Rezension: Jürgen Osterhammel – Die Verwandlung der Welt: Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts (Teil 1)

 

Jürgen Osterhammel - Die Verwandlung der Welt: Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts

Als Christopher Bayly 2004 sein Mammutwerk "Die Geburt der Modernen Welt: Eine Globalgeschichte von 1790 bis 1914" vorlegte, rief er damit ein großes Echo hervor. Die Idee einer Globalgeschichte selbst war für viele Jahrzehnte in der Geschichtswissenschaft außer Mode gekommen und in einer unseriösen Ecke verschwunden, nicht ganz bei kontrafaktischer Geschichtsschreibung, aber doch sehr nahe dran. Bayly allerdings ging mit solcher Sachkenntnis und methodischer Qualität vor, dass sein Werk kaum ignoriert werden konnte und viel diskutiert wurde. Ich habe es seinerzeit gelesen, aber ich muss zugeben, dass es mich damals überforderte. Seither steht es bei mir im Regal und verlangt vorwurfsvoll, noch einmal gelesen zu werden. Dieses Unterfangen ist mit dem Erscheinen von Jürgen Osterhammels ebenfalls nicht unbedingt schlanken Wälzer "Die Verwandlung der Welt" nicht eben nähergerückt. Denn Osterhammel hat 2020 sozusagen seine persönliche Antwort auf Bayly vorgelegt.



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Quelle: http://geschichts-blog.blogspot.com/2023/03/rezension-jurgen-osterhammel-die.html

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Sozialistischer Bildertausch: Analoge und digitale Quellenarbeit

Vier junge weibliche Fotomodelle stehen nebeneinander auf einem Platz und stellen ein neues, wild gestreiftes Textilgewebe vor, aus dem ihre Kleidung – Rock, Kleider, Hosenanzug – gefertigt wurde.

Annette Vowinckel, Berlin, Juni 2022, Fotografin: Janaina Ferreira dos Santos ©

Annette Vowinckel ist Leiterin der Abteilung Zeitgeschichte der Medien- und Informationsgesellschaft am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und außerplanmäßige Professorin im Institut für Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im von Janaina Ferreira dos Santos und Iulia Sucutardean geführten multimedialen Interview für das Online-Portal „Visual History“ (visual-history.de) stellt die Historikerin ihr neues Buchprojekt Zentralbild, Photo International and the Visual Politics of Late State Socialism vor, geht auf die Methoden ihrer Quellenarbeit ein und betont, wie digitale Tools die Arbeit von Historiker:innen in vielerlei Hinsicht vereinfachen können.

 

Berlin-Schöneberg, am 27. Juni 2022: Die Wetter-App zeigt 37 Grad an. Am Viktoria-Luise-Platz erfrischen sich Kinder im Springbrunnen, und in den nahegelegenen Eisdielen ist es brechend voll. Unweit von dort empfängt uns Annette Vowinckel in ihrer Wohnung.

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Quelle: https://visual-history.de/2023/03/13/vowinckel-santos-sucutardean-sozialistischer-bildertausch/

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Sharon Dodua Otoo: Charlottenburg as it is

So weit weg. So konservativ. So kartoffelig. Selbst die auf dem Klingelschild diversen Schreibweisen eines einzelnen Familiennamens (»Mayer«, »Mayr«, »Mey-er«, »Maier« und »Meier«) wirkten vielfältiger als die Menschen, die dort wohnten.

Otoo, Sharon Dodua: Adas Raum. München: Fischer, 2021, Kap. Unter den Betrogenen, Abschnitt 18:48 Uhr

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022693764/

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„Und wenn in ihrem Beritt nichts passiert war, meldeten sie auch das.“

Anschauungsmaterial für state-making as organised crime, der heutige FAZ-Artikel über die in den brasilianischen Gefängnissen entstandene PCC und deren bürokratische Praktiken.

Angehörige und Anwälte schmuggelten deshalb Briefe. Um sie geheim zu halten, zerrissen die Häftlinge sie bei Zellenkontrollen und spülten sie ins Klo. Gakiya und seinen Ermittlern gelang es, die Fetzen aus dem Abwasser zu filtern. Sie ließen sie desinfizieren, trocknen, nach Schriftbildern sortieren und zusammenpuzzeln. So fielen ihnen Dutzende Schreiben in die Hände, Depeschen aus allen Ecken Brasiliens, in denen sich das PCC ausbreitete. Die regionalen Bosse erstatteten Bericht. Sie schrieben über die Entwicklung der Mitgliederzahlen, ihre Einnahmen und Ausgaben, ihren Bedarf an Waffen, Kämpfe mit verfeindeten Banden, Morde. Und wenn in ihrem Beritt nichts passiert war, meldeten sie auch das

Klaubert, David: Partei des Verbrechens, in: FAZ, 11.3.

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Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022693734/

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