der Vorbereitung und welches fotografische Können dahinterstehen. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn die fast schon immersive Qualität der Fotografien ist unvergleichbar und selten gesehen in Buchform.

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Quelle: http://histrhen.landesgeschichte.eu/2020/05/rezension-macht-und-herrlichkeit-jacobs/

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Kölns verlassene Kinder

Akte betreffend den Fall des „eilfjährigen elterlosen Buben nahmens Nicolas Meyer“, 1816, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 400 (Oberbürgermeister (vor 1883)), A 3912

Die Stadt Köln verfügte um 1800 über ein ausdifferenziertes Armenfürsorgesystem mit unterschiedlichen Einrichtungen, die Aufgaben der Wohlfahrt und Fürsorge wahrnahmen und für arme, kranke und alte Menschen zuständig waren. Zu diesen Bedürftigen zählten auch in besonderem Maße die Waisen- und Findelkinder.

Das Promotionsprojekt nimmt die Situation dieser verlassenen oder verarmten Kinder in Köln im Zeitraum von etwa 1750 bis 1850 in den Blick. Ausgangspunkt ist das sogenannte „Waisen- und Findlingshaus“, wenngleich die Kinder auch mit weiteren Einrichtungen in Berührung kamen. Entscheidend ist die Frage nach dem Stellenwert der Versorgung der betroffenen Kinder in der städtischen Sozialpolitik Kölns. Als lokal angelegte Studie leistet das Projekt einen Beitrag zur Geschichte der Stadt in einer Zeit politischer Umbrüche. Darüber hinaus ist die Untersuchung im Feld der Kindheitsgeschichte zu verorten, da es immer wieder größere, überregionale Themen berührt, etwa indem nach der hinreichenden Versorgung oder richtigen Erziehung der Kinder gefragt wird, sowie danach, was Kindheit und „Kind-Sein“ in der Frühen Neuzeit bedeutete.

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Quelle: http://histrhen.landesgeschichte.eu/2018/11/koelns-verlassene-kinder/

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Rheinsemantik: Vom Ende des Rheins und dem Anfang des Rheinlands

Abb. 1: Das Wappen der Rheinprovinz von 1926. Quelle: Wikimedia

„Mit Rheinland […] werden nicht genauer definierte Gebiete am deutschen Mittel- und Niederrhein bezeichnet.“[1] So oder ähnlich erklären die meisten modernen Lexika den Begriff „Rheinland“.Auffallend dabei ist, wie vage die geografische Lage des „Rheinlands“ umrissen bleibt. Sehr viel eindeutiger wird hingegen die Entstehung des Begriffs auf die politischen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts zurückgeführt: Er findet seinen Ursprung in der „ehemaligen preußischen Rheinprovinz“.[2] Die Forschungsliteratur kennt den Begriff als Neologismus für das von Frankreich annektierte linke Rheinufer ab dem Ende des 18. Jahrhunderts – auch wenn er nur selten verwendet wurde.

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Quelle: http://histrhen.landesgeschichte.eu/2018/10/rheinsemantik/

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